Ist in der eigenen Wohnung nicht genügend Platz, stellt man Schuhe, Rollator oder Kinderwagen gern mal in den Hausflur.
Ist in der eigenen Wohnung nicht genügend Platz, stellt man Schuhe, Rollator oder Kinderwagen gern mal in den Hausflur. Imago Images/Waldmüller

Wer in einem Mehrfamilienhaus wohnt, ist mit Sicherheit schon über das eine oder andere Paar Schuhe gestolpert, das die Nachbarn einfach so vor ihre Wohnungstür gestellt haben. Ist in der eigenen Wohnung nicht genügend Platz, stellt man Schuhe, Rollator oder Kinderwagen gern mal in den Hausflur. Das kann die Nachbarn ärgern – besonders dann, wenn sie nicht mehr ungestört in die eigene Wohnung gelangen. Was dürfen Mieter eigentlich alles im Hausflur abstellen?

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Sind Schuhe im Treppenhaus erlaubt?

Grundsätzlich sollten sich alle Hausbewohner merken: Das Treppenhaus ist eine Gemeinschaftsfläche, die hauptsächlich dazu da ist, um von einer Wohnung zur anderen zu kommen oder um das Haus zu verlassen. Um Ärger mit den Nachbarn zu vermeiden, sollte man also nichts im Flur stehen lassen, was die anderen Mieter beeinträchtigt, stört oder gar gefährdet. Das erklärt die Stiftung Warentest in ihrer Zeitschrift Finanztest.

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Fluchtwege müssen offen bleiben

Eine Gefährdung liegt zum Beispiel dann vor, wenn das Gerümpel im Hausflur den Brandschutz betrifft. Die Bauordnung des jeweiligen Bundeslandes regelt, wie ein Treppenhaus beschaffen sein muss, damit die Feuerwehr jederzeit Zutritt hat. Auch dürfen Möbel oder Fahrräder den Fluchtweg der Bewohner nicht blockieren.

Ist man sich unsicher, ob das Schuhregal vor der Wohnung erlaubt ist oder ob der Rollator dort abgestellt werden darf, lohnt sich ein Blick in den Mietvertrag. Denn oft schreibt der Vermieter hier vor, was erlaubt ist – und was nicht.

Nicht jedes Verbot ist rechtens

Ob ja oder nein – eine pauschale Regelung im Mietrecht gibt es tatsächlich nicht. Allerdings kann es im Mietvertrag oder in der Hausordnung eine Regelung dazu geben. Und die besagt meist, dass Schuhe im Treppenhaus verboten sind. Im Zuge des Brandschutzes nämlich können sie eine Behinderung der Fluchtwege darstellen oder die Brandlast erhöhen. Auch wenn jemand über die Schuhe stolpert, kann der Mieter als Verursacher haftbar gemacht werden. Das Erscheinungsbild des Hauses kann ein weiterer Grund sein.

Wenn jemand über die Schuhe stolpert, kann der Mieter als Verursacher haftbar gemacht werden.
Wenn jemand über die Schuhe stolpert, kann der Mieter als Verursacher haftbar gemacht werden. Imago Images/Shotshop

Weigert sich der Mieter trotz Aufforderung des Vermieters, seinen Krempel aus dem Hausflur wegzuräumen, kann im schlimmsten Fall sogar eine Kündigung drohen.

Aber nicht jedes Verbot ist auch gültig. Sind Mieter auf bestimmte Gegenstände wie Kinderwagen oder Rollator angewiesen, dürfen sie diese in der Regel auch im Hausflur abstellen. Immer unter der Voraussetzung natürlich, dass man dadurch niemanden gefährdet, der Flur groß genug ist und kein anderer Abstellplatz gut zu erreichen ist – beispielsweise die eigene Wohnung per Fahrstuhl.

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Es gibt auch Ausnahmen

Es gab in der Vergangenheit schon Gerichtsurteile zu Schuhen im Hausflur. Demnach ist es zum Beispiel zulässig, Schuhe im Hausflur abzustellen, wenn Besuch da ist. Schneit oder regnet es draußen, dürfen die nassen Schuhe ebenfalls vorübergehend auf der Fußmatte vor der Wohnungstür abgestellt werden. Aber nur, solange sie dabei keine Gefahr für andere darstellen.

Was im Hausflur stehen darf

Leben mehrere Mietparteien in einem Haus, können Gegenstände im Hausflur hitzige Diskussionen auslösen. Denn auch vor der eigenen Wohnungstür dürfen Mieter längst nicht alles lagern. Doch was ist erlaubt, und was darf nicht im Flur stehen?

