Luisa Neubauer kritisierte Bundeskanzler Olaf Scholz scharf für seinen Politik-Stil Imago/Eibner/Le Pictorium

Seit ein paar Tagen ist die Ampel-Regierung im Amt. Für Aufbruch will sie stehen, für Erneuerung nach 16 Jahren CDU-Regierung. Ihr Frontman soll dabei Olaf Scholz sein, ein Mann, der sich im Wahlkampf so glatt präsentierte, dass alles von ihm abperlte. Vorwürfe über Klüngelei in Sachen Cum-Ex-Steuer-Affäre, seine Falschbehauptung, es habe beim G20-Gipfel in Hamburg keine Polizeigewalt gegeben und seine Rolle bei der Einführung des Brechmitteleinsatzes bei der Hamburger Polizei, der später ein Todesopfer forderte, konnten nicht am Bild des nüchternen Saubermannes kratzen, als der sich Olaf Scholz gerne inszenierte. Doch genau dieses Image macht Deutschlands bekannteste Klimaaktivistin Luisa Neubauer Kanzler Scholz nun zum Vorwurf.

Luisa Neubauer greift Olaf Scholz scharf an

In einem Gastbeitrag für das Online-Portal „Watson“ kritisierte die 25-Jährige Scholz für seinen Politikstil, der seine vermeintliche Nüchternheit so sehr nach Außen trage, dass man „ihn nie der Radikalität verdächtigen“ würde.

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Luisa Neubauer ist eines der bekanntesten Gesichter der deutschen Klima-Bewegung. Imago/Eibner

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Doch moderate Politik funktioniere nicht, wenn Krisen eskalieren, schreibt Neubauer. Das sehe man aktuell in der vierten Welle der Corona-Pandemie, in der eine Impf-Pficht erst bei einer Inzidenz von 452 beschlossen wurde. Tatsächlich hatten sich die Ampel-Koalitionäre während ihrer Verhandlungen vor allem durch Abwarten ausgezeichnet. Neubauers vernichtendes Urteil: „In eskalierenden Krisen ist moderate Politik vor allem eines: radikal.“ Denn durch ein solches Vorgehen treibe man die Krise schlicht weiter an.

Luisa Neubauer: Das ist keine nüchterne Politik

Diese Vorgehensweise überträgt Neubauer in ihrem Gastbeitrag auf die Klimakrise. Erst nach der tödlichen Flut im Ahrtal sei Scholz auch mit Klimazielen im Wahlkampf unterwegs gewesen. „Man muss die Klimakrise nicht sonderlich gut durchdrungen haben, um zu verstehen, dass das keine nüchterne Politik ist, sondern zugedröhnte Eskalation“, kritisierte sie Scholz.

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Olaf Scholz ist Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Imago/Sven Simon

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Scholz' Haltung des Abwartens sei vielleicht in gewöhnlichen, diplomatischen Krisen erfolgsversprechend, doch die Klimakrise ticke eben anders. „Anders ticken müsste also auch die Politik, die es mit ihr aufnehmen will“, leitet Neubauer daraus ab. Die Politik müsse schneller handeln und Emissionen viel konsequenter überwachen. Ein „zu schnelles“ Handeln und ein „zu viel“ machen gebe es in der Klimakrise nicht. 

Luisa Neubauer: Olaf Scholz ist in Sachen Klima nicht moderat

Olaf Scholz sei in Sachen Klima alles andere als moderat. Wenn er ehrlich und nüchtern an die Sache herangehen würde, müsste er klar benennen, dass wir nur die Wahl zwischen radikalen Emissionseindämmungen oder dem Erreichen von Klimakippunkten haben. Doch das war bislang nicht von ihm zu hören.

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Dennoch schließt Luisa Neubauer in dem Text hoffnungsfroh, dass sie sich in Olaf Scholz geirrt hat, bis er das aber beweise, werde „Fridays For Future“ weiter regelmäßig auf die Straße gehen.