Laut EZB ist der Wert der pro Woche zusätzlich in Umlauf gegebenen Banknoten sei Mitte März rasant gestiegen. Foto: dpa

Der KURIER prüft an dieser Stelle Mythen und Theorien rund um das Coronavirus auf ihren Wahrheitsgehalt. Heute: Wird Virus auf Bargeld übertragen? Europas Währungshüter sehen kein erhöhtes Ansteckungsrisiko durch Banknoten mit dem Coronavirus.

Die Ergebnisse von Laboren, mit denen die Europäische Zentralbank (EZB) zusammenarbeite, deuteten darauf hin, „dass auf Oberflächen wie etwa Plastik in den ersten Stunden 10 bis 100 Mal so viele Viren überleben wie auf unseren Banknoten“, so EZB-Direktor Fabio Panetta.

Kein erhöhtes Infektionsrisiko

Aus anderen Analysen gehe hervor, dass poröse Oberflächen von Baumwollbanknoten das Virus deutlich schlechter übertragen würden als glatte Oberflächen wie Kunststoff. „Im Vergleich zu anderen Oberflächen, mit denen die Menschen tagtäglich in Berührung kommen, geht von Banknoten insgesamt kein erhöhtes Infektionsrisiko aus“, schrieb Panetta.

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Panetta zufolge legte die Nachfrage nach Bargeld zu Beginn der Corona-Krise deutlich zu. Der Wert der pro Woche zusätzlich in Umlauf gegebenen Banknoten sei Mitte März rasant gestiegen und habe beinahe seinen historischen Höchststand von 19 Milliarden Euro erreicht.

Bei Krisen wird Geld gehortet

Im April sei die Nachfrage nach Scheinen und Münzen gesunken. In mehreren Ländern sei sie aktuell niedriger als sonst. „Unmittelbar vor den Lockdowns wurde mehr Geld in Supermärkten und Geschäften ausgegeben, und in der Zeit danach waren die Ausgabemöglichkeiten begrenzt“, erläuterte das Mitglied des EZB-Direktoriums.

„Die Schwankungen zeigen aber auch, dass die Menschen in einer Krise dazu neigen, Bargeld zu horten – ein Trend, den wir auch während der Finanzkrise beobachten konnten.“