Flüssigkeit wird auf einen Selbsttest für das Coronavirus getröpfelt. dpa/Julian Stratenschulte

Mit frei erhältlichen Selbsttests kann sich jeder und jede daheim auf das Coronavirus testen. Doch auch wenn die beigelegte Beschreibung eigentlich keine Fragen offen lässt, gibt es bei der Anwendung der Antigen-Schnelltests aus Supermarkt, Drogerie oder Apotheke immer wieder Unsicherheiten. Ein HNO-Arzt erläutert typische Anwendungsfehler – und wie man sie vermeidet:

Die Durchführung: Hygiene ist elementar, um das Testergebnis nicht zu verfälschen. Darum sollte die Arbeitsfläche sauber sein und bevor man loslegt, wäscht man sich gründlich die Hände – unter anderem, weil man nach dem Rühren der Tupferspitze in der Pufferlösung einen Verschluss mit Ausguss auf das Röhrchen stecken muss.

Wer mehrere Personen, zum Beispiel sich und seine Kinder, testet, kann die Teströhrchen nicht alle in der Hand halten. HNO-Arzt Bernhard Junge-Hülsing aus Starnberg empfiehlt: Wäscheklammern verhindern das Umfallen. Die klemmt man unten an die Röhrchen. Dort sind sie quasi eine Stütze und sorgen dafür, dass die Röhrchen aufrecht stehen und man problemlos arbeiten kann.

Der Tupfer gehört in beide Nasenlöcher

Der Abstrich: In aller Regel ist für den Selbsttest ein Nasenabstrich gefordert. Und zwar in beiden Löchern. Es reicht doch, den Tupfer in eines zu stecken, könnte man meinen – ein Trugschluss. „Dadurch bekommt man womöglich zu wenig Sekret an den Tupfer“, sagt Junge-Hülsing. Der Tupfer gehört also in beide Löcher.

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Manche Test-Anleitungen geben vor, dass man sich vor dem Abstrich seine Nase gründlich putzt. Die Idee dahinter: Durch das Schnäuzen sollen Sekret und damit mögliche Viren aus dem tiefer liegenden Nasen-Rachen-Raum weiter nach vorne gepustet werden.

Junge-Hülsing ist skeptisch, ob der Test dadurch genauer wird, ob dadurch also wirklich mehr mögliche Viren an den Flimmerhärchen im vorderen Nasenbereich haften bleiben als beim normalen Ausatmen und dort vom Tupfer aufgenommen werden können. Er hält das vorherige Ausschnäuzen für eher keine gute Idee.

Zu wenig Sekret steigert das Risiko eines falschen Resultats

Einen Anhaltspunkt dafür, dass vergleichsweise wenig Sekret am Tupfer gelandet ist, liefert nach Angaben von Junge-Hülsing die Farbe des Kontrollstriches auf der Testkassette.

„Ist dessen Farbe nur sehr blass, spricht das für wenig Sekret.“ Dann steige das Risiko eines falsch-negativen Ergebnisses, so der Arzt. Also, dass der Test negativ ausfällt, obwohl man positiv ist.

Zwei bis vier Zentimeter tief ins Nasenloch, das genügt

Ansonsten gilt beim Umgang mit dem Tupfer: Vorsicht und Gefühl. Bei den Selbsttests muss der Tupfer nicht bis in den Übergang von Nase zu Rachen geschoben werden. Zwei bis vier Zentimeter tief ins Nasenloch, das genügt. Und zwar flach in Richtung Gehörgangsboden und nicht schräg nach oben – dabei drohen Verletzungen.

Wie ein Corona-Selbsttest funktioniert – die meisten mit einem Abstrich im vorderen Nasenbereich:

Grafik: F. Bökelmann/S. Stein, Redaktion: M. Lorenz/I. Kugel

Das Ergebnis: Hier lauert nach Einschätzung des HNO-Mediziners die wohl größte Fehlerquelle. Viele halten nämlich einen Strich bei C für ein positives Ergebnis. Dabei steht C nicht für Corona, sondern für Control, also Kontrolle. „Wenn bei C kein Strich ist, ist der Test nicht verwertbar.“ Das T steht für Test – das ist die relevante Stelle für die Frage, ob man positiv oder negativ ist.

C steht nicht für Corona, sondern für Control

Konkret bedeutet das: Sind bei C und T Striche zu sehen, ist der Test positiv ausgefallen. Ist nur bei C ein Strich zu sehen, ist der Test negativ. Ist nur bei T ein Strich zu sehen, ist er ungültig – das gilt auch, wenn gar kein Strich erscheint.

Und was fängt man mit dem Ergebnis an? „In dem Moment, wo der Test positiv ist, ist Sense“, so formuliert es Junge-Hülsing. Was er damit meint: Ab dann sollte man Kontakte meiden und sich umgehend bei einem Arzt oder einer Ärztin oder in einem Testzentrum um einen genaueren PCR-Test bemühen, um das Ergebnis des Selbsttests zu bestätigen.

Negativer Test ist kein Freibrief

Ein negativer Selbsttest wiederum ist kein Freibrief. Nicht nur aufgrund möglicher Anwendungsfehler bietet er keine Garantie, dass man nicht doch positiv und ansteckend ist. Experten wie der Virologe Christian Drosten weisen darauf hin, dass die Tests gerade am Anfang der Infektion oft noch negativ ausfallen – obwohl man womöglich bereits genug Viren in sich trägt, um andere anzustecken.

Man tut also gut daran, die Hygieneregeln auch bei negativem Selbsttest-Ergebnis weiterhin einzuhalten.