US-Schauspieler Anthony Hopkins Imago/Zuma-Press

Keine Angst, Sir Anthony Hopkins begibt sich nach seinem Gewinn als Bester Hauptdarsteller nicht aufs Altenteil. Der Abstecher während der Academy Awards in seine walisische Heimat war nur als Urlaub zu werten. Wenn der 83-Jährige, als ältester Schauspieler, der je einen Oscar gewonnen hat, nach Los Angeles zurückkehrt, dann wartet sein frisch renoviertes Heim in der Promi-Enklave Pacific Palisades auf ihn. Acht Monate lang hatte er sich dort während der Corona-Krise abgekapselt.

Was haben Sie denn die ganze Zeit zu Hause gemacht?

Ich kann mich gut beschäftigen. Ich habe viel gelesen, gemalt, Brahms und Rachmaninoff auf dem Klavier gespielt. Es war kein Problem und ich habe mich sehr wohlgefühlt, es langsam angehen zu lassen. Ich habe die sechs Jahre zuvor nonstop durcharbeitet und die Pause tat mir gut.

Fühlten Sie sich denn nicht manchmal etwas einsam?

Das war ich doch nicht. Meine Frau Stella und unsere Haustiere waren um mich herum. Wir lieben Tiere und spielen Pflegefamilie für gerettete Hunde und Katzen. Ich hatte schon als kleiner Junge in Wales meine erste Katze, die ich über alles geliebt habe.

Lesen Sie auch: Kevin Bacon: „Unsere Gesellschaft wird von Gier getrieben“ >>

Haben Sie ein Lieblingshaustier?

Eindeutig mein Kater Niblo. Den habe ich vor zehn Jahren aus Budapest mit nach Hause gebracht. Er ist unglaublich schlau. Ich beneide ihn und alle Tiere, weil sie nicht so wie wir mit dem Wissen unserer Sterblichkeit verflucht sind. Sie leben jeden Tag voll aus und wir können viel von ihnen lernen.

Sie spielen in „The Father“ einen demenzkranken Mann, der sich starrköpfig weigert, Hilfe anzunehmen. Kennen Sie so etwas auch aus Ihrer eigenen Familie?

Nein. Meine Eltern hatten beide keine Demenz, bevor sie gestorben sind. Dennoch habe ich mich bei meiner Rolle von meinem Vater inspirieren lassen. Der litt im letzten Jahr vor seinem Tod an Herzschwäche und sein zunehmend schlechter werdender Gesundheitszustand hat ihn depressiv und vor allem mürrisch werden lassen. Als ich mich das erste Mal selbst auf der Leinwand sah, da sah ich meinen Dad vor mir!

Anthony Hopkins in seiner Rolle im Film „The Father“, für die er mit dem Oscar als beste männliche Hauptrolle ausgezeichnet wurde. Imago/Zuma-Press

Macht Ihnen das Älterwerden Angst?

Nein. Was in unserem Leben passiert, liegt außerhalb unserer Kontrolle. Warum sich verrückt machen. Ich bin 83 und noch hier, während so viele andere es nicht mehr sind. Ich schätze mich sehr glücklich. Zumal mein Verstand noch immer ziemlich scharf ist.

Also noch kein altersbedingter Gedächtnisverlust?

Nein. Mein Gehirn war schon immer auf Zahlen fixiert. Ich vergesse keine Daten oder Zahlenkombinationen. Das hat sich bis heute noch nicht geändert.

Was tut Sie, um körperlich fit zu bleiben?

Ich habe mein eigenes Gym zu Hause. Dort geh ich aufs Laufband und stemme Hanteln. Dazu mache ich Dehnübungen, um möglichst flexibel zu bleiben. Und ich glaube auch, dass meine positive Einstellung mich jung und gesund hält. Ich bin einfach glücklich über mein tolles Leben und all die Möglichkeiten, die ich bislang bekommen habe.

Lesen Sie auch: Sohn Luca Dotti über seine Mutter und Hollywoodlegende Audrey Hepburn: „Sie war ein kampferprobter, krasser Typ“ >>

Wie steht es mit bewusster Ernährung?

Mir ist zumindest bewusst, dass ich möglichst wenig Zeugs essen sollte, das meine Arterien verstopft (lacht). Ich habe schon immer ziemlich gesund gegessen. Haferflocken oder ein Protein-Shake zum Frühstück und viel Gemüse. Was nicht heißt, dass ich nicht auch mal einen Burger genießen kann. Wie gesagt, man soll es nicht übertreiben.

Sie haben sich als Maler in der Kunstwelt einen Namen gemacht …

…obwohl ich es darauf nie angelegt habe. Ich habe einfach angefangen, drauflos zu malen. Dazu hatte mir ein Freund geraten. Er sagte ‚Wer malt, der stirbt glücklich‘.

Haben Sie einen Stil, an den man sofort einen Original Hopkins erkennen kann?

Ich habe keinen festen Stil. Ich gehe in mein kleines Atelier und pinsele einfach los. In letzter Zeit male ich immer nur Gesichter und Augen und experimentiere mit Farben. Ich habe gerade ein Gemälde in den Nationalfarben von Kolumbien fertiggestellt. Meine Frau stammt da her. Ich werde es ihrem Bruder schicken und hoffe, er mag es.

Sammler lieben Ihre Werke!

Ich war auch überrascht. Ein Bekannter hat mich überredet, Ausstellungen in Las Vegas und auf Hawaii zu veranstalten. Und die Leute haben meine Werke wie verrückt gekauft.

Lesen Sie auch: Sängerin Sia gesteht: „Ich will geliebt werden und will es allen immer recht machen“ >>

In „The Father“ ist Ihr Anthony davon besessen, dass alle Dinge ihren festen Platz im Haus haben müssen. Legen Sie auch Wert auf Ihre ganz bestimmte Ordnung?

Das fragen Sie am besten mal meine Frau (lacht). Ich bin bestimmt nicht besessen von einer bestimmten Ordnung. Das Leben ist viel zu kurz, um sich über solche Dinge zu viel Gedanken zu machen. Überhaupt bevorzuge ich das Chaos, weil ich darin besser improvisieren kann.