Das Gießen von oben kann den Pflanzen schaden. Christin Klose/dpa

Wir müssen Gießen! An heißen Wochenenden wie jetzt stehen die Gartenbesitzer mit dem Schlauch in der Hand im Grünen und lassen es laufen. Wasser Marsch, heißt es überall. Doch angesichts der Trockenheit in Berlin und Brandenburg ist es höchste Zeit, seine Gieß-Routinen einmal auf den Prüfstand zustellen. Beim Gießen kann man einiges falsch machen.

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Klar, gerade Topfpflanzen, auf dem Balkon aber auch viele Pflanzen im Gartenboden brauchen im Sommer unsere Hilfe: Wir müssen sie in Trockenzeiten gießen. Auch die Tomaten auf Balkonien wollen jeden Tag Wasser. Oft aber geben wir Pflanzen zu viel Wasser in falschen Rhythmen - und verschwenden so die wertvolle Ressource und schwächen obendrein manche Pflanzen.

Die Wassertropfen eines Rasensprengers erzeugen eine Lichtreflexion in Regenbogenfarben. Sprengen ist nicht die optimale Form des Gießens. dpa

1. Regel: lieber seltener Gießen, dafür intensiver

Lieber seltener gießen und gut durchfeuchten als häufig und wenig zu gießen - das ist sowas wie das erste Gießgebot im Sommer. Denn Pflanzen stellen sich darauf ein, wenn sie mit täglichen Häppchen versorgt werden. Gräser zum Beispiel werden verleitet, ihre Wurzeln flacher wachsen zu lassen - also nur bis dorthin, wo das oberflächliche Gießen den Boden befeuchtet.

Dort sind sie aber in trockenen Zeiten anfälliger - und erst recht darauf angewiesen, dass der Gärtner immer da ist und für Nachschub sorgt. Daher rät auch die Deutsche Rasengesellschaft, den Rasen nicht täglich, dann aber alle Tage kräftig zu gießen.

2. Regel: nachts oder am Morgen gießen

Wer mittags seine Pflanzen gießt, verbrennt sie. Denn Wassertropfen auf den Blättern können in der Sonne wie Brenngläser wirken, so das Umweltbundesamt. Außerdem verdunstet an den heißen Stunden des Tages - also ab Mittag bis in den Abend hinein - ein Großteil des gegossenen Wassers, bevor die Wurzeln der Pflanzen es aufnehmen können.

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Auch die frühe Nacht ist an besonders warmen Tagen noch nicht der richtige Zeitpunkt zum Gießen: Dann ist der Boden noch aufgeheizt und es verdunstet ebenfalls viel Nässe. So rät das Umweltbundesamt, dem frühen Morgen dem Vorzug vor dem späten Abend zu geben. Wer eine automatische Bewässerung nutzt, hat es da natürlich einfach: Auf vier Uhr morgens einstellen und währenddessen schlafen. Für alle anderen: es ist ein wunderbares Gefühl am Morgen den Vögeln zu lauschen und im Garten eine ganz besondere Stimmung mitzuerleben. Wenn Sie schon mal wach sind, können Sie ja auch gleich noch frische Brötchen holen. Dafür gibt es dann mittags Siesta.

3. Regel: Direkt den Boden über den Wurzeln gießen

Wer von oben herab gießt - also die Blätter und Blüten überschüttet -, fördert unter Umständen Schimmelbefall. Denn diese Feuchtigkeit bietet den Sporen einen guten Nährgrund. Außerdem reagieren manche Pflanzen empfindlich auf Wasser von oben:  Tomaten und Kohlrabi können dann aufplatzen. Deswegen wird auch empfohlen, in regenreichen Sommern ihnen ein Dach über dem Kopf anbieten zu können.

Zugleich kommt an richtig heißen Tagen beim Gießen aus der Höhe wieder die Verschwendung ins Spiel: Das Wasser kommt nicht dort an, wo es gebraucht wird - an den Wurzeln.

