Mitarbeiter des Gesundheitsamts Mitte Mai bei der Vorbereitung von Corona-Tests in einer Schule in Nordrhein-Westfalen. Foto: Guido Kirchner/dpa

Urlaubsrückkehrer, Gemeindemitglieder, Teilnehmer einer Baby-Party: Wo viele Menschen eng zusammenkommen, steigt das Risiko einer Corona-Infektion. Die jüngsten Zahlen bestätigen den Trend nach oben. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben laut Robert-Koch-Institut (RKI) innerhalb eines Tages 870 neue Corona-Infektionen gemeldet. Das ist das höchste Niveau seit Mai – abgesehen vom lokalen Corona-Ausbruch beim Fleischfabrikanten Tönnies im Juni. Bis vor einiger Zeit habe man es geschafft, die Fallzahlen stabil bei täglich neu gemeldeten 300 bis 500 Fällen zu halten. Ob es sich nun um den Beginn einer möglichen zweiten Welle handle, sei unklar. 

Die Angst vor einem massiven zweiten Schub der Pandemie in Deutschland alarmiert auch die Amtsärzte: Die Gesundheitsämter seien nicht für eine zweite Corona-Welle gerüstet, warnt die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Für eine zweite Pandemie-Welle sind die Gesundheitsämter viel zu knapp besetzt. Mit den steigenden Infektionszahlen rollt ein riesiges Problem auf uns zu.“

Im Corona-Testmobil sind Mediziner vom Gesundheitsamt Mitte im Bezirk unterwegs, um Corona-Tests anzubieten. Foto: Sven Braun/dpa

So ergab am Beispiel Rheinland-Pfalz eine Recherche des SWR, dass es in den meisten Gesundheitsämtern weniger Ärzte gibt als vom Gesundheitsministerium vorgesehen. Pro Amt sollten demnach mindestens vier Ärzte pro 100.000 Einwohner sein. Das schafft laut SWR aber nur ein Drittel der Gesundheitsämter in Rheinland-Pfalz.

Zuständig für die Ausstattung der Gesundheitsämter sind die Landkreise. Für die Finanzierung kommt aber das Land auf. Es zahlt den Kreisen jährlich eine Pauschale. Der Geschäftsführende Direktor des Landkreistages Rheinland-Pfalz, Burkhard Müller, sagte, diese Pauschale sei seit Jahren zu niedrig. Deshalb sei es oft gar nicht möglich, dringend benötigte Stellen zu schaffen.

Die Gesundheitsämter könnten nicht warten, bis die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung zur Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes in Kraft treten, warnt Ute Teichert. „Wir brauchen eine kurzfristige Lösung. Wir müssen wissen, wo die Gesundheitsämter im Notfall Verstärkung bekommen.“ Konkret sprach sie sich für ein bundesweites Freiwilligen-Register aus – eine Art Jobbörse, die im Ernstfall Mitarbeiter vermittele, die bereits geschult seien.