Dieses Zigarettenetui sorgt bei „Bares für Rares“ für Zoff. ZDF

Dass man sich beim Schauen der Sendung „Bares für Rares“ verwundert die Augen reiben und ein zweites Mal hinschauen muss, passiert eigentlich in schöner Regelmäßigkeit. Es sind gerade diese Überraschungsmomente in der Show, die sie so einzigartig machen. Wenn jemand völlig ahnungslos mit einem alten Gegenstand aus der Schublade vor den Händlern steht und den Deal seinen Lebens macht zum Beispiel. Aber es gibt eben auch die andere Seite: Enttäuschungen. So wie bei diesem Zigarettenetui, was für nur ein Drittel der Expertise den Besitzer gewechselt hat. Wie sehr haben die Händler den Kandidaten hier abgezockt?

Der Reihe nach: Jörg Forst, 44, aus Friedberg, hat das Zigarettenetui mit den vielen Abzeichen mit in die Sendung gebracht. Er weiß eigentlich nichts über das gute Stück, hatte es einst von einer älteren Dame geschenkt bekommen. Jetzt hofft er auf 200 Euro für das Silber-Döschen, dass immerhin 125 Gramm wiegt.

„Bares für Rares“-Expertin Dr. Heide Rezepa-Zabel schätzt das Zigarettenetui auf 1200 Euro ein. ZDF

Doch was die „Bares für Rares“-Expertin, in dem Fall Dr. Heide Rezepa-Zabel, ihm alles über das Zigarettenetui erzählen kann, ist schon beeindruckend: „Das ist wirklich ein sehr interessantes und noch dazu nobles Etui. So macht Geschichte Spaß“, sagt sie schon zur Begrüßung. Es handle sich um ein Philister-Zigarettenetui aus Lettland in 875er-Silber aus dem Jahre 1922 bis 1939.

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Mega-Preis in der „Bares für Rares“-Expertise

Es befindet sich eine Gravur darin – vom 25. März 1939. Es scheint sich um das Datum einer Philistrierung zu handeln, als ein ehemaliger Verbindungsstudent aufgenommen wurde in den Altherrenverein. Auf der Rückseite ist ein goldenes Monogramm aus zwei Buchstaben in 585er-Gold.

Der Wunschpreis des Kandidaten geht für die Fachfrau gar nicht. Der Silberwert liege schon bei 150 Euro. „Darüber hinaus erzählt das Etui eine Geschichte. Ich bin weit höher mit meinem Preis, bei 1000 bis 1200 Euro.“

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Etwas hilflos steht der Kandidat im „Bares für Rares“-Verkaufsraum. ZDF

Da staunt der 44-Jährige. Zusammen mit der Händlerkarte bekommt er von „Bares für Rares“-Moderator Horst Lichter noch den Tipp, den Händlern möglichst viel aus der Expertise zu erzählen und knallhart zu verhandeln. Ob das gut geht?

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80 Euro lautet das Einstiegsgebot von Walter „Waldi“ Lehnertz. Ohje, das geht ja gar nicht gut los. Bei Fabian Kahl ist bei 450 Euro Schluss. 460 Euro bietet Steve Mandel – der letzte Preis.

Erst jetzt sagt der Verkäufer überhaupt etwas, weißt auf die Schätzung der Expertin hin. „Es ist zwar ein Unikat, aber es gibt so viele Unikate“, erwidert der Höchstbietende. „Ich denke, 460 Euro sind okay.“

„Bares für Rares“-Händler kauft Zigarettenetui unter Wert 

Walter „Waldi“ Lehnertz erklärt schnell noch einmal die Spielregeln: „Sie müssen ja nicht verkaufen“, sagt er zu Jörg Forst. Doch der schlägt trotzdem ein, gibt das Zigarettenetui für 460 Euro ab und kassiert damit nur rund ein Dritter des Preises aus der Expertise. Ist das fair?

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„Ich rege mich ja nicht so oft auf, aber jetzt habe ich Blutdruck. Das Zigarettenetui – 1000,- bis 1200 ,- Euro Wert – und was machen alle Händler? Sie bieten knapp über 400 Euro. Der Verkäufer hat es zwar angenommen, aber für mich ist er kräftig übers Ohr gehauen worden. Es ist eine Frechheit“, schreibt eine Facebook-Userin nach der Sendung völlig entrüstet und tritt damit eine große Diskussion los.

„Bares für Rares“-Händler Steve Mandel zahlt 460 Euro für das Zigarettenetui. ZDF

„Ich sag nur so viel: die Händler sind alle Gauner, die wollen einem alles nur billig abluchsen. Die wissen schon, was so etwas wert ist, die stellen sich nur dumm. Also ich würde nichts verkaufen, was unter dem Wert ist“, heißt es in den Kommentaren oder aber auch:  „Der Verkäufer war sehr unsicher und auf keinem Fall selbstbewusst. Das haben die Händler ganz schnell raus. Früher kam Horst in solchen Situationen und half den Verkäufern. Das vermisse ich.“

„Bares für Rares“-Fans schimpfen im Internet

Aber es gibt auch andere Töne. So gibt es Menschen, die verstehen können, dass sie der Verkäufer auch mit so viel weniger als dem Expertisenpreis einverstanden erklärt hat. „Versucht doch mal selber außerhalb des Fernsehens solche Teile zu verkaufen, ihr werdet euch wundern was man euch dafür bietet. Bei Bares für Rares werden immer noch gute Preise bezahlt, die bekommt man sonst teilweise nicht. Also Aufregung ist da wirklich fehl am Platz.“

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Jemand anderes schreibt: „Viele Leute schauen die Sendung. Und es gibt dafür viele Sammler, auch heute noch. Ich hätte nicht verkauft. Zu viele haben die Sendung gesehen und hätten sich danach um das Teil bemüht. Der Verkäufer war selbst schuld.“

Bei „Bares für Rares“ geht das Zigarettenetui deutlich unter der Schätzung über den Händler-Tisch. ZDF

Fakt ist: Die Händler, die bei „Bares für Rares“ die Antiquitäten von den Kandidaten kaufen, sind echte Händler. Was sie im Rahmen der Sendung ankaufen, müssen sie später zu einem höheren Preis weiterverkaufen können, damit sie ein gutes Geschäft machen. Gerade bei richtig teuren Sachen ist das immer mit einem Risiko verbunden. Und Fakt ist auch: Kein Verkäufer muss sein Schätzchen bei „Bares für Rares“ verkaufen, oft genug nehmen Kandidaten ihr Hab und Gut auch wieder mit, wenn der Preis nicht stimmt.

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Sie wollen mehr spektakuläre Antiquitäten und deren Verkäufe sehen? „Bares für Rares“ läuft montags bis freitags, um 15.05 Uhr, im ZDF.