Der Ausschussvorsitzende Kay Gottschalk (l., AfD) mit Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Zwischen ihnen der Wälzer von Abschlussbericht.   dpa/Kay Nietfeld

Vor fast genau einem Jahr platzte die Bombe: Das Dax-Unternehmen Wirecard musste zugeben, dass ihm 1,9 Milliarden Euro fehlten. Pleite. Die Aktien rauschten in den Keller, gerade Kleinanleger verloren viel Vermögen. Ex-Chef Markus Braun sitzt in U-Haft, Vorstandskollege Jan Marsalek ist auf der Flucht. Jetzt erhielt Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) den Abschlussbericht des  Untersuchungsausschusses, der den größten Betrug der deutschen Nachkriegsgeschichte aufklären wollte, 110 Zeugen befragte.

Jan Marsalek wird steckbrieflich gesucht und in Russland vermutet. imago

Die Opposition aus FDP, Grünen und Linken hat ein Sondervotum abgegeben, die AfD ein weiteres. Am Freitag wird der Bericht im Bundestag diskutiert.

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Scholz, oder doch Altmaier?

Für die Union steht SPD-Finanzminister Olaf Scholz im Zentrum des Skandals. Finanzaufsicht BaFin und Scholz' für sie zuständiges Ministerium hätten sich „jahrelang im Aufsichtstiefschlaf befunden“, sagte CDU-Ausschuss-Obmann Matthias Hauer.  Cansel Kiziltepe (SPD) dagegen macht die Wirtschaftsprüfungsfirma EY verantwortlich, die jahrelang die Bilanzen von Wirecard abgesegnet hatte. Und hier trage Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Ende Verantwortung, weil die Wirtschaftsprüferaufsicht Apas in seinen Bereich falle.

Dr. Markus Braun kurz vor der Pleite. Jetzt sitzt er. imago/argum/Falk Heller

Florian Toncar (FDP) sagte, dass das Ausmaß der Pleite hätte verhindert werden können. Verantwortlich seien vor allem EY sowie in Scholz' Verantwortung BaFin und Anti-Geldwäsche-Einheit FIU. Sein Linke-Kollege Fabio de Masi sagte zwar, die deutschen Aufseher seien nicht fit für das digitale Zeitalter. Dennoch: „Diese Illusionsfabrik Wirecard war auch nur denkbar, weil sie sich ein politisches Netzwerk organisiert haben.“   Lisa Paus (Grüne) meinte, die Aufseher hätten geglaubt, deutsche Unternehmen seien die besten. Dabei sind Braun und Marsalek Österreicher ...

Kay Gottschalk, der den Ausschuss geleitet hatte, forderte im Namen der AfD den Rücktritt von Olaf Scholz, und dass Wirtschaftsprüfer höchstens fünf Jahre lang für ein Unternehmen zuständig sein dürften.

Justiz auf Jahre mit Wirecard befasst

Die juristische Aufarbeitung des Falls dürfte Jahre dauern. Beim Landgericht München sind 400 Schadenersatzklagen gegen EY anhängig. Gegen die Wirecard-Spitze wird strafrechtlich wegen „bandenmäßigen Betrugs“ ermittelt. Banken und Investoren seien um drei Milliarden Euro geschädigt worden.