Donald Trump schippt werbewirksam: 2018 war er beim Baubeginn einer Fabrik in Wisconsin dabei, wo das taiwanesische Elektronik-Unternehmen Foxconn 13.000 Menschen beschäftigen wollte. Das Werk ist allerdings bis heute nicht fertig. Foto: Evan Vucci / AP

Washington D.C. - Es ist die Wirtschaft, Dummkopf! Dieser Spruch wurde 1992 den Wahlwerbern für den Demokraten Bill Clinton eingetrichtert. Sie sollten das Thema Wirtschaft im Gespräch mit den Bürgern nie auslassen. Jetzt scheint das Prinzip „It's the economy, stupid“ dem Republikaner Donald Trump geholfen zu haben, ein  besseres Ergebnis zu erzielen als erwartet. Joe Bidens Versuch, Corona zum zentralen Thema zu machen, hat weniger gezogen. 

Bei Umfragen sagten 35 Prozent der Wähler, dass die Lage der Wirtschaft ihr wichtigstes Abstimmungskriterium war. Corona nur zu 17 Prozent, noch hinter der Rassen-Ungleichheit (20 Prozent).

In der Tat hat die Trump-Regierung kein schlechtes Ergebnis hingelegt: Waren am Anfang der Corona-Epidemie noch Arbeitslosenquoten von 25 Prozent vorhergesagt worden, lag sie zuletzt bei unter acht Prozent. Darauf achten Menschen - weniger darauf, dass das mit einer astronomischen Staatsverschuldung von über 23 Billionen Euro erkauft wurde - in Ziffern: 23.000.000.000.000. Zum Vergleich: Hätte die an Bevölkerung etwa viermal kleinere Bundesrepublik so viele Einwohner wie die USA, wären es nur etwa 8,5 Milliarden Euro.

Am Ende sind die US-Amerikaner laut der Umfrage zu 48 Prozent der Auffassung, dass es gut oder sehr gut mit der Wirtschaft laufe. Das schreiben viele als Erfolg der Politik Trumps zu, der die Wirtschaft von vielen Vorschriften unter anderem im Umweltbereich befreit hatte. Er konnte sich damit brüsten, zuvor häufig beispielsweise nach China ausgelagerte Industrieproduktion wieder in den USA anzusiedeln, und er schirmte den heimischen Markt mit einer aggressiven Zollpolitik gegenüber China und der EU ab. 

In der Corona-Situation stehen die USA mit über 230.000 Toten in absoluten Zahlen zwar sehr schlecht da, gerechnet auf die Einwohnerzahl im Vergleich beispielsweise mit einigen europäischen Ländern jedoch nicht ganz so katastrophal. Auf eine Million US-Bürger gab es zuletzt 713 Corona-Tote, in Spanien aber 767 und in Großbritannien 687 auf eine Million Einwohner. Die Pandemie schlug zwar mit 9,4 Millionen Infektionen gnadenlos zu, aber die Angst vor wirtschaftlicher Verelendung war offenkundig größer als die Angst vor dem Virus.

Eine Rolle dürfte schließlich die Form des Wahlkampfs gespielt haben: Biden war weniger auf Reisen als Trump, der nach seiner überstandenen Covid-19-Erkrankung bei seinen Anhängern mit der Behauptung punkten konnte, Corona sei gar nicht so schlimm.