Der Ansturm auf die PCR-Tests übersteigt die Kapazitäten in den Laboren. dpa/Julian Stratenschulte

Seit Tagen gibt es lange Warteschlangen an den PCR-Teststationen – und es kommt noch dicker. Wegen der rasant steigenden Infektionszahlen stehen nach Einschätzung des Leiters des Corona-Krisenstabes der Bundesregierung, Generalmajor Carsten Breuer, bald voraussichtlich nicht mehr genügend Testkapazitäten für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung. Vor allem für den Einsatz der für Nachweise wichtigen PCR-Tests werden Rufe nach einer Priorisierung bestimmter Berufsgruppen laut.

„Wir werden mit Sicherheit wie bei allen knappen Ressourcen Kapazitäten bündeln müssen, wo es erforderlich ist“, sagte Breuer der Süddeutschen Zeitung. Das gelte auch für Tests. „Sobald es irgendwo eng wird, muss ich priorisieren. Da haben Beschäftigte in der kritischen Infrastruktur Vorrang“, sagte der Bundeswehr-General. Dazu zählen Beschäftigte im Gesundheitswesen oder bei der Nahrungsmittel-, Wasser- und Energieversorgung, Polizei, Rettungsdienste und Behörden.

Das Ziel sei aber, das bisherige Testregime so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, hob er weiter hervor. „Wir brauchen möglichst genaue Daten, um zu sehen, wie sich die Welle bei uns auswirkt“. Breuer warnte davor, die Gefahr durch die Omikron-Variante des Coronavirus zu unterschätzen.

PCR-Test nicht mehr für jeden?

Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann befürchtet, dass bald nicht mehr jeder im Verdachtsfall einen PCR-Test machen kann, weil die Kapazitäten der Labore ausgeschöpft sind. „Wenn das der Fall sein sollte, was ich nicht hoffe, werden wir priorisieren müssen“, sagte sie den Sendern RTL und ntv. Vorrang müssten Menschen in sensiblen Berufen und der kritischen Infrastruktur haben. Außerdem sei ein PCR-Test bei Infizierten am Ende ihrer Isolation nötig.

Um PCR-Engpässe abzumildern, kamen auch von grünen Parteikollegen und von der Union Forderungen nach einer Priorisierung.

„Wir sehen sehr deutlich, dass die wöchentliche Kapazität von 2,4 Millionen PCR-Tests, die wir in etwa in Deutschland haben, nun unter Volllast überall gebraucht wird“, sagte Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen dem RBB-Inforadio. Es müsse darauf geachtet werden, Schwerstkranke und das Personal der kritischen Infrastruktur zu bevorzugen – auch wenn dies dann an anderer Stelle, etwa beim Freitesten, zu Verzögerungen führe.

„Das Bundesgesundheitsministerium muss schnellstens eine Handlungsempfehlung zur Priorisierung bei PCR-Tests vorlegen“, sagte auch der CDU-Gesundheitsexperte Tino Sorge der Nachrichtenagentur AFP. Solange eine Überlastung drohe, „müssen die vorhandenen Kapazitäten in erster Linie nach Dringlichkeit und medizinischem Bedarf genutzt werden“. Dies könne dazu führen, „dass ein Urlauber länger warten muss, damit ein Pflegebedürftiger sein Resultat zügig erhält“ oder Beschäftigte in der kritischen Infrastruktur versorgt werden können.