So ein Notstromaggregat hilft im Krisenfall. Aber ist die Anschaffung für Privathaushalte sinnvoll?
So ein Notstromaggregat hilft im Krisenfall. Aber ist die Anschaffung für Privathaushalte sinnvoll? imago

Die Bundesregierung hat Unternehmen dazu geraten, sich wegen der Gaskrise mit Notstromaggregaten einzudecken. Laut Bild antwortete Wirtschaftsstaatssekretär Patrick Graichen (Grüne) auf eine parlamentarische Anfrage des CSU-Abgeordneten Stephan Pilsinger, solche Aggregate sollten mögliche Stromausfälle kompensieren.

Lesen Sie auch: Schalt mal runter: Die 8 besten Tipps zum Energiesparen beim Kochen und Backen!>>

Notstromaggregate sollen 72 Stunden Stromausfall überbrücken können

Graichen empfiehlt demnach, dass die Notstromaggregate eine Überbrückungszeit von 72 Stunden haben sollen. Die Empfehlung richtet sich nicht an Privathaushalte, sondern vor allem an „Betreiber von kritischer Infrastruktur“. Das sind beispielsweise Verkehrsunternehmen, Wasserwerke, Lebensmittelindustrie, der Gesundheitssektor, Telekommunikation und Internetdienste, Finanz- und Versicherungsanbieter, Entsorger, Medien sowie Verwaltung und Staat einschließlich Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste.

CSU-Abgeordneter Pilsinger reagierte wiederum auf die Antwort: „Dass die Regierung die Anschaffung von Notstromaggregaten empfiehlt, ist ein Offenbarungseid.“ Angesichts eines möglichen Totalausfalls russischer Gaslieferungen appellierte der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, Energie zu sparen.

Industriebetriebe teils massiv von Gas abhängig, aber im Strommix spielt Gas eine geringe Rolle

Allerdings ist der Energiebedarf von Privathaushalten und Unternehmen sehr unterschiedlich. Nur ein geringer Teil des Strommixes in Deutschland wird durch Gasturbinen erzeugt, dagegen 47 Prozent aus erneuerbaren Energien. Diverse Industrieunternehmen sind jedoch von Gas zur Energie- und Wärmeerzeugung abhängig, so etwa die Glasindustrie. Einige Unternehmen wie die Bierbrauerei Veltins haben sich auf mögliche Gas-Engpässe bereits eingestellt und wären in der Lage, kurzfristig den Energiebedarf aus Öl zu decken. Für andere Unternehmen könnten Notstromaggregate helfen, mögliche Engpässe zu überwinden.

Lesen Sie auch: Schüsse in Kopenhagener Einkaufszentrum >>

Strommanager halten die Gefahr eines flächendeckenden Strom-Blackouts allerdings für eingrenzbar. Für den Fall akuten Strommangels etwa durch eine Windflaute bei Windkraftwerken kann der Bedarf durch andere Stromquellen ausgeglichen werden.

Einen längeren Stromausfall hatte es in Berlin-Köpenick im Februar 2019 gegeben, als zwei zentrale Stromkabel durchtrennt wurden. Bereiche der kritischen Infrastruktur wie das DRK-Klinikum Köpenick waren vorbereitet und schalteten einfach auf Notstrom um. Nach über 31 Stunden zeigten sich allerdings auch diverse Mängel im Katastrophenschutz-Management. Zukünftig sollen sich betroffene Bürger bei sogenannten Katastrophenschutz-Leuchttürmen über die Lage informieren können.

Bundesregierung rät Notvorräte anzulegen

Unabhängig davon hatte die Bundesregierung für Notfälle dazu geraten, Vorräte mit Trinkwasser und haltbaren Lebensmitteln bereitzuhalten, lange vor der Energiekrise. Die Möglichkeit eines Stromausfalls durch ein Missgeschick wie in Köpenick besteht ohnehin. Ob ein benzin- oder dieselbetriebenes Notstromaggregat für einen Privathaushalt sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Sinnvoll ist aber sicherlich, eine Powerbank oder Powerstation für Notfälle aufgeladen zu haben, um beispielsweise Handys aufzuladen, den Internet-Router am Netz zu halten und Licht zur Verfügung zu haben.

Lesen Sie auch: Schalt mal runter: Die 8 besten Tipps zum Energiesparen beim Kochen und Backen! >>

Notlagen lassen sich jedoch gemeinhin nur gemeinsam meistern. Wenn der Strom in der ganzen Siedlung ausfällt, ist es Aufgabe des Katastrophenschutzes, die Versorgung für alle wiederherzustellen.