Ein Intensivpfleger versorgt einen Covid-19-Patienten auf der Intensivstation der Leipziger Uniklinik.  Foto: dpa/Jan Woitas

Corona-Daten aus mehreren Bundesländern deuten auf einen wesentlich höheren Anteil an Neuinfektionen unter Ungeimpften hin als unter Menschen mit vollständigem Impfschutz. Zwar werden Ungeimpfte vermutlich viel häufiger getestet, doch eine grobe Einschätzung des Pandemiegeschehens getrennt nach Impfstatus lassen die Werte aus Expertensicht dennoch zu.

Im Corona-Hotspot Sachsen zum Beispiel, wo die Quote der vollständig Geimpften derzeit bundesweit mit weniger als 60 Prozent am niedrigsten ist, klaffte zwischen den beiden Gruppen zuletzt eine immense Lücke: Während die Inzidenz der Geimpften etwa am Dienstag bei gut 64 Fällen pro 100.000 Menschen binnen sieben Tagen lag, war dieser Wert bei nicht oder nicht vollständig Geimpften rund 28 Mal so hoch: gut 1823 Fälle.

Auch in Bremen, dem Bundesland mit der deutschlandweit höchsten Impfquote um die 80 Prozent, gab es zuletzt eine Diskrepanz zwischen den Gruppen, wenn auch nicht so deutlich wie in Sachsen: In der ersten Novemberwoche lag in der Hansestadt die Inzidenz unter den Ungeimpften bei knapp 261 und unter Geimpften bei gut 41.

Solche Zahlen seien „sicher etwas verzerrt“, sagte Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, mit Blick auf Faktoren wie etwa die Testhäufigkeit. Ungeimpfte müssen sich zum Beispiel zwingend testen lassen, wenn 3G-Regeln im Restaurant oder am Arbeitsplatz gelten. Auch junge Schüler, die (noch) nicht geimpft sind, werden regelmäßig auf Covid-19 untersucht. 

Menschen mit Impfzertifikat hingegen brauchten bisher häufig keinen Test vorzulegen. Daher könnten besonders in dieser Gruppe einige Neuinfektionen unentdeckt geblieben sein. Diese Faktoren seien aber nicht so bedeutend, dass sie den Unterschied ganz erklärten, sagte Watzl. „Daher ist immer noch richtig, dass sich Ungeimpfte deutlich häufiger infizieren als Geimpfte.“ Er verwies unter anderem auf die Corona-Fälle im Krankenhaus. An der Hospitalisierungsinzidenz werde der Unterschied sehr deutlich, so Watzl.

Keine Impfung? Das erhöht die Chance, ins Krankenhaus zu kommen

Nach den jüngsten verfügbaren Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) kamen vom 18. bis 24. Oktober  pro 100.000 Menschen sechsmal mehr aus der Gruppe der ungeimpften 18- bis 59-Jährigen mit Covid-19 ins Krankenhaus als von den Geimpften dieser Altersklasse. Bei den Menschen ab 60 Jahren lag die Hospitalisierungsinzidenz der Ungeimpften gut 4,7 Mal so hoch. Eine Impfung schützt nicht zu 100 Prozent, daher kann sie Infektionen oder auch schwere Verläufe bei Geimpften nicht ganz verhindern.

Laut den letzten verfügbaren Zahlen aus Berlin von Anfang November waren 27 Prozent der Patienten, die in der Stadt mit Covid-19 im Krankenhaus lagen, vollständig geimpft. Würde die Impfung gar nicht wirken, hätten es 67 Prozent sein müssen, also gleich der Quote der vollständig geimpften Berliner. Inzwischen ist die Impfquote Berlins einschließlich der Auffrischungen auf über 70 Prozent oder 2,581 Millionen komplett Immunisierter gestiegen.

In Bayern zum Beispiel zeigt die Zahl der Covid-19-Todesopfer die Wirksamkeit von Biontech & Co: 108 vollständig Geimpfte starben im Oktober dort an der Krankheit, aber 264 Ungeimpfte, also weit mehr als zwei Drittel. Ginge man nach der bayerischen Impfquote und würden die Immunisierungen nicht wirken, müsste das Verhältnis so aussehen: Zwei Drittel Tote mit, ein Drittel ohne Impfung. 

Ohne Impfung dreimal so oft spürbar coronakrank

Aus den jüngsten RKI-Daten nach Impfstatus geht hervor: In der Woche vom  18. bis 24. Oktober  lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei Covid-19-Fällen mit Krankheitssymptomen sowohl bei Ungeimpften im Alter von 18 bis 59 Jahren als auch bei den älteren nicht immunisierten Menschen rund dreimal so hoch wie bei vollständig Geimpften derselben Altersgruppe.