Im März waren etliche Supermarkt-Regale leer gefegt. Treibt die zweite Corona-Welle wieder die Vorratskäufe an?  Foto: Tom Weller/dpa

Die Regale leeren sich auffällig: Die zweite Corona-Welle ist da, und mit ihr auch wieder die Hamsterkäufe. Deutschlands Verbraucher decken sich angesichts steigender Corona-Infektionen wieder zunehmend mit Hygieneartikeln und bestimmten Lebensmitteln ein. Wie eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes ergab, war der Absatz von Toilettenpapier Mitte Oktober fast doppelt so hoch (plus 89,9 Prozent) wie im Durchschnitt der Vorkrisen-Monate August 2019 bis Januar 2020. In einigen Geschäften ist Toilettenpapier bereits knapp, viele beschränken erneut die maximale Abgabemenge.

Die Verkaufszahlen von Desinfektionsmitteln lagen in der betrachteten Woche nach Angaben der Wiesbadener Behörde vom Donnerstag um knapp drei Viertel (plus 72,5 Prozent) und die von Seife um knapp zwei Drittel (plus 62,3 Prozent) über dem Vorkrisen-Durchschnitt. Auch die Nachfrage nach Mehl (plus 28,4 Prozent) und Hefe (plus 34,8 Prozent) zog nach Erkenntnissen der Statistiker wieder deutlich an.

An einem Berliner Biomarkt waren im Frühjahr Verhaltensregeln für den Einkauf grafisch dargestellt - darunter auch das Gebot nicht zu hamstern.  Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB

Politiker und der Handel versichern immer wieder, die Versorgungslage mit Gütern des täglichen Bedarfs sei gesichert und appellieren an die Verbraucher, keine „Hamsterkäufe“ zu tätigen. „Die Lieferketten funktionieren - das gilt nach wie vor“, stellte Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) klar. Zu keiner Zeit in der Pandemie sei die Lebensmittelversorgung in Deutschland gefährdet gewesen. „Wer hortet, handelt nicht nur unlogisch, sondern auch unsolidarisch. Und am Ende landet vieles in der Tonne.“

Klopapier und Desinfektionsmittel sind die begehrtesten Artikel, sobald die Corona-Infektionszahlen steigen. Foto: Imago Images/Blaulicht News

Doch warum sind die Deutschen nicht vorm Hamstern gefeit, obwohl die erste Corona-Welle im Frühjahr bereits zeigte, dass Horten nicht notwendig ist? „Auslöser der Käufe ist ein großes Ohnmachtsgefühl. Wir sind einer Bedrohung ausgesetzt, die wir nicht sehen oder fühlen können, und gegen die wir nur wenig tun können. Das halten wir Menschen am schlechtesten aus“, schaut Psychologe Stephan Grünewald in die Seelen der Bundesbürger. Mit den Hamsterkäufen demonstriere der Verbraucher sozusagen seine Handlungsfähigkeit. „Mit den Hamsterkäufen rüsten wir auf gegen unsere Ohnmacht: die Amerikaner mit Waffen, wir mit Reinigungsmitteln und Toilettenpapier.“

Große Handelsketten und Discounter können bislang noch keinen großen Ansturm auf Vorräte wie im Frühjahr feststellen. Nur vereinzelt gebe es bislang eine erhöhte Nachfrage nach bestimmten Produkten. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge will sich rund jeder zehnte Verbraucher in Deutschland in den kommenden Wochen verstärkt mit Toilettenpapier, Nudeln und anderen Waren des täglichen Gebrauchs eindecken. Fast zwei Drittel (64 Prozent) schlossen derartige Hamsterkäufe dagegen ausdrücklich aus.