Gicht entsteht oftmals da, wo zuvor eine Arthrose die Gelenke bereits geschädigt hat. Foto: peterschreiber.media - stock.ado

Wie ein Blitz schlägt der Schmerz im Gelenk ein und lässt einen nicht mehr so schnell los. Ein Gichtanfall kann der Beginn einer langen Tortur sein. An jedem Gelenk kann eine solche Attacke auftreten, relativ häufig sind die Grundgelenke der großen Zehen, sowie die Knie-, Sprung- und Handgelenke betroffen. Oft beginnt die Gicht im großen Zeh. Warum das so ist, weiß keine Theorie wirklich sicher zu erklären.

„Gichtanfälle finden sich häufig an durch Arthrose oder einen Unfall vorgeschädigten Gelenken“, sagt die Rheumatologin Prof. Ursula Gresser von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Das Großzehengrundgelenk ist das am stärksten belastete Gelenk des Körpers, denn bei jedem Schritt lastet das gesamte Körpergewicht darauf. Dort beginnt oft langsam und für den Patienten unbemerkt eine Arthrose. „Das könnte der Grund für die Liebe der Gicht zum Großzehengrundgelenk sein“, so die Expertin.

Gresser rät generell: „Bevor man sich an einem Gelenk wegen etwas anderem operieren lässt, sollte man ausschließen, dass der Gelenkschaden durch eine Gicht verursacht wurde.“

Warm, geschwollen, gerötet, schmerzt bei Druck: An diesen Symptomen erkennen Ärzte einen Gichtanfall.  Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Harnsäure im Blut als Ursache

Eine Gicht ist überwiegend die Folge einer genetischen Veranlagung, die dazu führt, dass die Nieren Harnsäure schlechter ausscheiden. Der zweithäufigste Grund sei eine erworbene Nierenfunktionsschwäche, sagt Gresser. Durch die verringerte Ausscheidung der Harnsäure steigt deren Spiegel im Blut. In den Gelenken kann es zu akuten Entzündungen kommen. Rötungen, Schwellungen und Schmerzen sind die Folge.

Üblicherweise tritt die Gicht erst im Erwachsenenalter auf. „Vor allem Menschen im höheren Lebensalter zählen als Risikogruppe, da hier oft die Nierenfunktion eingeschränkt ist“, sagt Prof. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3 für Rheumatologie und Immunologie am Universitätsklinikum Erlangen.

Fleischkonsum als Risikofaktor

Weitere Risikofaktoren seien der reichhaltige Genuss von Fleisch oder bestimmten Getränken wie hefehaltigem Bier, so Schett. Diese Nahrungsmittel enthalten Purine. Bei deren Aufspaltung entsteht Harnsäure. Unter anderem deswegen galt die Gicht lange als Wohlstandskrankheit. „Damals gab es nur bei den Wohlhabenden Fleisch, und die ärmere Bevölkerung hatte zwangsläufig eine stärker auf Kohlenhydraten und Gemüse basierende, fast purinfreie Ernährung“, sagt Ursula Gresser. „Heute kann sich fast jeder jedes Essen leisten.“

Purine bilden sich auch, wenn der Körper kranke Zellen abbaut. „Deswegen kann eine vermehrte körpereigene Purin-Produktion wie bei einem vermehrten Zellumsatz, zum Beispiel bei Tumorkrankheiten, oder einem Zellabbau wie bei einer strengen Diät ebenfalls zu einem Gichtanfall führen“, erklärt Georg Schett.

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Ärztinnen und Ärzte erkennen einen Gichtanfall anhand seiner Symptomatik: Das Gelenk ist heiß, rot, geschwollen und schmerzt bei Druck. Außerdem werden die Harnsäure-Kristalle durch eine Punktion des Gelenks festgestellt. „Bei einer chronischen Gicht, die häufig unerkannt bleibt, helfen Ultraschall oder eine spezielle Form der Computertomografie, die Dual-Energy-CT, bei der Diagnostik“, sagt Schett. Wird eine Gicht diagnostiziert, muss gehandelt werden.

Warum eine Ernährungsumstellung nur begrenzt hilft

„Mit einer Ernährungsumstellung kommt man nicht sonderlich weit, da nur ein relativ kleiner Teil der Harnsäurevorstufen, also der Purine, aus der Nahrung kommt“, sagt Ursula Gresser. „Der größere Teil wird vom Körper selbst produziert. Außerdem gibt es heute keinen Grund mehr, sich bei Gicht durch eine einseitige Ernährung zu kasteien.“ Durch gut verträgliche und wirksame Medikamente könnten die Patienten komplett beschwerdefrei werden und alles essen, was ihnen schmeckt.

„Hilfreich wäre es aber, den Alkoholkonsum zu verringern, da Alkohol ebenfalls die Ausscheidungsfähigkeit der Niere für Harnsäure herabsetzt“, betont die Medizinerin.

Georg Schett empfiehlt, vorbeugend stets auf das Gewicht zu achten sowie einen exzessiven Genuss von Fleisch, Bier – auch alkoholfreiem – und fruktosehaltigen Getränken zu vermeiden.

Gegen Fett alleine spricht laut dem Experten übrigens nichts: „Das enthält ja keine Purine und dadurch entsteht auch keine Harnsäure. Aber häufig ist Fett mit reichlich purinhaltigem Gewebe wie zum Beispiel Fleisch kombiniert.“

Sport ist nicht per se verboten

Und was ist mit dem Ratschlag, es bei einer Gicht mit dem Sport lieber langsam angehen zu lassen? Das gilt nur, wenn der Patient eine akute Gelenkentzündung oder einen chronischen Gelenkschaden hat, stellt Ursula Gresser klar. In beiden Fällen kann der Sport zu einer Verschlechterung führen. „Bei gut behandelten Patienten gibt es aber keinen Grund, auf sportliche Betätigung zu verzichten oder diese einzuschränken.“

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Gresser sieht die beste Vorbeugung vor Gicht im frühzeitigen Erkennen einer eventuellen Veranlagung. „Am besten ist es, mal die Eltern nach Gicht in der Familie zu fragen und bei der nächsten Blutabnahme die Harnsäure mitbestimmen zu lassen“, empfiehlt sie. Da es häufig eine erbliche Erkrankung ist, können die Werte schon im jungen Alter vergleichsweise erhöht sein. Wird eine Gichtveranlagung festgestellt, sollten sich Betroffene von Spezialisten beraten lassen.