An den Weihnachtstagen gehört der Braten zum guten Ton - nur die Waage freut sich darüber nicht. Foto: imago stock & people

Am Wochenende feierten viele Berliner den ersten Advent – und damit auch den Auftakt zu einer Zeit der Völlerei! Ein Plätzchen hier, eine Gänsekeule da, am Abend noch einen Glühwein. Alles köstlich, doch im Januar kommt oft das böse Erwachen, wenn die Waage von Null auf Hundert springt. Nicole von Prondzinski ist die Koordinatorin des Adipositaszentrums am Sana Klinikum Lichtenberg – und gibt im KURIER fünf Tipps für den richtigen Umgang mit Weihnachtsleckereien.

Über die Weihnachtszeit bewegen sich viele Berliner in einem echten Teufelskreis: Erst wird geschlemmt, dann kommt die Müdigkeit. Für Bewegung reicht die Lust nicht, stattdessen gibt es ein Schnäpschen - und die nächste Mahlzeit. Es fühlt sich richtig an, schließlich ist Weihnachten. Trotzdem gibt’s beim nächsten Gang auf die Waage die Quittung. „Denn unserem Körper ist egal, ob gerade Weihnachten ist“, sagt Nicole von Prondzinski. Vor allem das Leben in unserer Überflussgesellschaft werde in der Adventszeit zum Problem. „Man muss sich klar machen, dass das Bewusstsein für das Essen nicht aus den Augen verloren werden sollte.“

Nicole von Prondzinski interessiert sich schon lange für das Thema Ernährung, hat selbst Erfahrungen mit Übergewicht gesammelt. „Ich weiß, dass Adipositas stigmatisierend ist, kann mich in die Patienten deshalb gut hineinversetzen und möchte ihnen helfen, den Kreislauf zu durchbrechen“, sagt sie. Seit 2007 ist sie als Diätassistentin tätig, seit 2016 koordiniert sie das Sana-Adipositaszentrum.

Nicole von Prondzinski ist die Koordinatorin des Adipositaszentrums am Sana Gesundheitszentrum Lichtenberg.
Foto: privat

In diesem Jahr könnte vor allem der Wegfall der Weihnachtsmärkte bei vielen für ein Problem auf der Waage sorgen. „Während es hier teilweise noch gesündere Leckereien wie geröstete Maronen gibt, wird zu Hause zu allem gegriffen, was schnell geht. Dann naschen viele lieber Spekulatius und Dominosteine.“ Hinzu kommt: Weil man nicht mit Freunden und Bekannten unterwegs ist, futtert man unkontrollierter, denn die soziale Kontrolle fällt beim Essen auf der Couch weg.

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Wer sich selbst im Auge behalten will, sollte sich jedes Wochenende auf die Waage stellen. Das hilft dabei, das eigene Gewicht im Blick zu behalten – und lässt jeden erkennen, wann es Zeit zum Gegensteuern wird. „Damit vermeidet man das böse Erwachen im Januar.“ Dem KURIER verriet die Expertin fünf wertvolle Tipps für den richtigen Umgang mit Weihnachtsleckereien – und erklärt, was jeder tun kann, damit der Gang auf die Waage nach dem Fest nicht zum Desaster wird.

Weihnachtsessen: Fettige Soßen müssen nicht sein!

Die Familie versammelt sich am Tisch, der Startschuss fällt – und dann wird reingehauen. Das darf auch sein, nur auf das Essen kommt es an. Denn: Ein klassisches Weihnachtsessen bringe satte 1200 Kilokalorien. „Anstatt fetter Gans oder Ente kann man einen leckeren Putenbraten oder gegarten Fisch zubereiten“, sagt die Expertin. Auch Sahnesoßen müssen nicht sein. „Man kann auch das Wurzelgemüse vom Braten pürieren, dazu kommen Tomatenmark, Gewürze und ein Klecks Joghurt – dann hat man sogar eine Soße, die nach Soße schmeckt und nicht nach Fett.“

Gemüsebeilagen: Weg mit dem Butter- und Rahmgemüse!

