Draußen schmeckt es gleich nochmal so gut.  Imago

Nach jahrelanger Übung im Weihnachtsgrillen mit der Familie am Ufer eines Sees im Brandenburgischen kristallisieren sich einige Erkenntnisse bezüglich Kleidung, Getränkeauswahl, Zubereitung von Speisen und anderer Nützlichkeiten bei Picknick im Winter heraus. Ich teile sie gern: Der Winterpicknicker unterscheidet zunächst zwischen zwei Grundformen: die Rast an einer Feuerstelle zum einen, das im Rucksack mitgebrachte Picknick unterwegs zum anderen.

Für beide Varianten gilt: eine trockene Sitzgelegenheit und ein Tischchen, ein Baumstamm oder eine andere Ablage erleichtern vieles. Denken Sie also daran, Isomatte, Decke, Filzkissen oder Schaffell einzupacken, wenn Sie sich auf die kulinarische Expedition begeben.

Winterpicknick mit Kindern 

Wer mit Kindern unterwegs ist, tut außerdem gut daran, einen kürzeren Anmarsch zum Ort des Picknicks einzuplanen, sonst sind die Kleinen schon bei der Ankunft müde und durchgefroren. Auch auf einen langen Rückweg in früh beginnender Dunkelheit (Stirnlampe mitnehmen) hat keiner Lust. Es ist gerade zu Weihnachten erlaubt, mit dem Auto vorzufahren und nur ein Stückchen zu wandern. Auch ein kurzer Spaziergang mit Stollen und Thermoskanne hebt die Laune und beugt der weihnachtlichen Couch-Starre vor.

Ohne Thermoskanne aber wird es nicht gehen, das sei vorweg gesagt. Es sei denn, Sie sind ausgerüstet wie mein Schwiegervater, der beim Weihnachtsgrillen jedes Jahr einen selbst gebauten, zusammenlegbaren Grill aufbaut. Auf diesem brutzeln bei uns erst die mitgebrachten Buletten – die Kühlkette funktioniert im Winter prächtig –, und dann dampft auf der Glut der Topf mit Glühwein. Kinder sind mit heißem Apfelsaft und Zimt glücklich.

Kalte Salate können bei Winterpicknick zu Hause bleiben 

Im Gegensatz zu einem Sommerpicknick sind im Schnee oder im Berliner Nieselregen kalte Salate nicht empfehlenswert. Etwas Warmes braucht der Winterpicknicker. Und das kann in verschiedenen Formen daherkommen.

Sabine Kühn
Ganz so eisig wie bei den Touren nach Lappland wird es in Berlin wohl nicht. 

Sabine Kühn ist Profi in Sachen Outdoor-Mahlzeiten. Sie und ihr Mann Elmar Fust betreiben bei Neuruppin eine Huskyfarm. Im Winter gehen sie mit Gästen in Schwedisch-Lappland regelmäßig auf Touren. „In den Proviantschlitten kommen bei uns Thermoskannen mit kräftig gewürzten Suppen – damit sie richtig schön durchwärmen.“ Ingwer und Chili sind dabei gute Kandidaten. Außerdem hätten sich Snackboxen mit vielen kleinen Häppchen bewährt, sagt Sabine Kühn. „Man muss nicht schnippeln und kann die Handschuhe beim Essen anlassen.“

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Für Fortgeschrittene, und wenn eine Feuerstelle vorhanden ist, rät Sabine Kühn, eine kleine, einfache, aber beschichtete Pfanne mitzunehmen. „Raclettekäse scheibchenweise auf der Glut schmelzen lassen und auf eine Scheibe über dem Feuer gebräunten Toast gleiten lassen. In Schweden gibt es dazu spezielle Toasteisen, die man aber auch in Deutschland kaufen kann“, weiß sie.

Hot Dogs aus der Thermoskanne 

Ein weiteres Rezept, das vor allem Kinder super finden: Hotdogs. Mit kochendem Wasser in der Thermoskanne lassen sich Würstchen prima erwärmen und mitnehmen. Die Brötchen kurz überm Feuer rösten und mit Gurken, Ketchup und Senf (aus der Tube!) essen.

