Teure Pfotenkumpane

Wenn der Tierarztbesuch teurer wird als der Kurzurlaub

Haustiere gehören für Zehntausende Berliner fest zur Familie. Doch wenn der Vierbeiner krank wird, kann es schnell sehr teuer werden.

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Katze beim Tierarzt
Katze beim TierarztBildquelle: Flux 2 Fast

Eine neue Studie der Allianz zeigt: Viele Tierhalter unterschätzen die realen Krankheitskosten deutlich.

Hand aufs Herz: Wer sich einen Hund, eine Katze oder ein anderes Haustier anschafft, denkt meistens an die schönen Dinge. An Spaziergänge durch den Kiez, an gemütliche Abende auf dem Sofa, an unvergessliche Kindheitserinnerungen. Die Kosten? Spielzeug, Futter, vielleicht noch die jährliche Impfung.

Was viele dagegen deutlich weniger auf dem Zettel haben: Tierarztkosten können sehr schnell Dimensionen erreichen, bei denen der nächste Kurzurlaub plötzlich ziemlich günstig aussieht – und im Gegensatz zu den menschlichen Familienmitgliedern sind Bello und Co. nicht automatisch krankenversichert. Genau hier setzt eine unlängst von der Allianz erstellte Meta-Studie an. Sie bündelt aktuelle Daten und Untersuchungen zu Tierarztkosten, Kostenwahrnehmung und finanzieller Vorsorge von Tierhaltern. Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig: Viele Halter unterschätzen, wie teuer die medizinische Versorgung ihres Tieres im Laufe der Jahre wirklich werden kann.

Wenn schon die Routinen sich aufsummieren

Und das betrifft beileibe nicht nur tierische Exoten und teure Spezialfälle. Schon Routinebehandlungen, Impfungen, Parasitenprophylaxe oder kleinere Verletzungen können regelmäßig Geld kosten. Richtig teuer wird es, wenn Operationen, chronische Erkrankungen oder altersbedingte Beschwerden dazukommen. Dann geht es nicht mehr um ein paar Dutzend Euro für Impfspritzen, Krallenschneiden und Entwurmungsmittel, sondern schnell um deutlich drei- oder sogar vierstellige Beträge.

Dazu nennt die Studie einige Zahlen, die Tierbesitzer kurz vom Napf aufblicken lassen sollten:
  • 80 % der Haustierhalter unterschätzen die medizinischen Gesamtkosten über das Tierleben hinweg deutlich.
  • 60 % der Besitzer vertun sich bereits bei der Kalkulation der monatlichen Mindestkosten.
  • Über 40 % der Befragten zahlten in den zurückliegenden Monaten mehr als 100 Euro für einen Tierarztbesuch.
  • 60 % der Hundebesitzer geben jährlich zwischen 100 und 1.000 Euro nur für den Tierarzt aus.
  • 80 bis 150 Euro können allein die zusätzlichen monatlichen Kosten für ein chronisch krankes Tier betragen.

Und das sind nur die Durchschnittswerte. Besitzer mancher kurznasiger Hunderassen (bspw. Mops) müssen bei Operationen in diesem Bereich mit Kosten von bis zu 4.000 Euro rechnen. Zudem schreibt die Studie deutlich: Insbesondere Katzen- und Kleintierbesitzer unterschützen die Kosten signifikant häufiger als Hundehalter es machen.

Im Ernstfall bleibt keine Zeit zu kalkulieren

Besonders heikel: Viele Halter merken erst im Ernstfall, wie groß die Lücke zwischen Erwartung und Realität ist. Wenn der Hund plötzlich lahmt, die Katze nicht mehr frisst oder das Kaninchen Zahnprobleme bekommt, bleibt wenig Zeit zum Rechnen. Dann muss entschieden werden – oft emotional, unter Druck und mit einer Rechnung, die erst präzise ist, wenn die Behandlung abgeschlossen ist.

Seit der neuen Gebührenordnung für Tierärzte aus dem Jahr 2022 sind viele außerdem Behandlungen teurer geworden. Das ist für Praxen nachvollziehbar, weil auch dort Personal, Technik, Medikamente und Diagnostik bezahlt werden müssen. Für Tierhalter bedeutet es aber: Alte Erfahrungswerte tragen nicht mehr unbedingt. Wer vor Jahren „ungefähr 80 Euro“ für eine Behandlung gezahlt hat, kann heute spürbar anders aus der Praxis kommen.

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Bildquelle: Flux 2 Fast

Rücklagen können den Schock abmildern

Die Allianz-Studie zeigt deshalb nicht nur ein Kostenproblem, sondern auch ein Informationsproblem. Viele Tierhalter wissen schlicht nicht genau, welche Ausgaben realistisch sind. In der Folge fehlen Rücklagen, werden Versicherungen nicht geprüft, und kann es im Notfall finanziell eng werden.

Sinnvoll ist deshalb ein ehrlicher Haustier-Kassensturz:

·       Was kosten Impfungen?

·       Welche Krankheiten sind wahrscheinlich?

·       Was kostet deren Behandlung?

·       Was passiert bei einer OP?

·       Wie viel könnte monatlich zurückgelegt werden?

Die Studie nennt dazu als Orientierung eine Rücklage von etwa 30 bis 50 Euro pro Monat je nach Tierart, Alter und Gesundheitszustand. Denn so niedlich der Pfotenkumpel auch ist: Liebe allein bezahlt keine Tierarztrechnung. Ein bisschen finanzielle Vorbereitung ist am Ende auch Tierschutz – nur mit weniger Pathos und mehr Haushaltsbuch.

Die Recherche und Erstellung des Beitrags wurden durch eine externe Redakteurin vorgenommen und stammen nicht aus der eigenen Redaktion.