Das Backen wird derzeit zur neuen Leidenschaft vieler Deutscher. Foto: Jens Kalaene/dpa

Berlin  - Die ungenutzte Energie in diesen Quarantänezeiten fördert ganz offenbar die Kreativität. Ex-Spice-Girl und Modedesignerin Victoria Beckham (45) etwa entdeckte den Hippie in sich und batikt jetzt mit ihren Kindern. Auf Instagram zeigt sie, wie Cruz (15) und Harper (8) kunterbunte Farben auf weißen Kleidungsstücken verteilen – von Socken, über T-Shirts bis hin zu Unterwäsche. Auch in Deutschland ist man kreativ. Schwer angesagt ist momentan das Nähen. Andere wiederum machen ihrem Bäcker Konkurrenz …  

Auf Google gehen Suchanfragen zu „Brot backen“ seit Anfang März steil nach oben. Der Verband der Hefeindustrie beeilte sich mitzuteilen, dass die Hefe-Versorgung Deutschlands gesichert sei. Und Mehl ist rar geworden im Supermarktregal. Kann nur heißen: Die Leute backen selbst. Brot, Brötchen, was auch immer. Vielleicht geht es dabei aber nicht nur um die (nicht wirklich nötige) Selbstversorgung. Vielleicht ist Backen genau das, was viele Menschen in der jetzigen Situation brauchen: ein gut überschaubares Projekt mit sinnvollem Ergebnis. „Man hat von Anfang an ein klares Ziel vor Augen, auf das man sich freuen kann“, sagt Psychologin Julia Krasko von der Ruhr-Universität Bochum der Deutschen Presseagentur. Sie ist Expertin in den Gebieten Wohlbefinden und Glück.

Masken sind gerade der große Hit im Nähstübchen. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Viele greifen jetzt auch zu Nadel und Faden – so sie keine Nähmaschine haben. Die Maske ist hier das Projekt der Stunde. Der Mund-Nasen-Schutz soll die größten Tröpfchen auffangen und so die Corona-Ansteckungsgefahr für andere verringern. Für die Neu-Näher ergeben sich gleich zwei positive Effekte: Sie erlangen eine neue Fähigkeit und sie demonstrieren Solidarität. Im Netz häufen sich sowohl Anleitungen zu als auch Bilder von selbstgenähten Exemplaren. Psychologin Krasko meint: Das Teilen in den sozialen Netzwerken könne auch „das gute Gefühl vermitteln, im selben Boot zu sitzen“.

Auch das ja doch etwas angestaubte Puzzeln kommt zu ganz neuen Ehren. Es sei wie „Meditation mit dem befriedigenden Gefühl, etwas geschafft zu haben, jedes Mal, wenn ein passendes Teil entdeckt wird“, so schreibt ein Twitter-Nutzer. Manche kramen derzeit ihre alten 2000-Teile-Puzzle wieder aus dem Schrank. Doch viele entdecken das Suchen und Zusammenfügen ganz neu für sich. Das Interesse war laut Erhebungen von Google Trends in den vergangenen Wochen so groß nie zuvor in den letzten fünf Jahren. Fast alles ausverkauft, jammert da manch ein verhinderter Puzzler im Netz. Auch bei Deutschlands größtem Anbieter Ravensburger ist die Nachfrage im Online-Shop derzeit um ein Vielfaches größer als sonst. Besonders gefragt: Puzzle für Erwachsene mit 1000 Teilen.

Puzzeln kann auch ein Gemeinschaftserlebnis sein, Spaß für die ganze Familie. Foto: Ina Fassbender / AFP