Alexej Nawalny sitzt nach seiner Entlassung aus der Berliner Charité auf einer Parkbank. Foto:  dpa/Instagram/Nawalny

Berlin - Noch machen Kopf und Hände nicht immer das, was Russlands prominentester Oppositioneller Alexej Nawalny gern hätte. Aber einen Monat nach dem Giftanschlag auf ihn macht der 44-Jährige nun schon solche Fortschritte, dass er die Charité verlassen konnte – und sich täglich zu Wort meldet. Er sitzt auf einer Parkbank, lässt sich fürs Internet fotografieren und will nun als Nächstes eine Physiotherapie beginnen. Nach seiner vollen Genesung, an die Nawalny fest glaubt, könnte er Kremlchef Wladimir Putin gefährlicher werden als je zuvor.

Der Giftanschlag habe Nawalny einen „neuen Status“ als Politiker verschafft, sagt die russische Politologin Tatjana Stanowaja. Das Team des Oppositionellen machte stets deutlich, dass Nawalny natürlich nach Moskau zurückkehren werde. Angebote eines Asyls im Westen gibt es zwar genug. Aber der Politiker ist bekannt für seine kämpferische Haltung. Er hat sich auch nach früheren Anschlägen oder strafrechtlicher Verfolgung durch die russischen Behörden nie kleinkriegen lassen. Noch ist er nach Angaben seiner Sprecherin aber in Deutschland.

Spezialisten helfen ihm beim Training

Nanwalny will, so teilt er mit, erst einmal mithilfe von Spezialisten wieder zu Kräften kommen. „Ich will auf einem Bein stehen. Die Kontrolle über die Finger zurückerlangen. Gleichgewicht halten“, schreibt er auf Instagram. Er wolle jeden Tag mit Physiotherapeuten trainieren und womöglich in ein Reha-Zentrum gehen. Er freue sich vor allem darüber, dass er das Krankenhaus endlich verlassen durfte. „Hurra!“, schreibt Nawalny.

Wo sich der Kremlkritiker aktuell genau aufhält, ist nicht bekannt. Die Bundesregierung äußert sich aber „sehr erleichtert“ über die Verbesserung seines Gesundheitszustands. „Das ist sehr ermutigend, wir wünschen ihm weiterhin eine vollständige Genesung“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch. Zum Aufenthaltsort Nawalnys wollte auch er sich nicht näher äußern. „Dafür bin ich nicht zuständig“, so Seibert.

Sich selbst im Spiegel nicht erkannt

Nawalny schreibt im Internet, dass er sich selbst nicht mehr erkannt habe, als er nach wochenlangem Koma zum ersten Mal in den Spiegel geblickt habe. Jetzt müsse er sein Leben wieder normalisieren. „Das Gehirn will einige Bewegungen einfach nicht machen.“ Es gelinge ihm noch nicht, einen Ball zu werfen oder mit der Hand zu schreiben. Er werde aber wieder regelmäßig in den sozialen Netzwerken aktiv sein. Und er dankt abermals den „brillanten“ Berliner Ärzten für ihre Bemühungen. „Sie haben unglaubliche Arbeit geleistet“, so Nawalny. (mit dpa)