Der Comedian Johannes Schröder auf der Bühne.  Foto: imago images/Future Image

Für den Herrn Studienrat läuft es gut. Johannes Schröder, besser bekannt unter seinem Comedy-Bühnennamen Herr Schröder, spielt in gut beheizten Sälen und muss im Winter nicht bei offenem Fenster unterrichten. Glück gehabt: „Ich bin eher frostbeulig unterwegs.“ Corona hat das Leben des Lehrers auf dem Comedy-Trip „sanft bis abrupt ausgebremst“ und dazu geführt, dass Schröder jetzt voller Hingabe am Buch „Instagrammatik“ schreibt. Ja, er steht auf Wortspiele, sein voriges Buch und Programm hießen „World of Lehrkraft“. Für ihn ist unübersehbar: Corona hat bei den Lehrern einen Digitalschock verursacht. „Wir Lehrer haben, was die Digitalisierung angeht, ja eine Herdenimmunität entwickelt.“

Darum wird es auch am 4. November ab 18 Uhr im Quatsch Comedy Club Berlin gehen, wenn Schröder sein Special für den Sender Sky aufzeichnet (es gibt noch Tickets!). Schröder hat es damit auf den deutschen Comedy-Olymp geschafft. Womit sich ein Kreis schließt, denn am Anfang seines Sabbaticals, das er nutzte, um in Kanada zu ergründen, ob es ihm auf der Stand-up-Bühne gefällt, gab es diesen Abend: „Ich habe mir im Quatsch Club kurz vor meiner Abreise eine Show mit Don Clarke angeschaut. Da spürte ich schon, dass ich da auch stehen will.“

Die Leute auf keinen Fall mit Wortsalven überfallen

Auch vor seiner Show, die für den Bezahlsender aufgezeichnet wird, muss Schröder einem Ritual folgen: „Vor dem Auftritt laufe ich immer hektisch den Gang auf und ab, ich brauche die körperliche Bewegung. Dabei gehe ich die ersten Zeilen durch und freue mich aufs Publikum. Die erste Kontaktaufnahme ist für mich das Wichtigste.“ Seine Regel: Die Leute auf keinen Fall mit Wortsalven überfallen: „Erst mal spüren, was ist heute hier Sache. In die Gesichter schauen. Direkt fragen: Wie gehts Dir, wie heißt Du, bist Du Lehrer oder Schüler? Die Leute nicht überfahren. Das ist ja die Gefahr, wenn man so aufgeregt ist, dass man direkt mit dem Text losschießt.“ Schröder meint es offenbar ernst, wenn er bekundet: „Ich sehe es immer noch als Ehre und etwas Besonderes an, dass die Leute den Weg auf sich genommen haben.“

Wie schnell sich an den Schulen alles ändert, umschreibt der Lehrer mit der Lizenz zum Scherzen so: „Ich hatte ein kleines Schlüsselerlebnis in der Schule. Alte Wandplakate mit den Klassenregeln der 5a: 'Wir stellen am Ende der Stunde die Stühle hoch, wir lassen einander ausreden ...' Das fühlte sich an wie aus einem anderen Jahrhundert. Diese Unschuld der Probleme!“ Für ihn war das ein Entdeckergefühl: „Wie ein Archäologe, der in einer Pyramide eine Grabkammer öffnet. So haben die damals gelebt! Heute geht es ja nur noch um Abstandhalten, das Einbahnstraßensystem auf den Schulfluren und das reine Überleben!“

Wobei einiges unter die Räder kommt, was früher den Spaß in der Schule ausmachte: „Keine Prügeleien im Schulkorridor mehr, kein High-Five mit dem Sportlehrer, aus Abi-Ball wird Masken-Ball. Alles ist noch kontrollierter als es sowieso schon war. Vieles verlagert sich in den Online-Bereich. Youtube-Erklär-Videos boomen gerade. Manche Tutorials kommen in schmissiger Sprache. Der Dreisatz in zwei Sätzen. Aus Effi Briest wird Effi Zient.“

Das mit dem Groupie-Sex hat sich erledigt

Die Frage, ob er manchmal von der Rückkehr in den Schoß der Pensionsberechtigung träumt, lässt ihn kurz lachen: „Im Moment geht die Tendenz in eine andere Richtung. Das Unterrichten kann ich mir nur in Projektarbeit vorstellen. Ich will unbedingt pädagogisch was machen, darauf freue ich mich auch. Aber ohne Rotstift und ohne die Schüler auf eine Note reduzieren zu müssen. Theater, Poetry-Slam oder Stand-up als Projekt - darauf freue ich mich.“ Natürlich sei auch eine schöne Pension nicht zu verachten: „Aber davon bewege ich mich innerlich immer weiter weg.“

Auf die Frage, wie sich eigentlich der Groupie-Sex mit zunehmender Popularität entwickelt, bleibt Herr Schröder zunächst vage: „Es gab sicher die ein oder andere Erfahrung.“ Aber eigentlich kann er den Sex mit ihm nach der Show nicht empfehlen: „Ich bin nach den Veranstaltungen immer völlig k.o. Und auch noch mit dem Programm beschäftigt. Das gehe ich immer noch mal durch und überlege, wo ich die Pointe verbaselt habe. Und außerdem habe ich eine Freundin in Halle an der Saale. Das mit dem Groupie-Sex hat sich also erledigt.