Ein Wolf bei Chemnitz – bundesweit steigt die Zahl gerissener Weidetiere. imago/Star-Media

Nach EU- und Bundesrecht steht der Wolf unter Schutz und darf nicht bejagt werden. Rund 128 Wolfsfamilien leben in Deutschland, doch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat sich angesichts zunehmender Schäden durch Wolfsrisse nun doch für eine Bejagung der Tiere in bestimmten Regionen ausgesprochen.

Dabei gehe es nicht darum, den Wolf auszurotten, teilte die Ministerin der Neuen Osnabrücker Zeitung (Sonnabend) mit. „Aber wenn wir die Weidetierhaltung in einigen Regionen nicht aufgeben wollen, müssen wir handeln.“

Sind Wolfsrisse das Ende der Weidehaltung?

Zuvor hatte der Deutsche Bauernverband gewarnt, dass der Wolfsbestand endlich reguliert werden müsse. „Ansonsten wird die Haltung von Schafen, Ziegen, Pferden und Rindern auf der Weide zum Auslaufmodell“, sagte der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd und Umweltbeauftragter des Deutschen Bauernverbandes, Eberhard Hartelt.

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Laut der jüngsten Statistik der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) wurden 3959 Weidetiere in Deutschland im Jahr 2020 von Wölfen getötet, darunter 3444 Schafe. Die Zahl der aufgrund eines Wolfsangriffs getöteten, verletzten oder vermissten Nutztiere stieg demzufolge um 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die meisten Wolfsopfer registrierte dabei Niedersachsen mit 1477 gerissenen Nutztieren, gefolgt von Brandenburg (864) und Mecklenburg-Vorpommern (452).

Niedersachsen und Brandenburg beklagen die meisten Wolf-Opfer

Klöckner verwies auf den hohen Anstieg und fragte: „Wo endet das, wenn wir jetzt nicht eingreifen?“ Dort, wo viele Wölfe lebten und der Bestand nicht gefährdet sei, müsse jetzt dringend ein regionales Bestandsmanagement her, forderte die Agrarministerin. Bislang dürfen nur solche Wölfe geschossen werden, die mehrfach nachweislich Schutzmaßnahmen überwunden und beispielsweise Schafe getötet haben.

Die Expertinnen und Experten des DBBW weisen allerdings auch darauf hin, dass Wolfsrisse vor allem dort vorkommen, wo sich Schaf- und Ziegenhalter noch nicht auf die Anwesenheit von Wölfen eingestellt haben. In einigen Bundesländern wie Niedersachsen oder Schleswig-Holstein sei bei über 80 Prozent der Übergriffe kein oder nur ein eingeschränkter Herdenschutz vorhanden gewesen.

Grüne werfen Julia Klöckner Populismus vor

Die Grünen-Fraktion im Bundestag warf Klöckner eine populistische Politik auf Kosten des Naturschutzes vor. „Um Konflikte zu minimieren, setzen wir auf gute und auch vorsorgende Herdenschutzmaßnahmen und eine Weidetierprämie“, sagte die für Tierschutz zuständige Sprecherin Renate Künast am Sonnabend.