Denn trotz seiner Autismusstörung ist der 51-Jährige weiterhin zur Freude seiner zahlreichen Fans sehr erfolgreich als Sänger tätig. James Arthur Gekiere/BELGA/dpa

Erst war es eine Schock-Diagnose, dann eine Befreiung. „Ich leide unter Autismus“, enthüllte Helmut Lotti in einem Interview. Etwa 80.000 Menschen in Deutschland leben mit dieser Krankheit. Doch das ist nur eine Schätzung, denn oft wird Autismus gar nicht erkannt. Betroffene haben Schwierigkeiten mit sozialen Kontakten – zum Beispiel fällt es ihnen schwer, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen und diese zu verstehen. Das Autismussyndrom ist vor allem durch eine Störung in der Wahrnehmungsverarbeitung charakterisiert. Umweltreize für Auge, Ohr oder Tastsinn bereiten Betroffenen starke Probleme – sie werden von Sinneseindrücken förmlich „überrollt“. Der belgische Sänger, der eigentlich Helmut Lotigiers heißt, hat jetzt in einem Interview mit dem Promi-Magazin Bunte verraten, wie es ist, mit dieser Krankheit zu leben.

Helmut Lotti steht wieder auf der Bühne

Denn trotz seiner Autismusstörung ist der 51-Jährige weiterhin zur Freude seiner zahlreichen Fans sehr erfolgreich als Sänger tätig. In Teilen sogar wegen seiner Erkrankung, wie der Belgier Bunte erklärt: „Ich rede darüber, weil es so viele verschiedene Arten der Störung gibt. Es ist nicht so, dass Autisten Karikaturen sind. Wir haben eine unterschiedliche Art zu denken. Ich kann zum Beispiel nicht Small Talk führen“, so Lotti. So falle es ihm schwer, sich auf seichte und inhaltslose Gespräche zu konzentrieren.

Generell habe er in sozialen Situationen auch Probleme, „Grenzen zu setzen, falscher Humor an falschen Stellen, ganz komische Sachen“, erklärte Lotti vor einiger Zeit. „Häufig treffe ich komische Entscheidungen, weil ich in dem Moment sicher bin, dass diese Entscheidung die einzig richtige ist. Sogar, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass ich falsch lag, bleibe ich davon überzeugt, dass ich recht hatte!“ Dieses Verhalten macht der Musiker unter anderem auch dafür verantwortlich, dass seine letzte Ehe scheiterte.

Der Sänger Helmut Lotti bei einem Auftritt im Jahre 2001. Imago Images

Außerdem verriet er Bunte auch: „Ich habe auch ein Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom. Die positive Seite davon ist der Hyperfokus. Das hat mir bei meinem Job schon sehr geholfen, weil ich dadurch sehr gut Texte und Sprachen lernen kann.“

Ohne Toupet zurück ins Rampenlicht

Obwohl er jetzt  wieder auf Tour geht, hatte sich Lotti eine mehrjährige Schaffenspause gegönnt. Die hat er unter anderem dazu genutzt, über sein Leben und seine Karriere nachzudenken. „Ich wollte wissen, was es sonst noch gab in meinem Leben, und auch darüber nachdenken, wie es kam, dass es bei mir privat immer schiefgelaufen ist, und ob das etwas mit meiner Karriere zu tun hatte – heute weiß ich, dass das nicht der Fall ist“, sagte er in einem Interview. Auch wenn er Müllmann gewesen wäre, wären seine drei Ehen gescheitert. „Ich habe einfach immer nur die falschen Entscheidungen getroffen“, sagte Lotti.

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Nach sieben Jahren künstlerischer Auszeit kehrte Lotti auch ohne Toupet zurück ins Rampenlicht. Er sei musikalisch wieder der Alte – „nur ohne Haare“, so der Entertainer. Auf das Haarteil von früher verzichtet er. „Ich fühlte mich nicht wohl mit dem Ding auf dem Kopf“, sagte Lotti. „Ich hatte sogar Alpträume. Wirklich. Ich fand das sehr schlimm. Ich bin doch der Erste, der andere auslacht, wenn sie damit rumlaufen.“

Lotti wurde Mitte der 90er-Jahre mit der Vertonung und Interpretation klassischer Musikstücke über die Landesgrenzen Belgiens hinaus bekannt.