Wer persönlich oder auch per Telefon verfolgt wird, sollte Hilfe suchen. Foto: imago images/ingimage

Im Jahr 2018 wurden laut dem Programm „Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes„ (ProPK) 18960 Fälle von Stalking in Deutschland polizeilich erfasst. Vermutlich liegt die Dunkelziffer weitaus höher. Was Betroffene tun können, erläutern Arag-Experten.

Stalking bezeichnet ein obsessives Verfolgen, Belästigen und Bedrohen einer Person gegen deren erklärten Willen. Dies geschieht beispielsweise durch Überwachen und Ausspionieren der Zielperson, oft auch durch vermehrte Telefonanrufe bis hin zum Telefonterror. Eine Sonderform ist Cyberstalking, das Belästigen per E-Mail und SMS. Die Inhalte der unerwünschten Nachrichten gehen von Liebesbekundungen über Obszönitäten bis zu Morddrohungen; die physischen Annäherungen vom Beobachten bis hin zum tätlichen Angriff. Die Opfer sind laut ProPK-Zahlen zu 80 Prozent Frauen, die Täter zu 85 Prozent Männer. Meist kennen sich Täter und Opfer.

Jeglichen Kontakt abbrechen

Schon vor den juristischen Möglichkeiten kann man als Betroffener von Stalking einiges selbst unternehmen. Zunächst sollte jeglicher Kontakt abgebrochen werden. Machen Sie dem Stalker unmissverständlich klar, dass Sie keinerlei Kontakt mehr wünschen. Danach ist es wichtig, auf keine Kontaktwünsche einzugehen. Jede Reaktion auf Anrufe, SMS, Briefe, E-Mails oder Besuche wertet der Stalker als Erfolg. Auch die eigene Familie, Freunde, Kollegen und Nachbarn sollten ausdrücklich darum gebeten werden, keine Informationen über Sie weiterzugeben.

Wenn es zu juristischen Schritten kommt, ist für Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht schwer zu beurteilen, ob tatsächlich Stalking vorliegt. Dann ist es hilfreich, wenn Sie die Art der unerwünschten Kontaktversuche mit Ort, Zeitpunkt und eventuellen Zeugen genau belegen können. Die SMS, E-Mails oder Nachrichten vom Stalker auf dem Anrufbeantworter oder dem Handy sollten Sie daher auch auf keinen Fall löschen. Entschließen Sie sich später zu einer Anzeige, können Sie Ihre Anschuldigungen damit belegen.

Unerwünschte Rufnummern blockieren

Bietet Ihr Telefonanbieter für das Festnetz und den Mobilfunk eine Blacklist an, können Sie unerwünschte Rufnummern blockieren. Oft ist dies auch direkt über die Einstellungen Ihres Handys oder des Routers möglich. Ist das nicht der Fall, ändern Sie Ihre Rufnummer.

Sind Sie bei sozialen Netzwerken angemeldet, ist es grundsätzlich wichtig, dass Sie Ihre Daten gut schützen und diese für Fremde nicht zugänglich sind. Außerdem sollten Sie sämtliche bekannten Accounts des Stalkers komplett blockieren.

Anzeige wegen Nachstellung aufgeben

Wenn diese Maßnahmen nicht helfen, gibt es eine Reihe juristischer Wege, das Stalking zu unterbinden. Die einstweilige Anordnung ist auch unter den Begriffen „Einstweilige Verfügung“, „Kontaktverbot“, „Näherungsverbot“ oder „Unterlassungsverfügung“ bekannt. Sie kommt infrage, wenn Sie wiederholten Belästigungen, Bedrohungen oder sogar Übergriffen ausgesetzt sind. Sie verbietet dem Stalker, sich in einem bestimmten Radius Ihrer Wohnung, Ihrem Arbeitsplatz oder anderen möglichen Orten, an denen Sie sich üblicherweise aufhalten, zu nähern oder sich in einem bestimmten Umkreis aufzuhalten. Außerdem können Kontaktaufnahmen per Telefon, Internet, SMS, Brief oder auch über Dritte untersagt werden.

Sie können auch aktiv eine Anzeige wegen Nachstellung aufgeben. Alle strafbaren Handlungen, zu denen es im Verlauf des Stalkings gekommen ist – beispielsweise Hausfriedensbruch, Beleidigung, Verleumdung, Körperverletzung, Bedrohung oder Sexualdelikte – sollten Sie bei der Polizei anzeigen und einen entsprechenden Strafantrag stellen.