Wer in der Natur unterwegs ist, sollte danach den ganzen Körper auf Zecken untersuchen.
Wer in der Natur unterwegs ist, sollte danach den ganzen Körper auf Zecken untersuchen. dpa/Bernd Weißbrod

Vor zwei Wochen veröffentlichte ich an dieser Stelle meine ganz persönliche Wut-Rede auf die Tierart, die ich selbst am wenigsten leiden kann: Mücken. Wer den Text gelesen hat, der weiß, dass ich von den kleinen Blutsaugern bei meinen Ausflügen in die Natur regelmäßig angegriffen werde – und dass mir erst kürzlich mehrere Stiche an meinem Bein zu schaffen machten. Froh war ich, als sich die juckenden, roten Flecken zurückbildeten – doch nun bescheren sie mir unerwartet ein Thema für diese neue Kolumne. Es geht um – Trommelwirbel – Borreliose.

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Die Erkrankung wird normalerweise von Zecken übertragen – und vielleicht bedeutet das, dass ich den Mücken Unrecht getan habe, zumindest bezüglich der Stiche an meinem Bein. Denn was mich da gestochen hat, habe ich nicht gesehen. Plötzlich waren die juckenden Pusteln da, aus einer lief sogar noch etwas Blut, als ich sie entdeckte und mich darüber wunderte. Doch als Dorfkind nimmt man so etwas nicht zu ernst. Etwas Salbe drauf, ignorieren, fertig.

Große, rote Flecken sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen

Doch dann, als die Stiche schon abgeschwollen waren, meldeten sich einer der beiden plötzlich zurück. Wurde immer größer. Er juckte nicht, er brannte nicht, er war einfach da, schwoll an. Ich beobachtete ihn über mehrere Wochen, wie einen unerwünschten Gast auf einer Party. Dann, als er sich ein Stück ausgedehnt hatte, wurde das Zentrum heller, fast weiß – und zurück blieb ein roter Ring. Das war dann doch ein Alarmzeichen für einen Besuch bei meiner Hausärztin.

Ziemlich doof kam ich mir vor, als ich wegen eines vermeintlichen Mückenstiches im Wartezimmer der Praxis saß. Das Gespräch im Arztzimmer begann ich mit den Worten: „Es ist mir unangenehm, dass ich wegen sowas zu Ihnen komme.“ Sie warf einen Blick darauf – und bestätigte mir, dass der Gang in ihre Praxis richtig war.

Nun nehme ich ein Antibiotikum, um zu verhindern, dass sich die Erreger – so sie in meinem Blut sind – ausbreiten. Nicht schön, denn das Medikament macht lichtempfindlich, was bei der aktuellen Wetterlage nicht besonders angenehm ist. Spaziergänge gibt es nun vorerst nur abends, Ausflüge werden verschoben. Die Liste mit den Nebenwirkungen darf man gar nicht lesen, sie ist gefühlt so lang wie das Berliner Telefonbuch. Aber: Besser so als mit den Spätfolgen leben.

Zecken fühlen sich in vielen deutschen Wäldern heimisch - manchmal wird sogar gewarnt, wie hier im brandenburgischen Müllrose.
Zecken fühlen sich in vielen deutschen Wäldern heimisch - manchmal wird sogar gewarnt, wie hier im brandenburgischen Müllrose. dpa/Patrick Pleul

Denn: Borreliose ist tückisch. Die sogenannte Wanderröte – ein sich ausbreitender roter Fleck mit einem hellen Inneren – ist das erste Anzeichen. Und sollte ein Alarmsignal sein. Die Erkrankung selbst ist still, kann nach Monaten oder Jahren für Gelenkentzündungen, Lähmungen oder (wenn auch seltenen) Herzproblemen führen. Und all das wegen eines kleinen Stiches.

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Solche schweren Folgen kommen heute aber selten vor, denn oft wird eine mögliche Infektion früh mit einem Antibiotikum behandelt. Und: Das passiert häufig! Laut Experten stieg die Zahl der Borrelioseinfektionen in Deutschland im ersten Coronajahr um rund acht Prozent im Vergleich zu 2019. Eine Folge erhöhter Freizeitaktivitäten im Grünen wegen der Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen.

Borreliose: Können Mücken die Erreger auch übertragen?

Ich wüsste gern, welches Tierchen mir diese Sache eingebrockt hat. Vielleicht war es doch eine Zecke, die ich nicht bemerkte, vielleicht aber auch eine Mücke – denn schon vor Jahren entdeckten Wissenschaftler die Erreger auch in mehreren Stechmücken-Arten in Deutschland. Eine Infektion ist unwahrscheinlich, die Biester spielen in Sachen Borreliose eine kleine Rolle. Aber: Auch wenn es unwahrscheinlich ist, ist es möglich.

Nun schreibe ich ja eine Tierkolumne, weshalb ich mich an dieser Stelle noch einmal den Zecken widmen möchte: Die kleinen Biester lauern in der Natur, beißen sich mit ihren Beißwerkzeugen fest – und saugen das Blut aus ihrem Wirt. Dabei können die Bakterien übertragen werden.

Wie schützt man sich vor einem Zeckenbiss?

Wie kann man sich davor schützen? „Unsere heimischen Zecken halten sich gerne im hohen Gras, Gebüsch, losen Laub und in nicht zu trockenen Wäldern auf“, sagt die Hausärztin und Notfallmedizinerin Michaela Geiger aus Neckarsulm. Man streift sie dann quasi im Vorbeigehen ab. „Insofern lauten die Schutzregeln: Festes Schuhwerk tragen, lange Hosen in die Socken stecken und sich nach dem Aufenthalt in der Natur am ganzen Körper gründlich absuchen.“

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Außerdem empfiehlt sich helle Kleidung, denn darauf kann man die Zecken besser erkennen. Entfernen lassen sich die Blutsauger am besten mit einer Pinzette oder einer Zeckenkarte – wer gebissen wurde, sollte die Stelle danach vier bis sechs Wochen beobachten. Und: Wer häufig in der Natur ist, sollte auch darüber nachdenken, sich beim Hausarzt eine Impfung geben zu lassen. Die gibt es zwar nicht gegen Borreliose, aber gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), die ebenfalls von den Blutsaugern übertragen werden kann. Als Wanderer habe ich diese Impfung selbstverständlich – und noch nie war ich darüber glücklicher als jetzt.

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com