"Derzeit haben wir bis auf Weiteres geschlossen" steht am Montagvormittag auf einem Schild an einem Geschäft in einem Einkaufszentrum in Moabit. Der Laden bleibt wohl trotz der neuen Corona-Beschlüsse weiterhin geschlossen. Foto: dpa

Handel, Gaststätten, Verbände und auch die Kirchen rebellieren gegen die Corona-Beschlüsse der Kanzlerin. Vor allem die Regelung, dass Geschäfte mit einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmetern öffnen dürfen, stößt der Handelsbranche bitter auf. Dies sei unzulässige „Wettbewerbsverzerrung“, schoss der Handelsverband Deutschland (HDE) gegen Bund und Länder. Abstands- und Hygieneregeln könnten sowohl in kleinen als auch in großen Geschäften eingehalten werden, kritisierte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth die stufenweise Öffnung der Läden und appellierte an Kanzlerin Merkel, einheitliche, nicht diskriminierende Vorgaben für den gesamten Einzelhandel voranzubringen.

Als „willkürliche Entscheidung“ lehnte auch der Textilhandel die neue Regelung ab. „Die Politik will verhindern, dass die Städte attraktiv sind“, schimpfte der Präsident des Handelsverbandes Textil (BTE), Steffen Jost. Auch kleine Händler würden leiden. Denn dadurch, dass die großen Kundenmagneten geschlossen blieben, werde es auch ihnen an Kundschaft fehlen.

Tourismus-Branche drohen jetzt existenzielle Folgen


Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kritisierte, für viele Betriebe fehle weiterhin eine klare Perspektive für ihr Geschäft. Der mit am stärksten betroffenen Tourismus-Branche drohen existenzielle Folgen. „Es ist jetzt mit einer weiteren großen Stornierungswelle zu rechnen“, die die finanziellen Mittel der Branche übersteigen werde, warnt Norbert Kunz vom Tourismusverband (DTV). Auch für Gaststätten wird es ohne Rettungspaket eng, befürchtet Guido Zöllick vom Gaststättenverband Dehoga. Als Teil eines solchen Pakets forderte der Verband unter anderem direkte Finanzhilfen für die Betriebe.


Bittere Enttäuschung auch bei der katholischen Kirche über das weiter geltende Verbot von Gottesdiensten aller Religionsgemeinschaften. Es sei schlicht nicht nachvollziehbar, empörte sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Er will das Verbot auch nicht hinnehmen, sondern „einen Lösungsvorschlag einbringen, wie wir Religionsausübung und Infektionsschutz gleichermaßen gewährleisten können“.