Eurobanknoten liegen auf einem Tisch. dpa/Patrick Pleul

In den USA ist er schon Realität: Ein Zinshammer soll die Inflation einbremsen und damit den Teuer-Schock beenden. Nun will die Europäische Zentralbank (EZB) scheinbar zeitnah nachziehen. Aber was bedeutet der Zinshammer für uns alle? KURIER klärt die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Worum geht es?

Angesichts der höchsten Inflationsrate in den USA seit Jahrzehnten greift die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) durch: Sie erhöht ihren Leitzins um 0,5 Punkte und signalisiert eine „rasche“ weitere Straffung ihrer Geldpolitik. Mit ihren Leitzinserhöhungen will die Fed Kredite verteuern, um die Nachfrage zu bremsen. Das hilft dabei, die Inflationsrate zu senken.

Dieser entschlossene Kurs ist ein weiteres Signal an die EZB, auch im Euroraum die Kurswende zu forcieren. Denn auch im Währungsraum der 19 Länder hat die Inflation im April mit 7,5 Prozent ein Rekordhoch erreicht. Das ist meilenweit entfernt vom Mittelfristziel der EZB, die stabile Preise bei 2,0 Prozent Teuerung anstrebt.

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Jetzt mehren sich die Anzeichen für eine baldige Kursänderung der EZB. „Jetzt reicht es nicht mehr zu reden, wir müssen handeln“, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel dem Handelsblatt. „Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juli für möglich.“

Derzeit müssen Banken 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Volkswirte erwarten, dass die Notenbank mit Sitz in Frankfurt in diesem Jahr in mehreren Schritten zunächst diesen negativen Einlagensatz auf null Prozent anheben wird. In der Folge könnte dann auch der Leitzins im Euroraum, der seit mehr als sechs Jahren auf dem Rekordtief von null Prozent liegt, wieder steigen.

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Was bedeutet ein höherer Leitzins der EZB für das tägliche Leben?

Eine Erhöhung des Leitzinses würde die Inflation einbremsen. Ein Rückgang der Inflation schützt also zunächst einmal jene Bevölkerungsschichten, die von einem Anstieg der Verbraucherpreise besonders betroffen sind, weil sie einen Großteil ihrer finanziellen Mittel für Güter des täglichen Bedarfs verwenden. Lebensmittel und Co. würden dann womöglich sogar wieder günstiger werden.

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Ein Einkauf liegt in einem Einkaufswagen in einem Supermarkt. Die Preise für Lebensmittel steigen derzeit drastisch an. dpa/Fabian Sommer

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Was bedeutet ein höherer Leitzins für Sparer?

Das wäre gut für Sparer, weil höhere Zinsen die Inflation drücken. Außerdem könnte es endlich wieder Zinsen auf Sparguthaben geben. Ökonom Gunther Schnabl (55) von der Uni Leipzig erklärt in der Bild-Zeitung: „Eine deutliche Zinsanhebung der EZB würde das Ende von Minuszinsen auf Sparguthaben bedeuten.“

Derzeit berechnen viele Banken einen Negativ- oder Strafzins auf die Guthaben ihrer Kunden. Häufig werden 0,5 Prozent pro Jahr fällig, wenn man mehr als den Freibetrag (meist zwischen 25.000 und 100.000 Euro) auf der hohen Kante zu liegen hat. Mit einem höheren Leitzins würde sich das ändern und Sparer würden Erleichterungen erfahren.

Was bedeutet ein höherer Leitzins für Hausbauer?

Für diejenigen, die planen ein Haus zu bauen oder zu kaufen, wäre ein höherer Leitzins keine gute Nachricht. Denn schon jetzt steigen die Preise für Kredite enorm. „Allein im März verteuerten sich zehnjährige Darlehen um rund 0,5 Prozentpunkte. Seit Jahresbeginn haben sich die Konditionen von ein auf über zwei Prozent mehr als verdoppelt. Dass die Bauzinsen steigen werden, hatten viele prognostiziert – dass sie so schnell so stark steigen, kam für den Markt aber unerwartet“, sagt Mirjam Mohr, Vorständin Privatkundengeschäft der Interhyp AG, Deutschlands größtem Vermittler privater Baufinanzierungen.

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Und es dürfte noch schlimmer kommen. Viele der von Interhyp monatlich befragten Experten und Expertinnen prognostizieren im Jahreslauf 2022 noch höhere Zinsen. „Wir halten 2,5 bis 3 Prozent für zehnjährige Darlehen bis Jahresende für realistisch“, sagt Mirjam Mohr. Diese Einschätzung teilen die meisten der von Interhyp befragten Experten.

Was bedeutet ein höherer Leitzins für Unternehmen?

Für Unternehmen hätten eine Leitzinserhöhung und die damit verbundene sinkende Inflation den Vorteil, die Gefahr einer drohenden Preis-Lohn-Spirale zu verringern. Wenn Unternehmen in Folge der immer weiter steigenden Preise höhere Löhne zahlen müssen, steigt damit auch das Risiko von Arbeitsplatzverlusten. Unternehmen profitieren also von einer Preisstabilität dank eingebremster Inflation (auch hinsichtlich der Löhne), die auch Planungssicherheit hinsichtlich Kosten und Gewinnen bedeutet. Allerdings würde eine Verteuerung von Krediten natürlich auch für die Unternehmen Investitionen erschweren.