Zum Frühlingsanfang sollte das Auto einer Komplettwäsche unterzogen werden, um den Lack vor Langzeitschäden zu bewahren.  Foto: Imago/Panthermedia

Der Frühling ist da. Sind Ihr Auto und Sie fit dafür? Wenn nicht, haben Verkehrsexperten die wichtigsten Tipps:

Komplettwäsche schützt vor Langzeitschäden

Schon lange nicht mehr hat es in Deutschland so viel Schnee gegeben wie im zurückliegenden Winter. Die weiße Pracht hat für glatte Straßen und Schneematsch gesorgt. Das hat auch an vielen Autos Spuren hinterlassen. „Das Streusalz hat dem Auto erheblich zugesetzt, das muss jetzt runter“, sagt Sören Heinze vom Auto Club Europa (ACE). Die Kur fürs Auto sollte mit einer gründlichen Wäsche von oben und unten beginnen.

Nur mit einer schnellen Fahrt durch die Wäsche aber ist es nicht getan. „Vor der Waschstraße sollte das Auto mit einem Hochdruckreiniger einmal oberflächlich gereinigt werden. Das verhindert unschöne Kratzer, die durch Salz- und Dreckreste durch die Bürsten entstehen könnten“, sagt Heinze. Nach der Wäsche ist dann auch sichtbar, wo Lackschäden entstanden sind.

Lesen Sie auch: Wie kommt ein Hai in einen Opel? Designer-Gags in Autos, „Eastereggs“ genannt. Finden Sie sie? >>

„Kleinere Kratzer können mit einer Grundierung und einem Lackstift aus dem Autozubehör selbst bearbeitet werden. Den Unterboden sollte sich ein Fachmann beim nächsten Werkstattbesuch ansehen“, empfiehlt Gerrit Reichel vom ACV Autoclub Verkehr.

Putzen und entrümpeln

Im Winter sammeln sich schnell viele Hilfsmittel im Auto an. Von Handschuhen und Handfeger über den Scheibenenteiser bis hin zum Frostschutz-Kanister. Ist es draußen wärmer, ist das eine gute Gelegenheit, mal alle Türen aufzumachen, den Wagen ordentlich durchzulüften und die Winterutensilien zu entfernen. Der ADAC rät auch dazu, die Glasflächen gründlich von innen zu reinigen, damit der winterliche Schmutzfilm auf der Windschutzscheibe entfernt wird und nicht blenden kann. Zudem biete es sich nach dem Aussaugen an, die Gummifußmatten gegen Sommermatten auszutauschen.

Reifen wechseln - aber richtig!

Die viel zitierte Regel von O bis O, also von Oktober bis Ostern, gilt noch immer als grobe Orientierung für den Reifenwechsel. Grundsätzlich sollte es nachts aber dauerhaft keinen Frost mehr geben, bevor es Sommerreifen gibt. „Vor der Einlagerung sollten dann auch die Winterreifen gründlich gereinigt und auf eventuelle Beschädigungen hin untersucht werden“, empfiehlt Heinze. Zudem sollten Kompletträder übereinandergestapelt an einem kühlen und trockenen Ort aufbewahrt werden. So bleibt der Reifen in Form und trocknet nicht aus.

Lesen Sie auch: Wann sollten Autofahrer Sommerreifen montieren? >>

Keimschleuder Innenraumfilter

Das Frühjahr ist genau der richtige Zeitpunkt, um den Innenraumfilter zu wechseln. Wenn die ersten Blütenpollen fliegen, sind vor allem auch Allergiker auf einen funktionierenden Filter angewiesen. „Der Filter siebt Pollen, Staub und Schmutz aus der Luft und sollte jährlich gewechselt werden“, sagt Reichel. Wird der Filter nicht gewechselt, könne er sich schnell zu einem Nährboden für Schimmel und Bakterien entwickeln und alle Fahrzeuginsassen belasten.

Nicht jede Sonnenbrille hilft

Zu den Klassikern im Frühjahr zählt die tief stehende Sonne. Die kann Autofahrer schnell blenden und damit zur Gefahr im Straßenverkehr werden. Hier kann eine gute Sonnenbrille helfen. Vorausgesetzt, man hat die richtige.

