Wer über die polnische Grenze nach Slubice fährt, kann sich das ganze Jahr über mit in Deutschland nicht zugelassenen Knallern eindecken. Was soll dann ein Verbot?
Wer über die polnische Grenze nach Slubice fährt, kann sich das ganze Jahr über mit in Deutschland nicht zugelassenen Knallern eindecken. Was soll dann ein Verbot? imago

Wie im vergangenen Jahr könnte dieses Silvester wieder deutlich leiser vorübergehen als im vergangenen Jahr. Die Bundesregierung hat ein Verkaufsverbot für die allermeisten Feuerwerkskörper beschlossen. Viele Menschen in Deutschland unterstützen diese Entscheidung – doch längst nicht alle.

Contra: Warum das Feuerwerks-Verbot übers Ziel hinaus schießt

Vorweg gesagt: Ich kann Feuerwerk wenig abgewinnen. Seitdem mir ein Knallkopf einmal in einer Silvesternacht auf einer Kölner Rheinbrücke einen Böller in den Rücken warf, ist mir der Spaß an der Knallerei gründlich vergangen. Das Brandloch im ruinierten Mantel: eine Lappalie im Vergleich zu den amputierten Fingern und schwersten Brandverletzungen, mit denen sich Unfallärzte Jahr für Jahr in der Neujahrsnacht beschäftigen. 

Allerdings geht ein Großteil der üblen Silvester-Wunden auf illegale Böller zurück, weit weniger diejenigen, die vor Corona-Zeiten kontrolliert in den Geschäften verkauft wurden. Wer sich mit besonders gefährlichen Knallern eindecken möchte, hat seine Großeinkäufe längst im Polen-Markt im Grenzgebiet getätigt. Angebliche Restbestände dürfen ja auch dieses Jahr wieder außerhalb von Verbotszonen abgefackelt werden.

Das Feuerwerks-Verbot trifft hingegen alle anderen, die dieses unsägliche 2021 mit staatlich geprüften Silvester-Raketen und Pyro-Batterien verabschieden wollen. Auch vor Corona gab es Vorstöße, die traditionelle Knallerei zu verbieten. Wer Corona jetzt als Vorwand nimmt, die ungeliebte Tradition auszurotten, schießt über das Ziel hinaus. (JSt)

Pro: Das Böllerverbot ist goldrichtig – nicht nur in diesem Jahr

Das war ja klar. Nach dem verkündeten Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper melden sich diejenigen zu Wort, die glauben, dass sich die Frage nach Freiheit und Unfreiheit der Menschheit daran entscheidet, ob sie sich trotz coronabedingt überfüllter Intensivstationen in der Silvesternacht ein paar Finger absprengen dürfen oder nicht. 

Ärzte und Politiker kamen derweil zu dem Schluss, dass das wohl keine gute Idee sei und beschlossen ein Verkaufsverbot für die allermeisten Feuerwerkskörper, zudem gilt vielerorts ein sogenanntes Abbrennverbot. Und das ist goldrichtig: Wir haben eine Notsituation in vielen Kliniken, jeder unnötige Neuzugang wäre einer zu viel.

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Es ist verständlich, dass die Feuerwerksindustrie nun ihre Profite flöten gehen sieht und die Arbeitsplätze der 3000 Beschäftigten vorschiebt, um gegen das Verbot vorzugehen. Vielleicht sind es die letzten Zuckungen einer aus der Zeit gefallenen Branche. Denn auch Umwelt– und Tierschützern ist das Böllern längst ein Dorn im Auge. Wildtiere leiden unter dem Lärm und die Luft unter den rund 1500 Tonnen Feinstaub in jeder Silvesternacht. Zentrale Feuerwerke ohne privates Rumgeböller wären ein guter Kompromiss und ein Weg für die Branche zu überleben. Sie muss ihn nur annehmen. (dma)