Die meisten deutschen Griller brutzeln mit Holzkohle. Für Klima zählt aber vor allem, was auf den Grill kommt. Würstchen haben eine etwas bessere Klimabilanz als Rindersteaks. dpa/Hendrik Schmidt

Wenn die Deutschen am Grill stehen, legen sie meist Holzkohle auf. Grillen mit Gas wird aber immer beliebter. Vielleicht auch weil man mehr Rücksicht auf Umwelt und Klima nehmen will. Denn der Holzgrill soll schädlicher für die Natur sein. Aber stimmt das überhaupt? Und ist nicht ein anderer Faktor entscheidend für die Klimafreundlichkeit? Ein Faktencheck.

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Behauptung: Grillen mit Gas ist klimafreundlicher als mit Holzkohle und setzt weniger schädliches Kohlendioxid (CO₂) frei.

Bewertung: Das stimmt, wichtiger für die Klimabilanz ist jedoch die Wahl des Grillguts.

Fakten: Für ihr Grillerlebnis vertrauen die Deutschen nach wie vor überwiegend auf die Hitze von Holzkohle – auch wenn der Trend rückläufig ist. 2011 nutzten noch 74 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut Forsa Befragten diese Methode, zehn Jahre später sind es nur noch 58 Prozent. Das geht aus der aktuellen Grillstudie des Geflügelfleischunternehmens Wiesenhof hervor. Gasgrills werden demnach immer beliebter: 2011 war es noch jeder zehnte, mittlerweile grillen 29 Prozent der Befragten auf diese Art.

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CO₂-Ausstoß ist bei Holzkohle fast dreimal so hoch wie bei Gas

Während bei einem Holzkohlegrill für viele Grillexperten das Erlebnis im Vordergrund steht, also von der Prozedur des Entzündens bis zum Riechen und sogar Schmecken der Glut, hat der Gasgrill andere Vorteile: Weil es keine Feuerstelle zu entsorgen gibt, macht er weniger Dreck. Durch das einströmende Gas, das entzündet wird, kommt er viel schneller auf Temperatur. Zudem ist er im Vergleich mit dem Holzkohlegrill klimafreundlicher.

Zu diesem Ergebnis kommt Eric Johnson in einer Studie. Der Leiter der Schweizer Umweltberatung Atlantic Consulting hat bereits 2009 die CO₂-Bilanzen von zwei Grillsystemen verglichen – Kohle und Flüssiggas. Er verglich beide Systeme, indem er sie jeweils 150-mal eine Stunde lang laufen ließ, um theoretisch zwei Kilogramm Grillgut darauf zuzubereiten.

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Fazit: Beim Einsatz des Holzkohlegrills werden 6,7 Kilogramm CO₂ freigesetzt. Mit einem modernen Auto, das nur etwa sechs Liter Benzin verbraucht, käme man damit fast 50 Kilometer weit. Beim Gasgrill werden laut Studie bei einem Einsatz nur 2,3 Kilogramm CO₂ freigesetzt. Hier käme das Auto nur etwa 16 Kilometer weit. Insgesamt bedeutet das Ergebnis: Der CO₂-Ausstoß ist beim Grillen mit Holzkohle fast dreimal so hoch wie mit Gas.

Grillen mit Gas wird immer beliebter. Entscheidend für die Klimabilanz beim Grillen ist weniger das verwendete Gerät – sondern das, was auf den Rost kommt. dpa/Bernd Weißbrod

Ein Grund für den Unterschied ist die Herstellung des Brennstoffes, die die Studie bei der Grillkohle mit etwa drei Kilogramm CO₂ pro Einsatz angibt. Beim Gasgrill sind es dagegen nur 0,12 Kilogramm CO₂.

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Entscheidend für die Umwelt ist, was gegrillt wird

Entscheidender für die Umwelt als die Art des Grills (Holzkohle, Gas oder Elektro) ist jedoch, was gegrillt wird. Das Umweltbundesamt verweist auf eine Ökobilanz-Studie des TÜV Rheinland von 2011, wonach der ganz überwiegende Teil der anfallenden klimarelevanten Emissionen durch das Grillgut verursacht wird.

Tierische Produkte belasten die Umwelt über den gesamten Lebensweg weit mehr als etwa Mais. Die größten Klimasünder auf dem Grill sind laut TÜV Rheinland demnach Rindfleisch mit Emissionen von rund 2,9 Kilogramm CO₂-Äquivalent (CO₂e) je 200 Gramm und Käse mit rund 1,9 Kilogramm CO₂e je 200 Gramm. Die Maßeinheit dient zur Vereinheitlichung der Klimawirkung, ein Kilogramm CO₂e entspricht der Wirkung von einem Kilogramm CO₂. Es folgen Schweinefleisch und Würstchen. Am besten fürs Klima: gegrillter Mais mit 50 Gramm CO₂e, der die einzige pflanzliche Nahrung in der Studie war. Bei den Ergebnissen spielte die Art des Grills kaum eine Rolle.

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Was grillen die Deutschen am liebsten?

Und was legen die Deutschen auf den Grill? Am beliebtesten bleibt laut Wiesenhof-Grillstudie trotz eines Rückgangs Schweinefleisch (2021: 63 Prozent, 2009: 69 Prozent), gefolgt von Geflügel (2021: 58, 2009: 54). Einen besonders starken Zuwachs verzeichnet Gemüse (2021: 50, 2009: 29). Es lag 2021 knapp vor Rind, das ebenfalls zugelegt hat (2021: 49, 2009: 33). Grillkäse kam 2021 auf 37 Prozent, Kartoffeln auf 26, Fisch auf 24, Lamm auf 16. Vegetarische und vegane Fleischersatzprodukte betrugen zusammen 13 Prozent.

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Hinter Wiesenhof steckt der Mutterkonzern PHW, der als größter deutscher Geflügelzüchter und -verarbeiter gilt. Seit einigen Jahren setzt Wiesenhof verstärkt auf Fleisch-Ersatzprodukte.