Arnold Schwarzenegger, Schauspieler aus Österreich und ehemaliger Gouverneur von Kalifornien, bei einer Veranstaltung im April 2019. Foto: imago images/Fotoarena

Frühstück bei Arnie. Zwar sind wir nur per Video in das Esszimmer von Schwarzeneggers Villa im Nobelvorort Brentwood eingeladen, aber der Hausherr lässt auch den virtuellen Besucher sich wie zu Hause zu fühlen. Es ist 11 Uhr und Arnold knabbert zum Nachtisch an einem Plätzchen. „Süßigkeiten sind meine Schwäche“, gibt er lächelnd zu, „ich bin aus meiner Kindheit in Österreich ein Leckermaul.“ Die Plätzchen seien aber ein Genuss ohne Reue: „Sie sind vegan.“  Darum sind auch sein Haus-Esel und sein Zwergpony ganz wild darauf. Wie auf ein Stichwort trottet erst Lulu an den Tisch und dann macht Whiskey ihr den Platz streitig. Beide werden mit den Plätzchen gefüttert und ziehen wieder ab. Arnie steckt sich eine Zigarre an, weht mit der rechten Hand den Rauch weg und deutet auf ein Regal hinter sich, auf dem Familienbilder stehen und „Schnickschnack“ – er benutzt das in die englische Sprache übernommene jiddische Wort „Tchotchke“ –, „den ich mir von meinen Reisen aus der ganzen Welt mitgebracht habe“.

Berliner KURIER: Wie fühlen Sie sich als frischgebackener Opa?

Arnold Schwarzenegger: Das Baby ist sooo schön. Nicht dass ich voreingenommen bin, weil es meine Enkelin ist. Sie ist wie eine Hummel-Figur. Das Gesicht so fein wie Porzellan. Eine Stunde nachdem meine Tochter aus dem Krankenhaus entlassen wurde, war ich bei ihr zu Hause. Sie hat mir das Baby in die Arme gelegt, was einer Mutter viel abverlangt. Mütter sind besorgt, dass man alles richtig mit dem Baby macht. Es war schön, dass sie so viel Vertrauen zu mir hatte. Ich fühlte mich richtig gut. Sie hat gesagt: „Du hast bei mir einen guten Job gemacht und den wirst jetzt auch bei meinem Kind machen.“ Ich habe das Baby eine halbe Stunde gehalten. Es war wunderbar. Ich bin so happy für uns alle und besonders für Katherine und Chris.

Wenn die kleine Lyla bei Opa ist, wird er nicht mehr rauchen dürfen.

Mein Arzt hasst das eh. Aber ich rauche auch nur eine Zigarre am Tag! Ich weiß, dass das nicht gerade das Beste für meine Gesundheit ist.

Sie haben in einer Late-Night-Show gesagt, Sie hoffen, dass Ihre Enkelin Ihren Akzent nicht geerbt hat.

Nur ein Scherz. Ich habe es immer mit Humor genommen, wenn Leute sich darüber lustig gemacht haben, und mich selbst auf die Schippe genommen. Inzwischen ist der Akzent mein Markenzeichen. Wenn die Leute ihn nur hören, wissen Sie sofort, „Ah, da kommt Arnold“.

Katherine Schwarzenegger und ihr Ehemann Hollywoodstar Chris Pratt bei der Premiere von „Avengers: Endgame“ in Los Angeles im April 2019.
Foto: AP/Jordan Strauss/Invision

Haben Sie es je bereut, nach Amerika ausgewandert zu sein?

Nie. Zwar habe ich von Natur aus den Drive, den unbändigen Willen und die Hartnäckigkeit, erfolgreich zu sein. Doch dass ich es als Schauspieler, Businessman und Gouverneur geschafft habe, das verdanke ich allein Amerika. Weil dieses Land mir die Möglichkeit gegeben hat, meinen Weg zu gehen. Ich bin so dankbar, im großartigsten Land der Welt leben zu dürfen!

Was Sie anpacken, scheint zu gelingen. Was ist die wichtigste Qualität, die man haben sollte, um erfolgreich zu sein?

Man muss eine Vision von dem haben, was man erreichen will. Du brauchst einen Plan. Was nützt dir das beste Flugzeug der Welt, wenn der Pilot keinen blassen Schimmer von dem Punkt hat, wo er landen soll. Er fliegt planlos hin und her, bis er crasht, weil er keinen Treibstoff mehr hat. Du musst wissen, wo du hinwillst!

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An welchem Punkt sind Sie in Ihrer Hollywood-Karriere?

Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich nicht mehr auf dem Zenit stehe. Je älter man wird, desto mehr von deiner Stellung verlierst du, weil natürlich Jüngere nachkommen. Die neuen Sterne am Horizont. Das habe ich sehr genossen, als ich selbst es war, und jetzt freue ich mich für die junge Generation. Ich bin nicht mehr ganz oben auf der A-Liste, aber es heißt nicht, dass meine Karriere vorbei ist!

Aber Sie brauchen sich nicht mehr ins Zeug zu legen.

Ich habe mehr als genug verdient und mein Geld klug genug angelegt, sodass ich nie wieder arbeiten muss. Anders als andere Schauspieler, die eine Menge Kohle gescheffelt haben und dennoch plötzlich nicht mal mehr ihre Steuern zahlen können. Ich arbeite nur noch, wenn ich es will.

Sie setzen sich seit langem für Umweltschutz und grüne Energie ein. Wird es Zeit, dass wir uns von fossilen Brennstoffen verabschieden?

Ja, das muss unser Anliegen sein. Allerdings reicht grüne Energie allein nicht aus, um den Bedarf zu decken. Wir brauchen eine Mischung. Deshalb bin ich auch für Atomenergie.

Sie ist für mich eine der sichersten Methoden der Energiegewinnung. Wenn man mal, überlegt wie viele Menschen durch Atomunfälle gestorben sind, dann waren das vielleicht 5000 insgesamt. Aber wenn man das mit Kohleabbau vergleicht, da ist in den Schächten ein Vielfaches von Menschen ums Leben gekommen. Und noch viel mehr sind an den Folgen von durch Kohlestaub ausgelöstem Krebs oder Lungenkrankheiten gestorben. Am Ende ist Atomenergie ein wichtiger Teil der Lösung für die Zukunft.

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Die Corona-Infektionszahlen in Amerika sind besorgniserregend hoch. Wie gehen Sie mit der Pandemie um?

Ich gehöre zur Risikogruppe, weil ich Gesundheitsprobleme habe. Ich hatte zwei Operationen am offenen Herzen, weil ich einen vererbten Herzklappenfehler habe. Meine Mutter und meine Großmutter hatten das auch. Deshalb muss jemand wie ich immer besonders vorsichtig sein, sich nicht anzustecken.

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Was bedeutet das konkret?

Dass ich zum Beispiel erst wieder Filme drehen würde, wenn ich überzeugt bin, dass es völlig sicher ist. Sprich wenn wir wirklich zuverlässige Tests haben oder eine Impfung, die funktioniert. Hoffentlich wird das in den nächsten Monaten der Fall sein!