Zierlauch und Rosen. Auch im Staudenbeet gilt es beim Gießen einiges zu beachten. imago/Harald Lange

4. Regel Tröpfchenbewässerung

Daher raten Experten, nah am Boden zu gießen, also in dem Bereich direkt über den Wurzeln. So übrigens funktioniert auch eine professionelle und ressourcenschonende Tröpfchenbewässerung: Sie gibt punktuell genau an den Wurzeln Wasser ab. Dazu können Sie auch einen einfachen Gartenschlauch in Hecke und Beet verlegen. Pieksen Sie in regelmäßigen Abständen Löcher hinein und drehen Sie den Hahn nur leicht auf, sodass es über einen längeren Zeitraum herauströpfelt.

Der Nabu hat noch einen besonderen Tipp für alle ohne Bewässerungssystem: Einen kleinen Blumentopf an den Wurzeln in den Boden eingraben und quasi als Trichter nutzen.

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5. Regel: Boden regelmäßig auflockern

Ein lockerer Boden kann Wasser besser aufnehmen und speichern. Daher ist es ratsam, dass Sie regelmäßig hacken, denn ein lockerer Boden verdunstet weniger Wasser als eine verschlämmte Oberfläche. Durch das Hacken werden die Kapillare zerstört und die Verdunstung vermindert. Wer mag kann Mulch oder Grünschnitt auf nackten Boden unter Hecken und Sträucher geben, auch das verhindert ein schnelles Austrocknen.

6. Regel: Mit Regenwasser gießen

Wenn möglich sollten Sie Ihre Pflanzen mit Regenwasser gießen. Sie sparen mit einer Regentonne kostbares Trinkwasser und versorgen Ihre Pflanzen bestens. Das kostenlose Wasser ist ideal, da es keine Mineralien enthält und somit den pH-Wert des Bodens kaum beeinflusst. Wenn es geht, bauen Sie eine unterirdische Zisterne, wo das Regenwasser in großen Mengen gesammelt werden kann und mit einer Pumpe befördert wird. Aber auch eine Tonne oder ein Fass in dem Wasser gesammelt wird, ist ein Anfang.  Achten Sie hierbei darauf, dass der Behälter geschlossen ist, um Tieren den Zugang zu verwehren, Laubfall zu vermeiden und Verdunstung zu reduzieren.

7. Regel: Lieber mit Schlauch oder Kanne  gießen

Frisch gepflanzte Pflanzen brauchen regelmäßig Wasser. www.imago-images.de

Rasensprenger sind nicht optimal zur Bewässerung von Gehölzen, hier gelangt zu viel Wasser auf die Blätter und verdunstet. Besser ist ein Wässern mit dem Gartenschlauch oder mit der Gießkanne.

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8. Flachwurzler leiden unter Trockenheit mehr

Flachwurzler leiden schneller unter Trockenheit. Hierzu gehören beispielsweise alle Thuja-Arten, Bambus und Buddleja. Beim Gemüse sind es Salat, Spinat, Zwiebeln, Lauch, Mais, Sellerie, Radieschen. Generell gilt aber auch  bei Gemüse: besser zweimal pro Woche ausgiebig gießen, anstatt jeden Tag wenig.

9. Boden verbessern

Leichte Sandböden können nur wenig Wasser speichern und das Regenwasser oder Gießwasser versickert schnell in tiefe Schichten. Ziel ist es daher, bei durchlässigen Böden die Wasserspeicherfähigkeit zu erhöhen. Durch die Anreicherung von Humus kann der Boden besser Wasser speichern. Daher ist das Mulchen auf Sandböden die beste Möglichkeit den Boden zu verbessern und somit den Wasserverlust zu minimieren. Direkt nach der Pflanzung sollten Sie auf durchlässigen Böden eine dünne Schicht Mulch (Rasenschnitt, grobe Pflanzenteile oder Kompost) ausbringen.