Ein Mann steckt sich ein Bündel Geldscheine ein (Symbolbild).  Foto: Imago Images/Photothek/Thomas Trutschel

Tätergruppen der Organisierten Kriminalität (OK) haben im vergangenen Jahr 803 Millionen Euro Schaden verursacht und dabei 644 Millionen Euro erbeutet. Am lukrativsten ist für die Banden die Wirtschaftskriminalität, wo allein 406 Millionen Euro erbeutet wurden. Zudem flossen bei Steuer- und Zolldelikten rund 106 Millionen Euro an kriminellen Erträgen in die Kassen der Banden-Chefs.

Dies geht aus dem Lagebild Organisierte Kriminalität für 2019 hervor, das das Bundeskriminalamt (BKA) am Freitag veröffentlichte.

Dass die Schadenssumme dieses Mal höher liegt als im Vorjahr (691 Millionen Euro) hängt hauptsächlich mit neu gemeldeten Schäden aus Wirtschafts- sowie Steuer- und Zollverfahren zusammen. Die insgesamt 579 OK-Ermittlungsverfahren stellen laut BKA allerdings nur „das polizeilich bekannt gewordene Hellfeld“ dar. Vieles passiert also weiter im Verborgenen, und bei weitem werden nicht alle Schäden bekannt – auch, weil geschädigte Firmen nach der Erfahrung von Ermittlern aus Angst vor Imageverlust keine Anzeige erstatten.

Allein aus einem Verfahren im vergangenen Jahr betrug der Schaden 350 Millionen Euro. Dabei ging es um illegale Finanzdienstleistungen, bei denen die Täter die Rekordsumme von 250 Millionen Euro erbeuteten.

Rauschgifthandel macht Banden reich

Reich werden die OK-Täter auch bei Rauschgifthandel und Schmuggel sowie durch Eigentums- und Schleusungskriminalität. Die meisten Verfahren, nämlich mehr als ein Drittel, werden gegen Drogenhändler und -schmuggler geführt oder sind in dem Jahr abgeschlossen worden. Auch Geldwäsche und Fälschungskriminalität gehören zur Organisierten Kriminalität.

113 Verfahren durch Bund und Länder gibt es allein in Nordrhein-Westfalen, 77 in Bayern, 64 in Niedersachen und 56 in Berlin. In Berlin zum Beispiel führt davon das Landeskriminalamt 44 Verfahren, das BKA zwei, die Bundespolizei vier und der Zoll sechs.

Die Landeskriminalämter und das BKA konnten insgesamt 6.848 Tatverdächtige ermitteln. 33,3 Prozent davon sind deutsche Staatsbürger. Die Polizei aus Bund und Ländern ging wie im Vorjahr auch im Jahr 2019 gegen 45 kriminelle Clan-Gruppierungen vor, was einen Anteil von 7,8 Prozent aller erfassten OK-Gruppierungen entspricht. Dabei ging es vor allem um Rauschgifthandel oder -schmuggel. „Die Ermittlungen zeigten, dass die kriminellen Clanmitglieder international gut vernetzt sind und vorhandene Kontakte in ihre ursprünglichen Heimatstaaten zur Begehung von Straftaten nutzen“, heißt es in dem Bericht.

Im Visier: 38 kriminelle Gruppierungen

Die Bundes- und Landesbehörden führten gegen 38 OK-Gruppierungen (2018: 27) mit Angehörigen der aus Ostanatolien und dem Libanon stammenden Mhallamiye-Volksgruppe sowie Angehörigen arabisch- und türkischstämmiger Herkunft. In Nordrhein-Westfalen sind 17 OK-Verfahren anhängig. Dahinter folgen Berlin (sechs Verfahren) und Niedersachsen (fünf Verfahren).

Tief verstrickt sind laut BKA auch Gruppierungen der sogenannten russisch-eurasischen Organisierten Kriminalität. Gegen solche Banden werden 27 Verfahren geführt. Zehn dieser Banden wurden von Russen dominiert, vier von Deutschen, drei von Armeniern und zwei von Georgiern. Diese Banden sind vor allem in Wirtschaftskriminalität, Eigentumskriminalität und Drogenhandel verwickelt,  aber auch in Cybercrime.

Vertreten in Deutschland sind auch Mitglieder der italienischen Mafia. Ihre Hauptaktivität war der Drogenhandel, vornehmlich mit Kokain, und die Geldwäsche. Die Polizei führt insgesamt 15 Verfahren gegen 260 Tatverdächtige, die zur ‘Ndrangheta gehören, zur Cosa Nostra oder zur Camorra.