Jan Marsalek wird seit zwei Jahren gesucht. dpa

Seit Russland Ende Februar einen Angriffskrieg auf die Ukraine entfesselte, sind die Beziehungen zwischen Deutschland und dem Kreml angespannt wie nie. Ausgerechnet in dieser Situation schickt die Münchener Staatsanwaltschaft nun ein Rechtshilfegesuch an den Kreml. Es geht um die Aufklärung des Wirecard-Skandals.

Staatsanwaltschaft will Auslieferung von Jan Marsalek

Wie die „Bild“ berichtet, hat sich die Münchener Justiz auf der Suche nach dem flüchtigen ehemaligen Wirecard-Vertriebschef Jan Marsalek an die russische Regierung gewandt. Vor Ostern soll ein Inhaftnahmeersuchen an den Kreml geschickt worden sein. Es enthält demnach die Bitte um Festnahme und Auslieferung nach Deutschland. Zudem soll auch der genaue Fluchtort aus dem Januar 2021 enthalten sein.

Laut „Bild“ sollen vor Ostern auch zwei Münchner Staatsanwälte in der BND-Zentrale in Berlin gewesen sein, um dort geheime Akten zu Marsalek einzusehen. Der Zeitung zufolge soll Russland Deutschland bereits vor längerer Zeit angeboten haben, Marsalek zu verhören, das Angebot sei aber nicht bei der Münchner Staatsanwaltschaft angekommen. Laut „Spiegel“ soll der BND dieses Angebot aber wegen Bedenken abgelehnt haben.

Staatsanwaltschaft will Rechtshilfeersuchen nicht bestätigen

Die Staatsanwaltschaft München I wollte den Bericht nicht bestätigen und teilte auf Anfrage mit, man könne sich nicht zu Maßnahmen der internationalen Rechtshilfe äußern.

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Marsalek ist seit Sommer 2020 untergetaucht und wird in Russland vermutet. Er ist eine Schlüsselfigur im Skandal um den 2020 zusammengebrochenen Finanzdienstleister Wirecard. Der gilt als größter Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der ehemalige Konzernchef Markus Braun und zwei weitere Spitzenmanager sind bereits angeklagt. Es geht um Scheinbuchungen im großen Stil. Geschädigt wurden durch den Zusammenbruch mehrere Banken und Investoren, sowie zehntausende Aktionäre.