So klein ist der Anteil der Ostdeutschen an Führungskräften, scheint Carsten Schneider (SPD) anzuzeigen.
So klein ist der Anteil der Ostdeutschen an Führungskräften, scheint Carsten Schneider (SPD) anzuzeigen. Carsten Koall/dpa

Gebürtige Ostdeutsche haben in Bundesbehörden und in Bundesgerichten nur selten den Hut auf: Obwohl sie etwa ein Fünftel der deutschen Bevölkerung ausmachen, haben sie in den oberen und obersten Bundesbehörden 13,5 Prozent der Führungspositionen inne. Nimmt man als Geburtsorte nur die fünf ostdeutschen Flächenländer ohne Berlin, sind es nur noch 7,4 Prozent.

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Das zeigt eine Erhebung des Ostbeauftragten der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), für die mehrere tausend Positionen in 93 Bundesbehörden untersucht worden waren.

„Mehr als 32 Jahre nach der Einheit sind Ostdeutsche in den Führungspositionen unseres Landes deutlich unterrepräsentiert - eine nach wie vor ungelöste Aufgabe“, sagte der in Erfurt gebürtige Potsdamer. „Diese Bundesregierung macht das zum Thema.“

Mehr Ost-Chefs für den Zusammenhalt der Gesellschaft nötig

Nicht nur in der Politik und Verwaltung, sondern auch in der Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Justiz und Medien müssten mehr Ostdeutsche in Führungspositionen kommen. „Das ist entscheidend für den Zusammenhalt der Gesellschaft und die Stabilität unserer Demokratie“, meinte Schneider.

In seinem Bericht heißt es, viele Ostdeutsche fühlten sich als Bürger zweiter Klasse, weil sie in den Eliten zu wenig vertreten seien. Um das zu ändern, will Schneider nicht auf eine Quote zurückgreifen. Vielmehr soll einem Konzept zufolge an vielen kleineren Stellschrauben gedreht werden.

So sollen zunächst die Daten zu den Geburtsorten systematischer erfasst werden. Bundesbehörden sollen mit Selbstverpflichtungen arbeiten. Auswahlgremien sollen vielfältiger besetzt, Führungskräfte gezielt auf ihre Aufgabe vorbereitet und Netzwerke gefördert werden.

In den Ost-Landesregierungen schrumpft der Ost-Anteil

Vor einem halben Jahr hatte eine Studie der Uni Leipzig gezeigt, dass der Anteil der im Osten gebürtigen  Regierungsmitglieder der Ost-Flächenländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen sogar seit 2016 von 70 auf 60 Prozent gesunken ist.

Immerhin sind vier von fünf Ministerpräsidenten im Osten geboren – bis auf auf Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow (Linke). Auch die Regierende Bürgermeisterin Berlins, Franziska Giffey (SPD) stammt aus dem Osten.

Auch in der Wirtschaft sind ostdeutsche Chefs rar gesät

In den Chefetagen der hundert größten Unternehmen im Osten ging die Quote im gleichen Zeitraum danach von 45 auf 27 Prozent zurück.

Als Ursache wurde von einer Personalberaterin unter anderem ausgemacht, dass im Osten geborene weniger stark in Netzwerken verankert sind, in denen man sich gegenseitig beim Aufstieg helfe.