In Deutschland starten die Impfungen wohl erst im Januar. Foto: AP/dpa

In Großbritannien soll es bereits an diesem Dienstag losgehen, in Deutschland vermutlich doch erst im Januar: Die Schutzimpfung gegen das Coronavirus gilt als der entscheidende Schritt aus der Pandemie. Am Montag nun hat die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Empfehlungen vorgelegt, wer zuerst geimpft werden soll. Denn klar ist, dass es zunächst mehr Impfwillige als -dosen geben wird. Um einen möglichst vollständigen Schutz zu erhalten, muss jeder innerhalb von 21 Tagen zweimal geimpft werden.

Zunächst soll dies bei Personengruppen realisiert werden, die ein besonders hohes Risiko für einen schweren oder gar tödlichen Verlauf der Infektion haben. Außerdem sollen alle, die beruflich „besonders exponiert sind oder engeren Kontakt zu vulnerablen Personengruppen haben“, gleich zu Beginn geimpft werden. Konkret empfiehlt die Stiko, die Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen zuerst zu impfen. Danach sollen generell alle Menschen über 80 Jahren an der Reihe sein.

An dritter Stelle der Empfehlungsliste steht das Personal medizinischer Einrichtungen, das ein besonders hohes Ansteckungsrisiko trägt. Genannt werden Beschäftigte in Notaufnahmen und in der medizinischen Betreuung von Covid-19-Patienten. Gewissermaßen auf Rang vier steht das Personal in medizinischen Einrichtungen mit engem Kontakt zu sogenannten vulnerablen Gruppen, etwa in der Transplantationsmedizin. Danach kommt das Pflegepersonal in der ambulanten und stationären Altenpflege sowie andere Beschäftigte in Senioren- und Altenpflegeheimen mit Kontakt zu den Bewohnern. Insgesamt sollen in der ersten Phase 8,6 Millionen Menschen geimpft werden.

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Wichtig für alle, die in der ersten Impfphase an der Reihe sind: „Die bisher vorliegenden Daten erlauben nicht die Schlussfolgerung, dass die Covid-19-Impfung die Erregerübertragung reduziert oder verhindert“, teilte die Stiko mit. Das heißt, dass auch für Geimpfte gilt: Abstand und Hygieneregeln einhalten und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Stiko will in einem laufenden Prozess weitere Personengruppen definieren, die geimpft werden, sobald noch mehr Dosen zur Verfügung stehen.

Es geht dabei auch darum, die einzelnen Impfstoffe entsprechend ihrer Wirkung auch für die jeweilige Personengruppe als geeignet zu definieren. „Eine begonnene Impfserie muss zunächst mit dem gleichen Produkt abgeschlossen werden, auch wenn zwischenzeitlich andere Impfstoffe zugelassen werden“, fordert die Stiko.

Gut möglich, dass auch andere Zielgruppen in der Warteliste nach vorne wandern, wenn andere Impfstoffe zugelassen werden. „Mittelfristig ist es das Ziel, allen Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu einer Impfung gegen Covid-19 anbieten zu können“, heißt es in der Stellungnahme. Was nichts anderes bedeutet, als dass die meisten Impfwilligen sich zunächst gedulden müssen.

Noch nicht entschieden ist, ob auch Menschen geimpft werden, die bereits eine Sars-CoV-2-Infektion durchgemacht haben. Es gebe bisher keinen Hinweis, dass sie in diesem Fall schädlich ist. Wird nach der ersten Impfung eine Infektion nachgewiesen, soll die zweite Impfdosis vorerst nicht verabreicht werden.

Wie am Montag bekannt wurde, ist ohnehin erst ab Anfang kommenden Jahres mit ersten Impfungen zu rechnen. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit warnte im Gespräch mit dem Berliner KURIER davor, sich zu einseitig auf die Impfung als Ausweg aus der Pandemie zu verlassen. „Dafür wissen wir noch zu wenig darüber, wie lange die Impfstoffe wirken, wie sie eingesetzt werden können“, sagte er. „ Es ist wichtig zu begreifen, dass man sich nicht wie in einer Einbahnstraße auf den Impfstoff zubewegt.“ Man sollte sich jenseits der Impfstoffe Gedanken über eine langfristige Strategie machen, „um nicht enttäuscht zu werden, wenn etwas nicht so gut funktioniert, wie man es sich vielleicht gedacht hat“.

Zumindest die Bürokratie soll beschleunigt werden. Die Stellungnahme der Stiko sollte noch am Montag an die zuständigen Gesundheitsbehörden in den Ländern und an wissenschaftliche Fachorganisationen gehen. Diese haben in einem stark verkürzten Verfahren nur drei Tage Zeit, Stellung zu nehmen und Änderungen vorzuschlagen.