Daria Nawalny (l.), ihr Bruder Zahar, ihr Vater, der russische Kreml-Kritiker Alexej Nawalny, und seine Frau Julia am Krankenbett in der Charité. Foto: Daria Nawalny/privat/Instagram/dpa

Neue Hinweise im Fall Alexej Nawalny: Der russische Regimekritiker wurde offenbar nicht wie bisher vermutet am Flughafen der Stadt Tomsk vergiftet, sondern bereits vor der Fahrt zum Airport in einem Hotelzimmer. Nawalnys Team berichtete am Donnerstag im Onlinedienst Instagram, ein deutsches Labor habe auf einer aus Nawalnys Zimmer in seinem Hotel in Tomsk mitgenommenen Wasserflasche Spuren des Nervengifts Nowitschok nachgewiesen.

Der 44-jährige prominente Gegner von Präsident Wladimir Putin war am 20. August auf einem Flug vom sibirischen Tomsk nach Moskau ins Koma gefallen. Mitglieder seines Teams entschieden daraufhin, „alles mitzunehmen, was möglicherweise nützlich sein könnte, und es den Ärzten in Deutschland zu übergeben“, da es „ziemlich offensichtlich“ gewesen sei, dass der Fall in Russland nicht untersucht werden würde, hieß es weiter. Zuvor hatten Nawalnys Mitstreiter vermutet, dass er durch einen Tee am Flughafen vergiftet worden sein könnte.

Kreml-Kritiker Alexej Nawalny war am 20. August auf einem Flug vom sibirischen Tomsk nach Moskau ins Koma gefallen. Foto: Imago Images/ITAR-TASS

Der russische Oppositionelle war nach einer Notlandung zunächst zur Behandlung in ein Krankenhaus im sibirischen Omsk gebracht worden. Zwei Tage später wurde er auf Wunsch seiner Familie und Unterstützer nach Deutschland ausgeflogen und in die Berliner Universitätsklinik Charité eingeliefert, wo er seither behandelt wird. Inzwischen ist Nawalny wieder bei Bewusstsein und auf dem Weg der Besserung.

Nach Angaben der Bundesregierung wurde der Oppositionelle „zweifelsfrei“ mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet, der in der früheren Sowjetunion entwickelt worden war. Labore in Frankreich und Schweden bestätigten den Befund.

Moskau weist den Verdacht zurück, staatliche russische Stellen könnten Nawalny gezielt vergiftet haben, und betont, die Ärzte im sibirischen Omsk hätten keine Spuren von Gift bei ihm gefunden.