Wer sich ein Gefühl von Weihnachtsmarkt in den Wald oder in den eigenen Garten holen will, braucht eine gusseiserne Pfanne. In ihr lassen sich Mandeln oder Walnüsse karamellisieren. 200g Walnüsse, 100g Zucker, 200 ml Wasser, etwas Zimt – die Mischung kann man schon zu Hause vorbereiten und im Zip-Beutel mitnehmen. Nüsse, Zucker und Zimt in die Pfanne über dem Feuer geben, Wasser dazu und mit einem Holzlöffel rühren bis alles karamellisiert. Dann direkt aus der Pfanne naschen.

Heel Verlag
Bei Grillexperte und Kochbuchautor Tom Heinzle bleibt der Grill auch im Winter nicht kalt.

Wintergrillen - das sollten Sie unbedingt beachten

Für Winterpicknicker mit Profi-Ausrüstung auf der Terrasse gilt nur eines zu beachten: Wenn Sie mit einem Gasgrill kochen, wählen Sie das richtige Gas im Winter: Butangas wird schon kurz unterhalb des Gefrierpunktes flüssig. Besser geeignet ist Propangas, dieses wird erst bei -42 Grad Celsius flüssig. Auch bei einem Grill, der mit Holzkohle brutzelt, benötigt man, wenn es draußen kalt ist, mehr Brennstoff. Rechnen Sie etwa die doppelte Menge aus dem Sommer. 

Grillbriketts brauchen zwar länger als Holzkohle, bis sie richtig durchgeglüht sind, dafür halten sie aber die Hitze viel länger, verbrennen langsamer und geben die Hitze gleichmäßiger ab. 

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Fleisch und Würstchen sollten mit Zimmertemperatur auf den Rost gelegt werden. Die Kälte verlängert die Grillzeit. Mindestens 20 Prozent mehr Zeit als im Sommer einplanen. Auch Teller dürfen gern bis zu ihrem Einsatz drinnen warten. Denn Porzellan kühlt schnell aus. Vielleicht sind Pappteller im Winter die bessere Wahl. 

„Im Winter dreht sich die Uhr langsamer“, sagt Tom Heinzle, Grillexperte und Kochbuchautor. Es sei die Zeit, um „ohne Stress und Rasenmähergeräusche“ im Garten ein Menü zu zaubern, „das komplett anders schmeckt als im Sommer“. Dafür brutzeln in der kalten Jahreszeit dann unter anderem kräftige Fleischsorten wie Wild, Rind oder Lamm auf dem Rost.

Der Winter ist auch die Zeit der großen Braten. „Kurzgebratenes kommt im Sommer oft genug auf den Grill“, sagt Heinzle. Ganze Puten, Rinder-, Schweine- oder Entenbraten gelingen auch draußen. „Alles, was im Backofen in der Küche funktioniert, funktioniert auch auf einem Grill mit Deckel, auf dem man indirekt grillen kann“, sagt Metzgermeister Dirk Freyberger vom Verein Fleisch-Sommelier Deutschland.

Zusammenrücken - alle treffen sich am Feuer

„Draußen grillen, drinnen im Warmen essen“, empfiehlt Tom Heinzle allen, die es nicht ganz so frostig mögen. Oder warum nicht die Vorspeise im Garten servieren und die weiteren Gänge im Haus genießen? Ein Käsefondue aus dem Dutch Oven eignet sich hervorragend zum Einstieg in den Grillabend.

Dabei stehen alle um den heißen Grill, es ergeben sich neue Gesprächssituationen, man genießt die frische Luft und jeder kann ein paar Stücke Brot, die zuvor schon leicht angrillt werden, in den warmen Käse dippen.

Wenn Sie also demnächst Menschen mit Stirnlampen am Grillplatz oder an der Feuerstelle sehen, wundern Sie sich nicht. Winterpicknick und Wintergrillen sind längst im Kommen. Abgrillen wird abgesagt.