Immer wieder kommt es zu vermeidbaren Fahrradunfällen: Ein Autofahrer öffnet die Fahrertür, während sich eine Radfahrerin von hinten nähert. imago

Schon wieder ist es passiert: In Berlin-Pankow knallte am Freitagnachmittag ein Radfahrer (45) gegen eine plötzlich geöffnete Autotür. Der 45-Jährige war auf einem Lastenfahrrad auf dem Radweg der Schönhauser Allee in Richtung Wichertstraße unterwegs, als kurz nach der Stargarder Straße ein Taxi am rechten Fahrbahnrand hielt. Aus diesem wollte eine 32 Jahre alte Frau aussteigen, welche dafür die hintere rechte Fahrzeugtür öffnete. Der Radfahrer fuhr gegen die geöffnete Tür, stürzte zu Boden und erlitt schwere Verletzungen am Oberkörper – so die Meldung, die der Berliner Kurier am Samstag im Polizeiticker veröffentlichte.

Eine Userin kommentierte auf Twitter, die Frau sei „natürlich nicht schuld“, sondern der Radfahrer, der „mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit“ in die Autotür gerast sei. Davon ist der Polizei allerdings nichts bekannt. Grundsätzlich gelten für Radfahrende dieselben Regeln wie für alle anderen Verkehrsteilnehmer: Auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 10, 20 oder 30 km/h ist für sie bindend. Es gibt keine Vorschrift, die Radler zu besonders langsamen Fahren verpflichtet.

Das Problem ist jedoch meist ein anderes: Radfahrende können auch bei angemessener Geschwindigkeit nicht rechtzeitig erkennen und reagieren, wenn sich vor ihnen eine Autotür öffnet. Gerade im beschriebenen Fall kann ein ordnungsgemäß auf dem Radweg fahrender Radler auch keinen ausreichenden Abstand zu am Straßenrand haltenden Autos wahren. 

Der „holländische Griff“ rückt herannahende Radler ins Blickfeld

Wie also lassen sich solche Unfälle vermeiden? Ein einfacher Routinegriff verhindert, dass Auto- oder Mitfahrer die Autotür unbedacht öffnen, während sich gerade ein Radler von hinten nähert. Er nennt sich „holländischer Griff“ (Dutch Reach). Statt mit der linken öffnet der Fahrer die Tür mit der rechten Hand – entsprechend der Bei- oder Mitfahrer auf der rechten Seite mit der linken Hand. Warum? Dadurch dreht sich der Oberkörper automatisch so, dass ein heranfahrender Radler ins Sichtfeld gerät, bevor Sie die Autotür öffnen.

Der Griff heißt übrigens nicht zufällig holländisch: In der Radfahr-Nation Niederlande gehört dieser Griff zur Standard-Ausbildung beim Führerschein-Erwerb. Auch hierzulande weisen viele Fahrlehrer die Nachwuchs-Autofahrer auf den Kniff hin. Doch wer den Schein schon lange hat, sollte sich den „holländischen Griff“ einprägen: Er kostet keine Mühe und verhindert vermeidbares Leid.