Waren sie jemals glücklich? Johnny Depp und Amber Heard im Jahr 2014. Foto: Imago-Images/Elizabeth Goodenough

Eigentlich ist Johnny Depp in London gegen die „Sun“ vor Gericht gezogen, um seinen Ruf zu retten. Das britische Boulevardblatt hatte ihn der Misshandlung seiner Ex-Frau Amber Heard bezichtigt und als Frauenschläger bezeichnet. Das wollte der Hollywood-Star nicht auf sich sitzen lassen – und hat sich damit offenbar keinen Gefallen getan. Denn seit Tagen enthüllen er und seine Ex schockierende Details über den jeweils anderen. Die eigentliche Klage scheint in den Hintergrund gerückt zu sein.

Johnny Depp hält den Daumen hoch: Er ist zuversichtlich. Foto: AFP/Tolga Akmen

Bereits am ersten Prozesstag beschuldigte Depp Amber Heard, dass sie die aggressive Person in der Beziehung gewesen sei. Er selbst sei ihr gegenüber nie gewalttätig geworden. Als Beweis ließ er später zwei seiner Ex-Frauen – Winona Ryder und Vanessa Paradis – für ihn bürgen. Er bezeichnete Heard als narzisstische Soziopathin, die nur mit ihm zusammengewesen sei, um ihre Schauspielkarriere in Schwung zu bringen. Die beiden hatten sich 2011 beim Dreh zu „The Rum-Diary“ kennengelernt.

So konträr die Sichtweisen auf das Geschehene, so ähnlich die Vorwürfe, die sich die beiden machen. So sagte Heard aus, als sie an der Reihe war, sie habe Todesangst vor Johnny Depp gehabt. „Er hat mir viele Male explizit damit gedroht, mich zu töten, vor allem später in unserer Beziehung“, teilte sie in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Sie warf ihm vor, „sehr gut im Manipulieren von Leuten“ zu sein. Für sein Fehlverhalten habe er stets ein „Monster“ verantwortlich gemacht – eine Art Alter Ego, wie sie sagt. Doch das stritt Depp ab. Ganz anders als seine Probleme mit Drogen und Alkohol.

Amber Heard winkt vor dem Gerichtsgebäude. Foto: AP/Frank Augstein

Je länger der Prozess läuft, umso deutlicher wird, was für eine toxische Beziehung das für beide Seiten gewesen sein muss. Und so scheinen Depp und Heard zu glauben, ihren Ruf nur dadurch retten zu können, dass sie den des anderen zerstören. So behauptete Depp zu Beginn des Prozesses, dass Amber ihm einen Kothaufen im Bett hinterlassen hätte – wovon zufälligerweise kurz darauf ein Bild im Netz kursierte. Sie wiederum berichtete davon, dass Depp ihren kleinen Yorkshire-Terrier aus einem fahrenden Auto hielt und androhte, ihn in die Mikrowelle zu stecken.

Beide präsentierten Fotos von Verletzungen im Gesicht. Fotos: AP/London High Court

Immer wieder sind auch Fotos der beiden Teil des Prozesses. Einige zeigen bei beiden Gesichtsverletzungen, andere den totalen Kontrollverlust Johnny Depps. Eines zeigt ihn – offenbar nicht Herr seiner Sinne – auf dem Sofa sitzend. Eine Packung Eis läuft in seinem Schoß aus.

Rund eine Woche soll der Prozess noch andauern. Dass tatsächlich einer von beiden als Gewinner aus ihm hervorgeht, ist schwer zu glauben.