Tönnies-Fleischwerk (Archivbild). Foto: Imago/Kirchner-Media

Rheda-Wiedenbrück - Die Tönnies-Eignerfamilie erwägt offenbar den Verkauf ihres Fleisch- und Wurstkonzerns. Wie die Wirtschaftswoche am Freitag berichtete, prüfe die Familie offenbar einen Verkauf bei einer Summe von vier Milliarden Euro. Gespräche mit möglichen Interessenten könnten in den nächsten Wochen beginnen. Unter anderem würden die Konkurrenten Tyson Foods, JBS SA und die chinesische WH Group als Käufer in Frage kommen. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefällt worden.

Laut einem Bericht von T-Online heißt es einem Brief von Tönnies und seinem Sohn Maximilian an die Belegschaft aber, die Tönnies-Gruppe wachse, investiere und „geht in die nächste Generation“. Weiter heiße es darin, „Wir lassen uns von Gerüchten nicht beeinflussen, sondern beweisen mit unserer täglichen Arbeit, dass wir bereit sind für die Zukunft im Unternehmen.“

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„Das Jahr hat Narben hinterlassen, ganz eindeutig“, sagte Clemens Tönnies der Deutschen Presse-Agentur erst Anfang März. Der Name Tönnies hatte im Jahr 2020 einen schweren Stand. Es gab einen Corona-Ausbruch im Konzern, einen Todesfall, einen Rassismus-Vorwurf, zudem Anfeindungen von Tierschützern und Gewerkschaften sowie das Debakel auf Schalke, woraufhin Clemens Tönnies Ende Juni 2020 als Aufsichtsratschef des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 zurückgetreten war.

Laufende Verfahren gegen den Fleischkonzern

Die Ermittlungen der Polizei Gütersloh und der Staatsanwaltschaft Bielefeld wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz seien noch nicht beendet. Am Verwaltungsgericht Minden läuft eine von Tönnies eingereichte Klage gegen die wochenlange Schließung im Frühjahr 2020.

Tönnies habe nach eigenen Angaben mit über 16.000 Mitarbeitern im Jahr 2019 einen Umsatz von 7,3 Milliarden Euro eingefahren. Tönnies mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen war nach einem Corona-Ausbruch im Stammwerk im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten. Mehr als 1500 Mitarbeiter hatten sich mit dem Virus infiziert.