Die Covid-19-Intensivstationen werden immer voller. Experten warnen vor Überlastung der Kliniken. dpa/Robert Michael

Die Zahl der Corona-Infektionen schnellt bundesweit in die Höhe: Erneut stieg die Sieben-Tage-Inzidenz, sie liegt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts jetzt bei 130,2. Am Vortag betrug der Wert 118 und vor einer Woche 85,6. Die Gesundheitsämter meldeten mehr als 28.000 neue Ansteckungen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht eine „kritische Situation der Pandemie“.

Warnung vor vollen Intensivstationen

„Wenn diese Entwicklung anhält, haben wir schon in zwei Wochen wieder 3000 Patienten auf Intensivstation“, warnte Vorstands-Chef Gerald Gaß gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Auch wenn die Krankenhäuser dies leisten können, wird es dann nicht ohne Einschränkung des Regelbetriebs ablaufen können“, sagte der Verbandschef. Dann müssten die Mediziner in den Kliniken wieder planbare, weniger dringliche Behandlungen verschieben.

Hoffnung auf Impfungen für unter Zwölfjährige

Nach Einschätzung des Weltärztebundes arbeiten das Pflegepersonal der Intensivstationen und die Ärzte längst am Anschlag. Kinderärzte hoffen, dass bald auch Covid-19-Impfungen für unter Zwölfjährige in Deutschland möglich sind. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte am Mittwoch angekündigt, möglichst noch vor Weihnachten zu entscheiden, ob sie eine Empfehlung für Corona-Impfungen für Kinder zwischen fünf und elf Jahren ausspricht.

„Wir müssen alles in unserer Macht Stehende versuchen, um die Impfraten zu erhöhen“, mahnte der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, in der Augsburger Allgemeinen. Wer sich jetzt nicht impfen lasse, obwohl er es machen könnte, riskiere sein Leben und das seiner Mitmenschen.

„Bei hoher Durchimpfung der Bevölkerung gibt es sehr viel mehr milde Verläufe – die müssen nicht ins Krankenhaus, aber viele Ungeimpfte erkranken nach wie vor schwer.“ Viele Pflegekräfte und Ärzte hätten die Arbeit im Intensivbereich aufgegeben – auch, weil sie es leid seien, sich für die Unvernunft von Impfgegnern abzurackern.

Aufhebung der Corona-Notlage

Trotz steigender Infektionszahlen geht die Debatte um die Aufhebung der Corona-Notlage zum 25. November weiter. SPD, Grüne und FDP, die eine gemeinsame Bundesregierung bilden wollen, haben dazu am Mittwoch erklärt, die gesetzliche Sonderlage auslaufen zu lassen.

Für eine Übergangszeit bis zum 20. März 2022 soll stattdessen aber eine neue rechtliche Basis für Corona-Vorgaben geschaffen werden. Damit sollen die Bundesländer weiterhin „weniger eingriffsintensive“ Maßnahmen anordnen können – unter anderem zu Masken oder Zugangsregeln nur für Geimpfte, Genesene und Getestete.