Á propos Gemüse: Auf die Vielfalt der Gemüsebeilagen sollte besonderer Wert gelegt werden. Ob Rosenkohl, Blumenkohl, Brokkoli oder Möhren: Das Gemüseregal aus dem Supermarkt hat einiges zu bieten. Auf Rotkohl aus dem Glas oder fertiges Rahmgemüse sollte man aber lieber verzichten: „Dort ist oft reichlich Zucker drin. Und Varianten mit Soße sind mit Mehl angedickt – die versteckten Kohlenhydrate sorgen für Gewichtszunahme“, sagt Nicole von Prondzinski.

An den Weihnachtstagen wird geschlemmt, doch im Januar kommt oft das böse Erwachen. Foto: imago images/Shotshop

Bewegung: Kein Schläfchen, sondern lieber eine Schneeballschlacht!

Es fällt schwer, doch auch nach einem Essen sollte ein Verdauungsspaziergang dem Nickerchen vorgezogen werden, so schwer es auch fällt. „Viele machen nach dem Essen ein Schläfchen“, sagt von Prondzinski. „Effektiver ist ein Ausflug an die frische Luft. Man muss sich motivieren und das gelingt, wenn man sich an das Gefühl erinnert, das man hat, nachdem man sich bewegt hat.“ Es muss auch kein öder Spaziergang sein: Falls es ein weißes Weihnachtsfest gibt, könne man auch einen Schneemann bauen, eine Schneeballschlacht anzetteln – hauptsache Bewegung. „Denn die kurbelt den Kreislauf an, sodass mehr Blut in die Körpermitte gelangt, und verhindert ein unangenehmes Sättigungsgefühl nach dem Weihnachtsbraten.“

Naschereien: Weniger Mehl, weniger Zucker!

Sie lauern an jeder Ecke: Fiese Weihnachtsnaschereien, Schokolade, Plätzchen und andere fiese Leckerbissen. Was tun? „Hier gilt ganz klar: Klasse statt Masse“, sagt von Prondzinski. „Nur weil es im Sommer keine Dominosteine gibt, heißt das nicht, dass man dafür jetzt die ganze Packung essen muss. Ich empfehle, zum Kaffee eine besondere Nascherei auszuwählen und diese dann zu genießen.“ Außerdem eine gute Idee: Süßes mit Vitaminen zu kombinieren. Statt fetter Butterplätzchen lieber Ostspieße mit Zartbitterschokolade ausprobieren. Auch an die Kleinsten muss dabei gedacht werden: Der Naschteller kann auch mit Obst aufgehübscht werden – Äpfel, Orangen, Mandarinen. Für Bäcker gilt: In jedem Rezept kann die Hälfte des Mehls durch Vollkornmehl ersetzt werden. Denn das enthält mehr Mineralien und Vitamine - der höhere Ballaststoffanteil sorgt dafür, dass man schneller satt ist und satt bleibt.

Wer Glühwein aus trockenem Rotwein selbst zubereitet, konsumiert nicht so viel Zucker. Foto: imago images/gpointstudio

Alkohol: Glühwein lieber selber machen!

Auch der obligatorische Glühwein gehört zum Weihnachtsfest, das ist klar. Verzichtet werden muss darauf nicht, aber es gibt einen einfachen Trick, der beim Sparen von Kalorien hilft. „In fertigen Glühweinen ist sehr viel Zucker enthalten“, sagt Nicole von Prondzinski. „Man kann sich Glühwein aber auch leicht selbst herstellen – trockenen Rotwein verwenden, Zimtstange und Orangenscheiben dazu, alles erwärmen – da spart man sehr viel Zucker.“ Generell gilt auch in der Weihnachtszeit: Trinken ist wichtig, aber nicht nur Feuerzangenbowle. Denn Alkohol bremst die Fettverbrennung. „Der Körper stuft Alkohol als gefährliche Substanz ein und baut Diesen deswegen als Erstes ab. Der Fettstoffwechsel verlangsamt sich dadurch“, sagt von Prondzinski. „Lieber Wasser trinken, vielleicht mit einem Spritzer Zitrone oder Limette versetzt – oder ungesüßte Tees mit etwas Zimt oder Ingwer für den Geschmack.“