Brokkoli-Pulver sieht längst nicht so appetitlich aus wie das echte Gemüse – und es macht auch nicht so satt. dpa

„Greens“ sind gerade DER Trend in der Fitness-Branche, und auch die Supermärkte preisen die angeblich kalorienarmen  Nährstoffbomben inzwischen an. Die Ökotrophologin Julia Zichner hat sich die Pulver genauer angesehen und mit frischem Gemüse verglichen.

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Gemüse in Pulverform, das klingt doch superpraktisch: Ein, zwei Esslöffel davon ins Essen oder in ein Getränk mischen – und schon hat man seine Tagesration Gemüse intus. Aber was taugen diese hippen „Greens“ tatsächlich? Im Interview äußert Diplom-Ökotrophologin Julia Zichner aus Radeburg Vorbehalte gegenüber diesen Nahrungsergänzungsmitteln.

Frage: Frau Zichner, Sie sehen Gemüsepulver kritisch und sagen, Sie würden dafür keinen Cent ausgeben. Warum?

Julia Zichner: Das eine ist das Thema Essen und Genuss, das andere ist das Thema Volumen und Sattheit. Wenn ich Gemüse in normaler Form esse, habe ich eine gewisse Menge, die im Magen landet und mich satt macht. Und dieses Sättigungsgefühl schafft Gemüse, obwohl es vergleichsweise wenig Energie hat. Insofern ist der Verzehr von Gemüse auch eine gute Grundlage, um sein Wunschgewicht zu halten.

Ein Gemüsepulver oder auch eine Gemüsetablette machen nicht satt, und ich habe keinen Genussmoment davon. Außerdem enthalten die Pulver und Tabletten im Gegensatz zum normalen Gemüse kaum Ballaststoffe, die wichtig für die Darmgesundheit sind.

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Und: Man sollte die Vorbildwirkung für die Kinder bedenken. Wenn die Großen Gemüse in Pulverform schlucken, wie sollen die Kleinen lernen, dass sie Gemüse essen sollen?

Frage: Können die Pulver wenigstens die im Ausgangsgemüse enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe liefern?

Zichner: Ja, zum Teil. Mineralstoffe gehen durch die Erhitzung und den Trocknungsprozess beim Herstellen nicht kaputt. Vitamine wiederum bauen sich beim Erhitzen und Lagern ab. In aus 100 Gramm frischem Brokkoli hergestellten Pulver werden weniger Vitamine drin sein als in 100 Gramm frischem Brokkoli – es sei denn, sie wurden künstlich zugesetzt.

Was in Pulver und Tabletten so gut wie gar nicht abgebildet werden kann, ist das Zusammenspiel von Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. In dem Bereich ist längst noch nicht alles erforscht. Aber man weiß zum Beispiel, dass Vitamine ihre Wirkung im Körper besser im Zusammenspiel mit sekundären Pflanzenstoffen entfalten.

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Frage: Man hört ja landläufig den Ratschlag, dass man fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag essen sollte. Gerade beim Gemüse ist es oft nicht so leicht, das einzuhalten – haben Sie Tipps, wie es einem gelingt, auf die empfohlene Menge zu kommen?

Zichner: Erstmal würde ich schauen, wie viel ich schon am Tag zu mir nehme. Viele unterschätzen das nämlich. Auch deshalb, weil sie kein Gefühl dafür haben, wie viel etwas wiegt. Legen Sie ruhig mal eine große Tomate auf die Waage. Sie werden überrascht sein.

Im Durchschnitt wird geraten, 650 Gramm Obst und Gemüse am Tag aufzunehmen. Gerade im Herbst lässt sich sehr gut mit Gemüseeintöpfen und Suppen die Ration erhöhen. Fakt ist natürlich, dass man durch das Erhitzen beim Kochen Nährstoffe einbüßt, aber das ist eingepreist – die Empfehlungen sind eh mit etwas Puffer berechnet.

Der größere Anteil sollte übrigens Gemüse sein – 400 Gramm täglich empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Generell ist es immer ratsam, in seiner Ernährung eine bunte Mischung aus gegartem und rohem Gemüse zu haben.