Ein Foto wie eine Botschaft: Susanne Hennig-Wellsow steht 2019 zwischen Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und der Parteispitze aus Katja Kipping und Bernd Riexinger. Jetzt könnte die Fraktionschefin im Erfurter Landtag nach oben rücken.
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Wer führt die Linke in den Bundestags-Wahlkampf 2021? Die bisherige Doppelspitze aus Katja Kipping (42) und Bernd Riexinger (64) hatte erklärt, beim Parteitag Ende Oktober nicht mehr anzutreten. Jetzt deutet viel darauf hin, dass es eine rein weibliche Führungscrew geben könnte, bestehend aus dem Bundesvorstandsmitglied Janine Wissler (39), Fraktionsvorsitzende im hessischen Landtag, und Susanne Hennig-Wellsow (42), der Landes- und Fraktionsvorsitzenden in Thüringen.

Janine Wissler gilt im hessischen Landtag als engagierte Rednerin. Foto: imago images/Jan Hübner

Der Abgang von Kipping und Riexinger war nach acht Jahren und satzungsgemäß zu erwarten, aber anders als beim Führungswechsel in der Linken-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus hatten sie offenbar keine Nachfolge organisiert. Das Duo war beim Parteitag in Göttingen 2012 an die Spitze der Linken gewählt worden, als die Partei sehr zerstritten war, eine Trennung in Ost und West im Raum stand.

Die beiden Frauen, die jetzt genannt werden, halten sich bislang zurück, was ihre Ambitionen angeht. Hennig Wellsow erklärte zumindest, sie könne sich eine weibliche Doppelspitze vorstellen: „Ich führe Gespräche. Eine Entscheidung ist bisher nicht gefallen.“ Die Thüringerin war im Februar bundesweit bekannt geworden, als sie nach der mithilfe der AfD geglückten Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) dem – kurzzeitigen – Ministerpräsidenten einen Blumenstrauß vor die Füße warf.

Susanne Hennig-Wellsow dreht ab, Thomas Kemmerich blickt bedröppelt: Sie hat ihm im Thüringer Landtag die Blumen vor die Füße geworfen.    Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Wissler, die mit der Fusion der linken SPD-Abspaltung WASG und der Linkspartei.PDS 2007 zur Partei Die Linke gekommen war, gilt als dezidiert links mit deutlicher Skepsis gegenüber der parlamentarischen Demokratie. Sie sagte mit Blick auf Kipping und Riexinger: „Heute ist der Tag, Danke zu sagen und nicht sofort in die Debatte über die Nachfolge einzusteigen.“

Beim anstehenden Parteitag in Erfurt soll nicht nur die Führungsfrage beantwortet, sondern auch geklärt werden, welche Position die Linke im Verhältnis zur Macht einnehmen soll. Während der sogenannte Reformerflügel eine mangelnde gemeinsame innerparteiliche Linie beklagt und sich einer Beteiligung an einer vielleicht möglichen rot-rot-grünen Koalition annähert, kam aus Wisslers hessischem Landesverband eine kaum verklausulierte Ablehnung.