Ein ukrainischer Soldat: Die Ukraine rüstet sich für einen Krieg mit Russland. Präsident Selenskyj kündigte eine Teilmobilmachung von Reservisten an. Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Russland hat in der Nacht zu Donnerstag mit Angriffen auf die Ukraine begonnen. Es herrscht Krieg. Aber worum geht es eigentlich im Krieg Russland gegen die Ukraine? Ein Erklärungsversuch – das Wichtigste in Kürze!

Warum zettelt Wladimir Putin den Krieg gegen die Ukraine an?

Es gibt historische, aber auch strategische Gründe, warum Russlands Präsident Wladimir Putin nun zur „Militäroperation“ gegen die Ukraine aufgerufen hat. Seit 1991 ist die Ukraine ein eigenständiger Staat, gehörte zuvor zu den 15 Sowjetrepubliken. Kremlchef Putin will das scheinbar rückgängig machen. Er sprach dem Nachbarn Ukraine die Souveränität zuletzt mehrfach ab – und erhob Anspruch auf das Land als Teil Russlands.

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Der Großteil der Bevölkerung der Ukraine will das aber nicht. Im Gegenteil. Die Mehrheit will sich eher westlich orientieren, will den Beitritt in die EU und das westliche Militärbündnis Nato. Das ist Putin ein Dorn im Auge.

„Die militärisch-technische Erschließung der Ukraine durch die Nato bedeutet für uns ein großes Sicherheitsrisiko“, erklärt Russlands Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew, im RND-Interview. „Bei entsprechenden Waffensystemen beträgt dann die Anflugzeit zu lebenswichtigen russischen Zentren nur noch fünf bis sieben Minuten.“

Russlands Forderungen fasst der Botschafter so zusammen: „Erstens: Keine Nato-Erweiterung mehr in Richtung Osten. Zweitens: Keine weitere militärtechnische Aufrüstung durch die Nato in unserer Nach­bar­schaft. Drittens: Rückzug der militärtechnischen Infrastruktur der Nato auf den Stand von 1997, als wir die Russland-Nato-Grundakte unterzeichnet haben.“

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Was hat es mit den Separatisten auf sich?

Vor allem in den ukrainischen Regionen Luhansk und Donezk an der russisch-ukrainischen Grenze gibt es prorussische Separatisten, die mit der Ukraine nichts zu tun haben wollen. In beiden Gebieten ist Russisch die offizielle Amtssprache, es wird in Rubel gezahlt. Völkerrechtlich gehören sie aber zur Ukraine. Ausschließlich Russland erkennt die zwei seit 2014 so genannten Volksrepubliken als eigenständig an.

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Ein Panzer feuert auf dem Übungsgelände während der Militärübung Union Courage 2022 zwischen Russland und Belarus ab. Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa

Was hat es mit dem Minsker Abkommen auf sich?

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will den Konflikt in der Ostukraine beenden – auf militärischem Weg ist das gegen Separatisten, die von Russland unterstützt werden, aber kaum zu bewältigen. Das Minsker Abkommen von 2015 sah als Lösung weitgehende Autonomie für die Volksrepubliken vor. Sie sollen eine eigene Polizei und Gerichtsbarkeit bekommen sowie sprachliche Selbstbestimmung. Die Konflikte löste dieser Vorschlag aber nicht wirklich.

Außerdem gab es mit dem Minsker Abkommen eine Waffenstillstandsvereinbarung. Faktisch gab es auch in den vergangenen Jahren immer wieder Gefechte und Verstöße beider Seiten gegen das Abkommen. Putin bezeichnete es im Rahmen der Anerkennung der Separatistengebiete inzwischen als gescheitert.

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Was treibt Russlands Präsident Wladimir Putin an?

Kremlchef Wladimir Putin fühlt sich durch den Zerfall der Sowjetunion 1989/1990 übers Ohr gehauen, bezeichnete ihr Ende schon 2005 als „die größte geopolitische Katastrophe“ des 20. Jahrhunderts. „Das, was wir uns in 1000 Jahren erarbeitet haben, war zu einem bedeutenden Teil verloren“, sagte Putin laut RND mit Blick auf die russische Geschichte Ende vergangenen Jahres in einer Fernsehdokumentation.

Dass der US-Senat der Möglichkeit einer Nato-Osterweiterung 1998 zugestimmt hat, ist Putin ein Dorn im Auge. Er möchte die Nato aufhalten, eine Pufferzone vor Russland errichten, zu der u. a. die Ukraine und Belarus gehören sollen.