Blumenkübel

Wer Pflanzen zur Verschönerung oder zum Überwintern im Hausflur abstellt, muss wissen: „Hierfür muss der Vermieter grünes Licht geben, ansonsten ist das unzulässig“, sagt Rolf Janßen, Geschäftsführer des DMB Mieterschutzvereins in Frankfurt am Main. Auch das Argument, dass nach einer energetischen Sanierung auf dem Balkon weniger Platz zur Verfügung stehe, berechtigt nicht zum Aufstellen von Pflanzen im Hausflur. Das geht aus einem Urteil des Amtsgerichts Frankfurt am Main hervor (Az.: 33 C 3648/17). Oft kommt es aber auf die Gepflogenheiten vor Ort an. Unter Umständen enthält die Hausordnung hierzu eine Regelung.

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Rollator und Rollstuhl

Gehhilfen, wie ein Rollator, dürfen grundsätzlich im Hausflur abgestellt werden.
Gehhilfen, wie ein Rollator, dürfen grundsätzlich im Hausflur abgestellt werden. imago images/Seeliger

Gehhilfen dürfen grundsätzlich im Hausflur abgestellt werden. „Dafür muss der Hausflur aber entsprechend groß sein“, erklärt Silvia Jörg vom Interessenverband Mieterschutz in Hamburg. Zudem muss der betroffene Mieter auf die jeweilige Gehhilfe angewiesen sein, und andere Mieter dürfen dadurch nicht beeinträchtigt werden, entschied das Amtsgericht Recklinghausen (Az.: 56 C 98/13). „Der Vermieter kann jedoch verlangen, dass der Rollstuhl oder der Rollator zusammengeklappt wird“, erläutert Jörg und verweist auf ein Urteil des Landgerichts Hannover (Az.: 20 S 39/05).

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Mülltonne

Der Mieter darf selbst keine Mülltonne im Treppenhaus abstellen. Darauf weist Gerold Happ vom Eigentümerverband Haus & Grund in Berlin hin. Auch wenn jemand Mülltüten über mehrere Tage hinweg im Hausflur abstellt, kann dies zu einer fristlosen Kündigung berechtigen. Der Vermieter kann im Eingangsbereich des Treppenhauses hingegen Abfalleimer oder Papierkörbe installieren. Mieter dürfen sie für kleinere Abfälle oder unerwünschte Postsendungen nutzen.

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Schuhe

Wer kurzzeitig ein paar Schuhe oder einen Regenschirm auf die Fußmatte stellt, bekommt keine Probleme. Anders sieht es aus bei einem Schuhregal oder Schuhschrank. Auch wenn sich niemand davon gestört fühlt und genügend Platz vorhanden ist, sind sie im gesamten Treppenhaus unzulässig. „Denn der Raum vor dem Eingangsbereich ist nicht mitvermietet, gehört also nicht dem Mieter“, erklärt Janßen.

Fahrrad, Dreirad, Roller

Fahrbare Gegenstände sind im Hausflur nicht erlaubt. „Das ist zumeist bereits im Mietvertrag oder per Hausordnung geregelt“, sagt Jörg. Ein solches Verbot ist zulässig, urteilte das Landgericht Hannover. Oftmals gibt es eine andere Möglichkeiten zum Abstellen – etwa einen Fahrradkeller oder der gemietete Keller.

Fahrbare Gegenstände sind im Hausflur nicht erlaubt.
Fahrbare Gegenstände sind im Hausflur nicht erlaubt. Imago Images/Jürgen Ritter

Garderoben

Das Anbringen einer Garderobe im Hausflur widerspricht der bestimmungsgemäßen Nutzung des Treppenhauses. „Das Gleiche gilt für Schirmständer, auch wenn diese nicht am Mauerwerk des Treppenhauses befestigt werden“, erklärt Happ.

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Kinderwagen

Wenn Mieter den Kinderwagen problemlos in ihre Wohnung transportieren können, etwa weil sie im Erdgeschoss wohnen oder es einen Fahrstuhl gibt, dürfen sie den Kinderwagen nicht im Hausflur abstellen. Ansonsten dürfen sie im Hausflur unter bestimmten Voraussetzungen parken. Das gilt, wenn der Flur groß genug ist und nicht den Durchgang für andere Mieter versperrt. „Ansonsten kann der Vermieter verlangen, dass der Kinderwagen in der Wohnung abgestellt wird“, sagt Janßen. Der Keller ist keine Alternative, wenn der Abstellraum nur über eine steile, enge Treppe erreichbar ist.

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Schneeschieber

Im Herbst kommt der Besen, im Winter der Schneeschieber oft zum Einsatz. Trotzdem dürfen Mieter beides nicht im Hausflur lagern. „Sollte die Räum- und Reinigungspflicht des Treppenhauses und der Zuwege auf die Mieter übertragen worden sein, können aber im Treppenhaus sowohl Besen als auch Schneeschieber für den Gebrauch durch alle Mieter bereitgestellt werden“, erklärt Happ.

Fußmatten

Vor der Wohnungstür sind Fußmatten erlaubt. Es sei denn, der Mietvertrag verbietet es, sagt Jörg. Dann müssen Mieter sich an das Verbot halten, urteilte das Amtsgericht Berlin-Neukölln (Az.: 7 C 21/03). Auch wenn das Auslegen von Fußmatten durchaus üblich ist.