Der Antikörpertest von Roche ist bereits per Sonderzulassung in den USA einsetzbar. Foto: dpa/Peter Kneffel

Alle schauen auf die Zahl der Corona-Infizierten. Doch klar ist auch, dass es eine erhebliche Dunkelziffer nicht erfasster Fälle gibt. Der Pharmariese Roche hat nun einen Antikörpertest entwickelt, der für Klarheit sorgen soll. Doch wie zuverlässig arbeitet er?

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Hersteller geben die Antwort auf diese Frage mit Werten für die Spezifität und Sensitivität an. Die Sensitivität steht für die Erkennungsrate, also den Prozentsatz der Betroffenen, bei denen die Infektion tatsächlich erkannt wird. Ein Test mit einer Sensitivität von 95 Prozent identifiziert 95 von 100 Infektionen und 5 nicht. Für den Roche-Test Elecsys Anti-Sars-CoV-2 beträgt die Sensitivität nach Angaben des Unternehmens 100 Prozent.

Die Spezifität sagt aus, wie viele Gesunde, die definitiv nicht mit dem Virus infiziert sind oder waren, von dem Test auch tatsächlich als gesund erkannt werden. Ein Test mit einer Spezifität von 95 Prozent liefert bei 5 von 100 nicht infizierten Menschen fälschlicherweise ein positives Ergebnis. Roche gibt die Spezifität mit 99,8 Prozent an. Bei hoher Sensitivität und geringer Spezifität kann es viele falsch-positive Befunde geben.

Diese Größe hat ein Antikörpertest von Roche.
Foto: dpa/Peter Kneffel

Für aktuelle Infektionen werden nicht die Antikörper sondern das Virus selbst nachgewiesen, indem man etwa in einem Rachenabstrich nach dem Erbgut des Virus sucht. Tests auf Sars-CoV-2-spezifische Antikörper im Blut spielen für die Diagnose einer akuten Infektion keine Rolle, da sich Antikörper erst im Laufe der Infektion bilden.

Die Gefahren falscher Testergebnisse

Problematisch wird es bei sogenannten falsch-positiven oder falsch-negativen Ergebnissen: Dann, wenn das Ergebnis nicht den Tatsachen entspricht. Dabei sind die Konsequenzen unterschiedlich, je nachdem ob es sich um einen Virusnachweis mittels Rachenabstrich oder einen Antikörpernachweis handelt.

Im Fall der Virentests sind vor allem falsch-negative Ergebnisse fatal. Denn das bedeutet, dass die Getesteten als gesund eingestuft werden, obwohl sie infiziert sind. Im Gegensatz dazu sind beim Antikörpertest die Konsequenzen eines falsch-positiven Befunds schwerwiegender, da sich so Personen zu Unrecht sicher fühlen und sich womöglich nicht mehr zum Beispiel an Hygienebestimmungen und Kontaktbeschränkungen halten. Eine unabhängige Instanz, die die Tests auf ihre Zuverlässigkeit testen kann, gibt es übrigens nicht. Bis Mai 2022 können Hersteller ihre Tests selbst zertifizieren.