Süßigkeiten und Kekse im Homeoffice: Das kann auf Dauer mopsig machen. Foto: dpa

Berlin - Wer in der Corona-Krise unfreiwillig zu Hause hockt, hat die Wahl: Kekse und Pralinen vorm Laptop, Lieferservice fürs Thai-Curry, Fertigpizza   oder selbst kochen. Verändert die Virus-Krise, wie und was wir essen? Viele klagen jetzt über Gewichtszunahme. Das kann seelische Gründe haben.

Süßwarenhandelsverband meldet zweistelliges Plus

Macht Homeoffice dick? Wer jetzt zu Hause mehr ansetzt, sollte sein Verhalten hinterfragen, sagt Ernährungswissenschaftler Uwe Knop. Warum esse ich jetzt dauernd Kekse und im Büro nicht: Ist es Stress, sind es andere emotionale Gründe oder ist es sogar Langeweile? Knop beruhigt die Gemüter. Um ein Kilo Körperfett zuzulegen, müsse ein Erwachsener 7000 Kilokalorien über den Bedarf hinaus essen. „Das bedeutet etwa 14 Tafeln Schokolade extra.“ Eine kritische Frage an sich selbst könne deshalb auch lauten: Bewege ich mich zu Hause weniger?

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Tröstet Süßes in der Krise? Das sehen jetzt viele so. Vielleicht auch, weil das Unterbewusstsein flüstert: Warum willst du auf Kalorien und Cholesterin achten, wenn dich übermorgen das Virus holt? Laut Internationalem Süßwarenhandelsverband ist der Verkauf von Süßwaren gestiegen. Im März sei ein zweistelliges Plus verzeichnet worden.

Das Gericht zur Krise: Dieser Corona-Burger mit Virus-Brötchen hat bestimmt viele Kalorien.
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Gegen Corona helfen keine Hausmittel wie etwa Ingwertee, sagt Tilman Grune, Vorstand des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke. Gesundes Essen sei aber wichtig, um das Immunsystem zu stärken, so könnte auch eine eventuelle Erkrankung abgeschwächt werden. Nicht nur Kalorienhaltiges wie Nudeln sollte auf den Tisch kommen. Grune empfiehlt Äpfel, Möhren, Kohl, Obstsäfte, Nüsse, Vollkornbrot.

Ernährungsexperte sieht positiven Effekt: „Vielleicht entdeckt mancher den Hobbykoch in sich“

Kommt jetzt der heimische Herd groß raus? Die Wissenschaftler Grune und Knop sehen dafür gute Chancen. Weil die Menschen mehr zu Hause sind, könnten neue Rezepte ausprobiert werden. Im Internet gebe es reichlich Anregungen, so Professor Grune. Man sollte sich aber nicht zu viel vornehmen und gleich seine komplette Ernährung umstellen wollen. Prägungen des Essverhaltens etwa aus der Kindheit behielten viele Leute bei.

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Soll man jetzt den Lehren von Gesundheitsgurus folgen? Unnötig, so Experte Knop. Er beobachtet, dass sich jetzt wieder mehr Menschen bewusster mit Nahrungsmitteln und mit der Zubereitung befassen. „Das ist definitiv ein positiver Effekt.“ Es sei immer gut, wenn Routinen aufgebrochen werden. „Vielleicht entdeckt nun mancher den Hobbykoch in sich und probiert etwas aus.“

Ein anderer Aspekt: „Wen interessiert gerade noch der Low-Carb-Hype?“, fragt der Ernährungswissenschaftler. „Die ganzen Gesundheitsgurus und der Diätenquatsch – das ist ein reines Wohlstandsphänomen.“ In der Corona-Krise kauften die Bundesbürger Nudeln und Mehl.