Was ist wirklich gefährlich bei Gewitter? IMAGO/vmd-images

Wenn es um Gewitter geht, sind viele Tipps und Weisheiten im Umlauf. Bei Blitzen sollte man das Duschen besser verschieben, lieber nicht mit dem Handy telefonieren und draußen zum Schutz „Buchen suchen“. Das haben Sie auch schon gehört, oder? Stimmt aber leider nicht alles. Die häufigsten Gewitter-Mythen und was die Wissenschaft dazu sagt, haben wir hier für Sie zusammengestellt.

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Soll ich wirklich „Buchen suchen“ und „bei Eichen weichen“?

Das ist kompletter Unsinn! Die alte Volksweisheit geht wörtlich so: „Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen.“ Der Reim soll einem helfen, bei Gewitter draußen den besten Schutz zu finden. Einen wissenschaftlichen Beleg dafür gibt es nicht. Auch unter Buchen kann es bei Blitzen extrem gefährlich werden!

Sie wollten bei Gewitter alle Bäume meiden. Besonders gefährlich sind allein stehende Bäume und Baumgruppen. Sie bieten dem Blitz als höchste Erhebung quasi eine Abkürzung zur Erde und laden ihn geradezu zum Einschlagen ein. Und da machen Buchen keine Ausnahme.

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Da die Blitze meist von Regen begleitet werden, wird natürlich auch der Baum nass und leitet den elektrischen Strom dann noch besser. Schlägt ein Blitz ein, wird der Strom in den Boden abgeleitet. Deshalb kann es schon gefährlich sein, wenn man sich nur in der Nähe aufhält. Ein Abstand von mindestens zehn Metern zu jedem Baum wird deshalb empfohlen.

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Kann Duschen bei Gewitter gefährlich sein?

Das stimmt teilweise … Ob das Duschen bei Gewitter gefährlich werden kann, hängt davon ab, wann Ihre Wohnung gebaut wurde. Leben Sie in einem Altbau, sollten Sie wirklich besser vorsichtig sein. Das liegt daran, dass die Wasserrohre meist aus Metall sind und damals nicht – wie heute üblich – geerdet wurden. Das lässt sich natürlich nachrüsten. Wenn Sie aber nicht wissen, ob das passiert ist, verzichten Sie bei Gewitter besser auf die Dusche und fragen bei nächster Gelegenheit Ihre Hausverwaltung.

Wird Duschen bei Gewitter zum Risiko? IMAGO/YAY Images

Ist das Telefonieren mit dem Handy bei Gewitter gefährlich?

Auch davon ist immer wieder zu lesen. Es stimmt aber nicht.

Wer das Gewitter für ein Telefonat mit dem Handy nutzt, muss sich keine Sorgen machen. Eine Untersuchung des Verbandes der Elektrotechnik ergab, dass von Mobiltelefonen während eines Unwetters keine Gefahr ausgeht.

Etwas anders ist das bei Festnetztelefonen. Zumindest wenn sich das Gewitter in Ihrer unmittelbaren Nähe befindet (weniger als zehn Sekunden zwischen Blitz und Donner) sollten Sie vorsichtshalber den Stecker ziehen.

Darf man bei Gewitter mit dem Handy telefonieren? IMAGO/Indiapicture

Bin ich im Auto bei Gewitter wirklich sicher?

Fahren Sie ein ganz normales Auto mit einer Metallkarosserie, können Sie bei Gewitter tatsächlich im Fahrzeug Schutz suchen. Der faradaysche Käfig lässt Blitze über die Metall-Außenwände zur Erde abfließen. Vorsicht aber im Cabrio ohne Metall-Überrollbügel oder im Wohnmobil ohne Dachgerüst: Dort sind Sie wahrscheinlich nicht geschützt und sollten sich andernorts in Sicherheit bringen.

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Ist das Radfahren bei Gewitter gefährlich?

Viele verlassen sich darauf, dass die Reifen aus Gummi sind und deshalb nichts passieren könne. Ein gefährlicher Irrtum. Das Gestell des Rades ist aus Metall und leitet hervorragend. Deshalb sollten Sie sich bei Gewitter wirklich nicht aufs Rad setzen, um sich vor einem nahenden Unwetter in Sicherheit zu bringen.

Ist das Gewitter schon über Ihnen, suchen Sie sofort Schutz! In Gebäuden mit Blitzableiter, im Auto, in einer Eisenbahn. Sind Sie allein im Freien, suchen Sie einen niedrigen Punkt im Gelände oder eine Mulde im Boden. Gehen Sie dort am besten mit geschlossenen Füßen in die Hocke. Halten Sie unbedingt Abstand zu Bäumen, Gewässern, Zäunen, Strommasten, Autos, Geländern oder auch Ihrem Fahrrad.

Mit dem Rad unterwegs bei Gewitter – das kann wirklich gefährlich werden? IMAGO/Panthermedia

Ziehen Schirme wirklich Blitze an?

Dafür, dass Regenschirme eine anziehende Wirkung auf Blitze haben, gibt es keinen Beleg. Aber natürlich erhöht auch der Schirm Ihre Position im Gelände und macht es so für Sie gefährlicher. Wer den Schirm aufspannt und über sich hält, vergrößert zudem die Fläche und wird deshalb leichter zum Ziel der Blitze.

In Studien wurde festgestellt, dass ein Blitz, der in einen Regenschirm einschlägt, über den Arm, Rumpf und Beine des Halters bis ins Herz fließt. Dort kann die Spannung dann Herzkammerflimmern auslösen.

Tatsächlich ist es also ratsam: Wenn das Gewitter in der Nähe ist, lassen Sie den Schirm weg!

Sind Regenschirme bei Gewitter gefährlich? dpa/Monika Skolimowska

Sollte ich bei Laptop, Fernseher etc. den Stecker herausziehen?

Grundsätzlich haben die Geräte heute einen Überspannungsschutz. Sprechen wir aber von einem kräftigen Gewitter in unmittelbarer Nähe, kann die auftretende Spannung schon gewaltig sein. Dann reicht es eventuell sogar, wenn der Blitz in der Nachbarschaft einschlägt. Schwere Schäden an Laptops, Computern oder Fernsehern sind dann nicht auszuschließen. Auch Router und Modems sind gefährdet.

Sicherer ist es also, die Geräte bei Gewitter in der Nähe vom Stromnetz zu nehmen. Auch hier gilt wieder die Faustformel: Bei weniger als zehn Sekunden zwischen Blitz und Donner sollten Sie handeln. Es reicht NICHT, den Aus-Schalter an der Mehrfachsteckdose zu betätigen. Der Stecker muss ganz raus.