Eine Dose mit Fliegenmaden findet man bei Anglern im Kühlschrank.
Eine Dose mit Fliegenmaden findet man bei Anglern im Kühlschrank. privat

Ihr Anblick ist ekelerregend. Der von Fliegenmaden, die gerade an warmen Sommertagen massenhaft über unseren Bio-Müll herfallen. Keiner will sie wirklich haben. Aber es gibt Menschen, die lieben geradezu diese Ekelwürmer. Sie holen sich deshalb sogar die kleinen weißen Dinger gezielt in die Wohnung und lagern sie im Kühlschrank. Denn die Maden sind nützlicher als man denkt.

Igittigitt. Bitte schauen Sie bei einem Angler bitte nicht in den Kühlschrank! Denn was dort manchmal neben Butter, Käse, Wurst und Gemüse zu finden ist, könnte jeden normalen Menschen umhauen. Runde Plastikschachteln, in denen man eher einen leckeren Brotaufstrich vermutet als massenhaft quicklebendige Maden.

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Keine Panik, Angler essen das Zeug nicht, dient aber ihnen zur Lebensmittelbeschaffung. Denn die Maden sind der universelle Fischköder. Sie sind preiswert. Die Dosen mit bis zu 150 Maden kosten um die 2 Euro. Und die Mini-Biester gehören zu den erfolgreichsten Naturködern. Brassen, Rotfedern und Barsche stehen auf diese kleinen Protein-Bomben, vergessen beim Zuschnappen, dass die Dinger an einem Angelhaken hängen. Selbst für Forellen und Aale sind die Ekelteile echte Delikatessen.

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Angelläden verdienen gut mit Ekel-Maden

Daher machen so einige  Angelläden in Deutschland ihren Umsatz zu über 50 Prozent mit dem Verkauf von Maden. Meisten stammen sie von der Schmeißfliege, werden industriell gezüchtet. Aber nicht nur für Angler.

Angler verwenden Maden von Fliegen und auch von Bienen zum Angeln.
Angler verwenden Maden von Fliegen und auch von Bienen zum Angeln. imago-images/Horst Rudel

Denn die Fliegenmaden könnten das Tierfutter der Zukunft sein. Seit 2017 sind sie in der EU als Futtermittel zugelassen. Die Produktion der Fliegenmaden sei effizienter  (eine Fliege sorgt für etwa 500 Maden), als Tiernahrung aus Fischmehl herzustellen.  Maden seien ideal für Hühner, Hunde und Fische (Aqua-Zucht) geeignet.

Wer es glaubt oder nicht: Die Fliegenmaden sind sogar bei Menschen als Nahrung sehr beliebt – etwa im Käse. Auf Sardinien (Italien) gibt es so einen. Casu Marzu heißt der „verdorbene“ Schafskäse, der bei den Sarden als Delikatesse gilt. Das Schmankerl: Er wird mit lebenden Fliegenmaden im Innern angeboten.

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Der Verkauf ist allerdings illegal. Denn die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat die Herstellung von Casu Marzu untersagt.

Wissenschaftler setzen Maden absichtlich auf dem Bio-Abfall aus

Übrigens: Dass sich Fliegenmaden auf den Bio-Müll stürzen, finden auch Wissenschaftler klasse. Denn sie nutzen es schamlos aus, dass diese Biester wahre Fressmaschinen sind. Denn US-Wissenschaftler fanden heraus, dass die Maden in knapp zwei Stunden eine weggeworfene Pizza verschlingen können. Daher werfen Forscher nun gezielt Fliegenmaden auf Bio-Müll-Deponien.

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Das Ziel: Statt abzuwarten, bis auf einer Bio-Müllhalde organischen Abfall verrottet, was ewig dauern kann, sollte man den Beseitigungsprozess mit den ewig hungrigen Fliegenmaden beschleunigen.

KURIER-Reporter Norbert Koch-Klaucke hat diese Regenbogenforelle  mit dem Einsatz von Maden gefangen.
KURIER-Reporter Norbert Koch-Klaucke hat diese Regenbogenforelle  mit dem Einsatz von Maden gefangen. Koch-Klaucke

Ein anderes Einsatzgebiet ist die Medizin. Wenn zum Beispiel Hautwunden nach einer OP nicht zuwachsen wollen, wird die sogenannte „Maden-Therapie“ angewandt. Das ist auch nichts für schwache Nerven – aber mega-heilend.

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Denn viele chronische Hautwunden sind mit abgestorbenen Zellen bedeckt, die die Heilung bremsen und sogar zu Infektionen führen können. Um diese schonend abzulösen, bedienen sich die Mediziner der Maden. Diese produzieren als Verdauungssäfte Enzyme, die die abgestorbenen Zellen auflösen und bakterienabtötende Stoffe, die die Wunde desinfizieren. Dabei fressen die Maden die aufgelösten Wundstoffe und abgetöteten Bakterien gleich mit auf.

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