Wenn die eigene Mutter stirbt: „Es ist, als ob jemand eine schützende Decke wegreißt.“ Foto: dpa/Richard Shotwell

Vor mehr als 110 Jahren rief die US- Amerikanerin Anna Marie Jarvis den Muttertag ins Leben, auch um ihre zwei Jahre zuvor verstorbenen Mutter zu ehren. Mit der schnellen Kommerzialisierung dieses Tages konnte
Jarvis jedoch nichts anfangen und wollte den von ihr begründeten Tag sogar wieder abschaffen. Aber
da hatte das Rad des Kapitalismus bereits unaufhaltbar an Fahrt aufgenommen. Ein Essay, das Angelina Jolie am diesjährigen Muttertag in der „New York Times“ über ihre Mutter schrieb, trifft da doch eher die eigentliche Bedeutung des Tages. Marcheline Bertrand starb 2007 an Krebs. 100 Jahre nach dem ersten Muttertag.

Viele Menschen haben ein Elternteil verloren

Wenn sie auf diese Zeit zurückblicke, schrieb die Schauspielerin, könne sie erkennen, wie sehr sie der
Verlust ihrer Mutter verändert habe. „Die Liebe, die warme, weiche Umarmung einer Mutter zu verlieren, ist, als ob jemand eine schützende Decke wegreißt.“ Der Muttertag sei für jeden schwierig, der seine Mutter verloren hat, doch in diesem Jahr, so glaubt sie, müsse es wegen des Coronavirus noch schlimmer sein. Denn viele Menschen haben ein Elternteil verloren.

Jolie schreibt, sie habe sich nach dem Tod ihrer Mutter ein kleines „W“ auf die rechte Hand tätowieren lassen. „W“, das stehe für „Winter“ schrieb sie. Wie der Song der Rolling Stones, den Marcheline Bertrand der kleinen Angelina als Baby vorgesungen hat. Darin heißt es: „Ich möchte meinen Mantel um dich wickeln.“ Anschließend habe sie Jolie
in eine Decke gewickelt und eingekuschelt.

Kinder stehen an erster Stelle

Wenn Jolie den Stones-Song heute hört, so schreibt sie, denkt sie daran, wie alleine sich ihre Mutter selbst gefühlt
haben muss, als sie ihn gesungen hat. Denn auch Marcheline Bertrand verlor ihre Mutter früh.

Schon in ihren 20ern war sie auf sich allein gestellt. So wie Jolie jetzt. „Ich weiß jetzt, wie es ist allein zu sein und meine Decke um die zu wickeln, die ich liebe“, schreibt Jolie, die selbst Mutter von sechs Kindern ist, weiter. Wenn
Kinder in das Leben treten, „stehen sie sofort und für immer an erster Stelle“.