Dämmerung über der Bauwirtschaft: Firmen erwarten weniger Aufträge.
Dämmerung über der Bauwirtschaft: Firmen erwarten weniger Aufträge. imago/Sabine Gudath

Es war ein lobenswertes Ziel der Bundesregierung, 400.000 Wohnungen pro Jahr zu bauen, um den drängenden Bedarf zu decken. Der Plan verdunstet, das Ziel ist in weite Ferne gerückt. Statt 400.000 werden in diesem Jahr nur etwa 280.000 Wohnungen fertig.

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Nachdem die Baubranche in den vergangenen Jahren voll ausgelastet war und  auch nicht von der Corona-Krise gebremst wurde, machen dem Gewerbe jetzt steigende Zinsen und hohe Kosten zu schaffen. Insbesondere im Wohnungsbau springen Auftraggeber und Investoren ab. Der ohnehin schleppende Neu- und Ausbau gerät weiter ins Stocken.

Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), Reinhard Quast, spricht zwar nur von einer Delle der Baukonjunktur. Aber es ist eine kräftige Delle. Der Verband geht von einem Branchenumsatz in Höhe von rund 158 Milliarden Euro in diesem Jahr aus. Die Preissteigerungen mit einberechnet, wäre das ein Umsatzrückgang von 5,5 Prozent im Vergleich zu 2021. 

Umsatz-Rückgang wird sich beschleunigen, sagt der Bau-Verband

Für 2023  prognostiziert der ZDB einen preisbereinigten Rückgang von 7,2 Prozent. „Das ist gewaltig“, sagte Quast.  

Die  Prognose spiegelt sich laut ZDB auch in der Stimmung bei den Unternehmen wider. Zwar bewerte ein Großteil der Betriebe die derzeitige Geschäftslage einer Verbandsumfrage zufolge weiterhin als gut oder zumindest als befriedigend. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen gingen aber von einer Verschlechterung der Situation in den nächsten sechs Monaten aus. Das sind 15 Prozentpunkte mehr als in der Frühjahrsumfrage.

Kommunen ohne Bau-Geld, Investoren ohne Gewinnaussicht

Insbesondere die bisher gute Auftragslage trübt sich ein. Während der Bund viele Milliarden in die Infrastruktur investieren will, fehlt laut Quast vor allem in den Kommunen oft das Geld für öffentliche Bauaufträge. Im Wohnungsbau sprängen Investoren ab, weil sich die Projekte angesichts der hohen Baukosten und steigender Zinsen nicht mehr rechneten.

Das gelte auch für private Bauherren. „Wir sehen eben auch besonders viele Stornierungen“, sagte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. „Üblicherweise haben wir bei den Stornierungen eine Quote von so ein, zwei Prozent.“ Aktuell liege sie im zweistelligen Prozentbereich. Viele kündigten bereits vertraglich vereinbarte Projekte, weil sie die steigenden Kreditzinsen nicht mehr finanzieren können.

Hohe Zinsen sollten eigentlich zu sinkenden Immobilienpreisen führen. Doch dieser Effekt werde durch die steigenden Baupreise weitgehend kompensiert, betonte Quast. Zwischen Januar und August dieses Jahres haben sich laut ZDB die Preise für Wohnungsbauleistungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 16 Prozent erhöht.

Keine Hoffnung auf billigeren Wohnraum

Auch der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) dämpfte mit Blick auf die Preise für Wohnimmobilien die Stimmung. Diese dürften zwar absehbar weiter sinken, teilte vdp-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt mit. Ein Einbruch der Preise sei aber nicht zu erwarten, denn der Bedarf an Wohnraum bleibe hoch. Selbst ein kräftiger Rückgang der Preise um rund 20 Prozent, den einige in der Branche für möglich hielten, würde nur das Niveau von 2020 bedeuten.

Was das Ziel der Bundesregierung angeht, jährlich mindestens 400.000 neue Wohnungen zu bauen, ist der ZDB pessimistisch. 2022 würden rund 280.000 neue Wohnungen fertiggestellt. Für das kommende Jahr rechnet der Verband mit nur noch 245.000 Fertigstellungen.

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Kritik äußerte der Verband, dass die Bundesregierung Fördermittel stärker auf die Sanierung und die Energieeffizienz von Gebäuden ausrichte und gleichzeitig die Mittel für den Neubau aber zusammenstreiche. Die Vorgaben für energetische Standards insbesondere beim sozialen Wohnungsbau seien zudem zu hoch.