Gil Ofarim ist ein bekannter deutscher Musiker. Imago/Future Image

Gil Ofarim ist in Deutschland ein gefeierter Star. Er spielt in mehreren Bands, ist als Solo-Musiker unterwegs, gewann 2017 die beliebte Show „Let's Dance“ und wird auf Instagram für seine positive Art von zahlreichen Fans gefeiert. Doch nun meldete sich der zweifache Vater mit einem ernsten Video bei seinen 107.000 Followern: Er wurde in Leipzig Opfer eines antisemitischen Übergriffs.

Gil Ofarim macht antisemitischen Übergriff öffentlich

Gil Ofarim kämpfte während des knapp zweiminütigen Clips immer wieder mit den Tränen. Er sitze gerade in Leipzig vor „einem Hotel namens Westin“, beginnt er seine Erzählung. Den Namen des Mitarbeiters wolle er nicht nennen. Bezeichnet ihn schlicht als „Herr W.“ Und dann berichtet er von dem Übergriff.

Zunächst habe es wegen eines technischen Problems eine lange Schlange gegeben, was auch völlig okay sei, sagte Gil Ofarim. Doch immer wieder seien ihm Menschen vorgezogen worden. Es habe fast eine Stunde gedauert, bis er endlich drankam. Als der Rockmusiker dann wissen wollte, warum andere ihm vorgezogen worden seien, sagte der Mitarbeiter „Herr W.“, dass das geschehen sei, um die Schlange zu entzerren.

Gil Ofarim: Aus der Ecke rief jemand „Pack den Stern ein“

Das schien zunächst ohnehin unglaubwürdig, doch was dann geschah, raubte Gil Ofarim den Atem. „Da ruft einer aus der Ecke: ‚Pack deinen Stern ein‘“, sagte der Sänger, der als Jude einen Davidstern um den Hals trägt. Doch bei dem Ruf aus der Ecke blieb es nach der Schilderung von Gil Ofarim nicht. Auch „Herr W.“ habe Ofarim aufgefordert, seinen Davidstern einzupacken. „Und er sagte: Wenn ich den Stern einpacke, darf ich einchecken.“ An dieser Stelle kämpft Gil Ofarim mit den Tränen. 

Gil Ofarim gewann 2017 mit Ekaterina Leonova bei Let's Dance. Imago/APress

Gil Ofarim berichtete bereits in der Vergangenheit von Antisemitismus

Zu dem Video schreibt er: „Warum haben wir denn nichts aus der Vergangenheit gelernt? Es ist nicht das erste mal, aber irgendwann reicht es.“ Bereits in der Vergangenheit äußerte sich der in München geborene Musiker, dessen Vater Abi Ofarim aus Tel Aviv stammt, zu antisemitischen Übergriffen, die er in Deutschland erlebte. Er selbst wuchs in München auf und hatte dort immer mit Anfeindungen zu kämpfen.

In der Talkshow „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg sprach Gil Ofarim 2018 von „Hakenkreuzen auf meiner Schulbank“ oder der monatlichen Tüte Hundekot im Briefkasten. Einmal habe ein Mitschüler ihm sogar gesagt: „Ey, weißt du, dass Dachau nicht weit weg von hier ist?“ Diese Anspielung auf das KZ verfolgt Gil Ofarim noch heute.

Antisemitismus sei nichts, was zurückkomme oder jemals weggewesen wäre. Es sei in Deutschland stets Alltag gewesen. „Wir kultivieren in Deutschland eine Tradition des Wegsehens“, erklärte Ofarim. Der nun mit der Veröffentlichung des neuesten Vorfalls viel für die Sichtbarkeit tut.

Gil Ofarim antisemitisch angefeindet: Marriott-Gruppe will den Fall aufklären

Die Marriott-Gruppe zu der das Westin-Hotel in Leipzig gehört, reagierte geschockt auf die Vorwürfe. „Wir ermitteln dringend, um herauszufinden, was hier passiert ist“, sagte eine Sprecherin dem KURIER. Ein Sprecher aus dem Leipziger Hotel sagte zudem: „Wir sind besorgt über diesen Bericht und nehmen die Angelegenheit sehr ernst. Wir versuchen mit allen Mitteln, mit Herrn Ofarim in Kontakt zu treten, während wir dringend nachforschen, was hier passiert ist. Unser Ziel ist es, alle unsere Gäste und Mitarbeiter zu integrieren, zu respektieren und zu unterstützen, unabhängig davon, welcher Religion sie angehören.“

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Jusef Schuster, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, lies sich auf Twitter mit den Worten zitieren: „Die antisemitische Anfeindung gegen Gil Ofarim ist erschreckend. So wie zu hoffen ist, dass das Westin personelle Konsequenzen zieht, hoffe ich ebenso, dass wir künftig auf Solidarität treffen, wenn wir angegriffen werden.“

Hunderte Menschen versammeln sich vor dem Hotel

Nach dem Vorfall versammelten sich am Abend Hunderte Menschen vor dem Hotel, um Solidarität mit Ofarim und Jüdinnen und Juden in Deutschland zu zeigen. Aufgerufen hatte das Bündnis „Leipzig nimmt Platz“. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl zunächst auf den „mittleren dreistelligen Bereich“, wie eine Sprecherin sagte. Irena Rudolph-Kokot von „Leipzig nimmt Platz“ sagte bei der Kundgebung, dass der antisemitische Vorfall extrem wütend mache und nicht unwidersprochen bleiben dürfe.

„Wir solidarisieren uns mit allen Jüdinnen und Juden, denen das in Deutschland immer noch viel zu häufig passiert“, sagte sie. Neben den Hunderten Teilnehmenden aus der Zivilgesellschaft nahmen auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hotels an der Kundgebung teil. Sie hielten vor dem Hoteleingang ein Transparent hoch, auf dem die Flagge Israels zu sehen war.