„Selbsttönende Gläser sind in der Regel nicht geeignet, denn sie reagieren meist auf UV-Licht, und das wird im Auto größtenteils durch die Windschutzscheibe herausgefiltert“, erklärt Reichel. Gut geeignet hingegen seien braune oder graue Gläser mit 65 bis 75 Prozent Tönung. Von einer noch stärkeren Tönung rät Reichel ab, da sehr dunkle Gläser zu viel Licht schluckten.

Nicht müde werden

Die Zeit direkt nach der Zeitumstellung (28. März) ist für Autofahrer besonders gefährlich. Das Unfallrisiko sei dann um acht Prozent höher, so der Tüv Nord. Die fehlende Stunde Schlaf verringere offensichtlich die Konzentrationsfähigkeit und das Reaktionsvermögen. Hinzu kommt die allgemeine Frühjahrsmüdigkeit.

Speziell im April ist es daher sinnvoll, den Kreislauf morgens besonders gut in Schwung zu bringen und bei längeren Fahrten regelmäßige Pausen an der frischen Luft zu machen.

Achtung Schlaglöcher

Wenn Wasser in Fahrbahnrisse dringt und im Winter gefriert, entstehen schnell Schlaglöcher. Für Autofahrer sind das unangenehme Überraschungen. Allerdings: „Für den verkehrssicheren Zustand von Straßen und Wegen sind entweder der Bund oder die Kommunen zuständig, also Städte und Gemeinden“, sagt Heinze. Gibt es keine Warnschilder, die auf eine beschädigte Fahrbahn hinweisen, kann der Autofahrer also Schadenersatz von der Kommune verlangen, wenn sein Fahrzeug durch ein Schlagloch beschädigt wurde.

„Die Beweislast liegt aber beim Geschädigten, also beim Autofahrer“, so Heinze. Ansonsten trägt die Vollkaskoversicherung den Schlagloch-Schaden.

Achtung Wildwechsel

Die Zeitumstellung verschärft dem Deutschen Jagdverband (DJV) zufolge auch die Gefahr von Wildunfällen. Dämmerung, morgendlicher Berufsverkehr und die sich auf Futtersuche befindlichen Wildtiere würden dann zeitlich zusammenfallen. Besonders unfallträchtig ist demnach die Zeit zwischen 6 und 8 Uhr im April und im Mai. Vor allem auf Straßen entlang der Wald-Feld-Kante oder durch den Wald hindurch ist besondere Vorsicht geboten. Hier sollten Autofahrer vorsorglich die Geschwindigkeit drosseln, rät der DJV.

Lesen Sie auch: Sturmschaden am Auto: Diese Versicherung zahlt! >>

Flüssigkeiten checken

Ein Blick unter die Haube gehört zur Standardpflege im Frühjahr dazu. Neben Motoröl und Kühlwasser gilt es auch, die Scheibenwaschanlage zu kontrollieren. Hier ist laut ADAC wichtig: Nicht jeder Reinigerzusatz für den Sommer lässt sich mit dem vorhandenen Frostschutz aus dem Winter mischen. Gleichwohl sollte der Winterzusatz nicht unnötig im Sommer weiter verbraucht werden. Denn beispielsweise gegen Insektenrückstände sind die Wintermittel mehr oder weniger chancenlos.

Vorsicht mit oben ohne

Auch Cabrios und Oldtimer werden im Frühjahr gerne aus dem Winterschlaf geholt. Der ACV rät hier erst einmal zu einer behutsamen Handwäsche als Pflegeprogramm. „Bei altem Lack, Gummidichtungen und Cabrio-Stoffdächern sollte man vorsichtig sein mit dem Hochdruckstrahler“, sagt Gerrit Reichel. Bei der Fahrt durch die Waschanlage sollten Cabriobesitzer zudem auf das Heißwachs-Programm verzichten, denn das könne die Beschichtung des Verdecks beschädigen.